Mercedes GLA dynamisch oben
Der Mercedes GLA ist der prominenteste SUV-Zuwachs, der auf der IAA seine Premiere feiert.
 

Die IAA und die SUV-Cashcow

Von Baby-SUV, CO2-Zielen und Elektroautos. Die Autoschau IAA wird heuer von einem großen Angebot an Geländewagen dominiert. SUV sind noch immer stark gefragt.

22.08.2013 APA

Auf der IAA muss das Elektroauto in Zeiten der Absatzkrise den SUV Platz machen – zumindest wird dem E-Auto die Show gestohlen. Nach Jahren, in denen sich die Hersteller auf jeder großen Messe als Öko-Branche präsentierten, geht es nun um knallharte Absatzzahlen. Zwar rollen auf der wichtigen Branchenmesse IAA Mitte September in Frankfurt mit dem i3 von BMW und dem kleinen VW e-Up zwei batteriebetriebene Wagen ins glitzernde Scheinwerferlicht. Doch die Neuheiten, mit denen wirklich um die Kundschaft gebuhlt wird, gelten gemeinhin als Spritschlucker: Besonders beliebt beim Massenpublikum sind heute kleine Geländewagen. Dabei ist es den Käufern häufig egal, ob die Stadtflitzer auf Stelzen mehr Treibstoff brauchen als die Kompaktautos und Kleinwagen, von denen sie abstammen.

Absatzzahlen der SUV steigen noch immer

„Aus reiner Umweltliebe kauft keiner einen Elektrowagen“, sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Der Leiter des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen glaubt, dass sich die Verbraucher vielmehr von Dingen leiten lassen wie dem Gefühl größerer Sicherheit durch die erhöhte Sitzposition in Geländewagen. „Wenn das Auto auch noch gut aussieht und der Verkäufer sagt, das mit dem Spritverbrauch sei alles halb so wild, kaufen die Leute diese Wagen.“ Der Anteil der Sport Utility Vehicles (SUV) an den Neuzulassungen in den 28 EU-Staaten und drei EFTA-Ländern Schweiz, Island und Norwegen hat sich binnen vier Jahren nahezu verdreifacht. Die Neuzulassungen hätten sogar 2012 und 2013 zugenommen, obwohl der Pkw-Markt insgesamt schrumpfe, erläutert Thomas Mawick vom Marktforschungsinstitut Polk.

Erst SUV, dann Elektroauto

Die von der Dauerkrise gebeutelten Autobauer weiten ihr Angebot an Geländewagen aus, da diese Fahrzeuge ihnen heute Einnahmen sichern und ihre Fabriken auslasten und nicht erst in einigen Jahren, wenn Elektroautos in größeren Stückzahlen verkauft werden sollen. Fast jeder hat mindestens einen SUV im Angebot, Premiummarken wie BMW, Audi und Mercedes-Benz buhlen gleich mit mehreren Modellen verschiedener Größe um die Kundschaft. Mercedes präsentiert in Frankfurt den Kompakt-Geländewagen GLA, der auf der A-Klasse basiert und mit höhergelegter Karosserie und Allradantrieb gegen den Audi Q3 und den BMW X1 konkurriert. Eine Klasse höher will Porsche demnächst mit dem Macan bei den Kunden punkten, denen der Cayenne zu groß ist. BMW stellt den neuen X5 vor, der sparsamer sein soll als das Vorgängermodell.

Mini-SUV soll noch mehr Käufer abdecken

Der Trend geht zu immer kleineren Geländewagen, um auch Käufer mit schmalerem Portemonnaie zu ködern. VW arbeitet mit Hochdruck an einem Mini-SUV auf Basis des kleinen Up. Der Name Taigun unterscheidet sich lediglich durch einen Buchstabendreher von dem größeren Bruder Tiguan. Bisher gibt es den Wagen, der voraussichtlich 2016 auf den Markt kommen soll, lediglich als Prototyp. Konkurrent Opel punktet bereits jetzt mit dem Mokka bei der Kundschaft.

IAA: Höher sitzen im Trend

GM -Partner Renault bietet mit dem Captur ebenfalls ein Stadtauto an, in dem der Fahrer höher sitzt und sich so wie in einem kleinen Geländewagen fühlen kann. Ähnlich kommt das Modell 2008 des französischen Lokalrivalen Peugeot daher, der auf der IAA mit einem auf Druckluft basierenden Hybridantrieb gezeigt wird.

Die Zeit von Elektroautos ist noch nicht gekommen

Reine E-Autos werden sich nach einhelliger Meinung der Experten erst durchsetzen, wenn es genug Möglichkeiten gibt, um die Batterien nachzuladen und die Fahrer nicht fürchten müssen, auf freier Strecke liegen zu bleiben. Bis jetzt sind die Stromer auf deutschen Straßen eher selten: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zählte Anfang des Jahres 7114 Fahrzeuge mit reinem Batterieantrieb. Von Jänner bis Juni wurden 2904 Elektrowagen neu registriert. Etwas höher war die Zahl der Hybridwagen, bei denen ein herkömmlicher Verbrennungsmotor mit einem Elektroaggregat kombiniert wird. Hier zählte das KBA zu Jahresanfang 64.995 Stück – in den ersten sieben Monaten kamen 14.616 Hybridwagen neu auf die Straßen. Damit lag der Anteil von reinen Elektroautos und Hybridwagen zusammen am Pkw-Bestand zu Jahresanfang bei knapp 0,2 Prozent.

EU-Ziele zur Senkung des CO2-Ausstoßes wackeln

Einen unliebsamen Nebeneffekt hat der Run auf die Geländewagen, wenn sie mit Verbrennungsmotoren angetrieben werden: Für die Hersteller wird es so schwieriger, die Ziele der EU zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes der Neuwagenflotte zu erreichen. „Für die Autobauer ist das ein Problem. Nicht umsonst rufen sie nach Supercredits, um sich Elektro- und Hybridwagen mehrfach auf ihre CO-Bilanz anrechnen zu lassen“, sagt Dudenhöffer. Die für 2020 angepeilte Senkung des Kohlendioxidausstoßes auf 95 Gramm je Kilometer werde die Branche nicht schaffen, wenn der Trend zum SUV anhalte.

 

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