Infiniti emerg-e Front Seitenansicht Front Elektroauto
Emotionale Aufladung für den Sternen-Flug.
 

Makin’ Whoopee

Mit der ­Sportwagen-Studie Emerg-E will Infiniti in alle Richtungen Neuland erobern.

02.05.2012 Autorevue Magazin

Wie man eine neue Luxus-Marke etabliert? Mit großem Selbstvertrauen, tüchtig Trommelwirbel und Best-of-Best-Technik natürlich. In mindestens zwei dieser Disziplinen verstehen sich die Japaner als Weltmeister, wissen aber sehr wohl, dass die Welt groß und bunt ist und Weisheit nicht nur in der Wiege verteilt wird. Um seinen Horizont zu erweitern, ließ Nissan erstmals ein neues Modell seiner Premium-Ableger-Marke Infiniti in Europa entwickeln: einen Elektro-Sportwagen mit Dreizylinder-Range-Extender in Mittelmotorlage.

Infiniti emerg-e Front Heck Seitenansicht Elektroauto

Infiniti braucht einen Herzbuben als Begehrlichkeits-Brandbeschleuniger. Die japanische Luxus-Marke kam erst spät nach Europa, knapp zwanzig Jahre nach ihrem Weltdebüt in Amerika. Lexus, von Toyota ebenfalls 1989 als Premium Brand für den amerikanischen Markt kreiert, traute sich schon ein Jahr danach über das große Wasser. Trotz seines Frischlings-Status macht Infiniti aber schon beachtliche Fortschritte: 12.000 Fahrzeuge verkaufte man in Europa im letzten Jahr (weltweit: 120.000). Bis 2016 sollen es in Europa 100.000 und global eine halbe Million sein.

Gediegen und intelligent sollen Infiniti-Modelle nach der Selbstbeschreibung des Herstellers sein, und sie sollen auf den jeweiligen Märkten punktgenau landen. Im Fall des Sportwagens mit dem Konzept-Namen „Emerg-E“ (großes E für Elek­tro) ist das Fadenkreuz auf ­Europa gerichtet. Die zwei Elektro-Motoren leisten 408 PS und beschleunigen den knapp 1600 Kilo schweren Sportwagen in vier Sekunden auf Hundert. Die Lithium-Ionen-Batterie reicht für rund 50 Kilometer reinen Strom-Betrieb.

Infiniti emerg-e Front Innenraum Interieur Elektroauto

Der Infiniti Emerg-E ist nicht nur für das Scheinwerferlicht von Automessen gedacht. Die Technik ist fahrtüchtig. Neben dem Showcar, das auf dem Genfer Autosalon zu sehen war (erkennbar an den fehlenden ­Seitenspiegeln), gibt es zwei Prototypen, die noch dieses Jahr Journalisten-Testfahrten absolvieren werden.

Neben dem Eindruck, den Emerg-E mit seinen fließenden und gleichzeitig kraftvollen ­Linien optisch hinterlassen soll, wollte sich Nissan mit der Prototypen-Entwicklung vor allem technisches Neuland ­erschließen. Man wählte dafür einen ungewöhnlichen Weg: Das Projekt Emerg-E wurde zum Teil aus dem britischen Regierungstopf für Forschungsförderung (Technology Strategy Board/TSB) finanziert. Dadurch hatte Nissan Zugang zu Technolo­gien anderer TSB-Mitglieder, zum Beispiel Lotus Engineering, wo man ebenfalls einen Mittelmotor-Sportwagen mit Range Extender entwickelte. So kam es, dass das europäische Technikzentrum von Nissan (NTCE) mit Lotus Engineering sein Konzept auf Basis des Evora baute und die Kohlefaser-Komponenten mit jenem Zulieferer entwickelte, bei dem auch Aston Martin einkauft.

Infiniti emerg-e Front Innenraum Interieur Elektroauto

In einer Auflage von 3000 bis 4000 Stück pro Jahr könnte der Emerg-E, der größenmäßig zwischen 370Z und GTR liegt, eventuell in Kleinserie gehen, sagt François Bancon, der ­Leiter von Infiniti/Nissan Advanced Design. Es wäre nicht schwer, in Europa einen Produktionspartner dafür zu finden. Infiniti wird ab 2013 seinen neuen Kompaktwagen bei Magna in Graz bauen. Also auch in der Steiermark? ­Warum nicht, sagt Bancon.

Technische Daten des Infinit Emerg-E:

Antrieb:
Je ein EVO-Synchron-Motor (Gleichstrom, bürstenlos) an den Hinte­r­rädern. Range Extender (RE): 1,2-Liter-Dreizylinder-Benzin-Motor (von Lotus) in Mittelmotorlage. Einstufen-Fix-Getriebe. Heckantrieb.
Leistung E: 300 kW (408 PS) bei 3000/min
Drehmoment E: 1000 Nm
Batterie: Lithium-Ionen-Phosphat. 14,8 kW/h. 6 Stunden Ladezeit bei 16A.
Leistung RE: 35 kW (47,6 PS) bei 3500/min
Drehmoment RE: 107 Nm bei 2500/min
Tankinhalt: 30,6 Liter
Höchstgeschwindigkeit: 209 km/h
0-100 km/h: 4,0 sec
Reichweite E: ca. 50 km
Reichweite gesamt: ca 480 km
C02 im RE-Modus: 55 g/km

Karosserie, Fahrwerk:
Alu-Fahrwerk, Karbonfaser-Karosserie. Vorne und hinten geschmiedete Doppelquerlenker aus Alu, Stabi, Bilstein-Dämpfer, Eibach-Federn.
3 belüftete Scheibenbremsen. Abmessungen, Gewicht: L/B/H 4464/1954/1219 mm, Radstand 2624 mm, Gewicht 1598 kg.

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