Ein Arbeiter putzt die Scheibe eines VW E-Ups
Schön sauber, aber auch schön teuer
 

VW ist bei Elektromobilität vorsichtig

Elektromobilität wird bei den Wolfsburgern in kleinen Schritten angegangen. Es dauert noch, bis die Nachfrage steigt.

05.09.2013 APA

 

Schritt für Schritt so könnte man den Weg von VW in Sachen Elektromobilität deuten. „Wir setzen nicht nur auf ein Pferd, wir setzen nicht nur auf das reine Elektroauto“, sagte der Konzernbeauftragte für Elektroantriebe, Rudolf Krebs, am Mittwoch in Wolfsburg. Europas größter Autobauer gehe davon aus, dass die Menschen noch eine ganze Weile brauchen werden, bis sie ihre Mobilität ändern.

e-Up als Hautattraktion

Wenige Tage vor Beginn der wichtigen Autoschau IAA ließ Volkswagen Journalisten in Wolfsburg den batteriegetriebenen Kleinwagen e-Up probefahren. Der soll neben dem Elektro-Golf Hauptattraktion auf dem Messestand von VW in Frankfurt werden. Daneben zeigte der Zwölf-Marken-Konzern am Sitz des Konzerns den Kompaktwagen A3 der Tochter Audi und die Oberklasse-Limousine Panamera als Hybridwagen, deren Batterie an der Steckdose aufgeladen werden kann.

Langer Weg

Krebs machte deutlich, dass VW mindestens bis zum Jahr 2020 rechnet, bis reine Elektroautos in nennenswerten Stückzahlen verkauft werden. Daher bietet der Wolfsburger Konzern die ganze Palette von Fahrzeugen mit sparsamen Verbrennungsmotoren über Hybrid-Autos, die einen Verbrennungsmotor mit einem Elektroaggregat kombinieren, bis zu rein batteriegetriebenen Elektroautos an. Ein Grund für die Mehrgleisigkeit ist, dass viele Kunden noch unsicher sind, ob die Batterien lange genug halten und Elektroautos noch teuer sind.

27.000 Euro

Der e-Up etwa kostet knapp 27.000 Euro, während der gleiche Kleinwagen mit herkömmlichem Verbrennungsmotor schon unter 10.000 Euro zu haben ist. Eine „Tankfüllung“ Strom soll beim e-Up 160 Kilometer reichen, beim e-Golf sind es wegen der größeren Batterie 190 Kilometer. Vor allem ältere Autofahrer tankten jedoch schon, wenn der Treibstoff noch 160 Kilometer reiche, heißt es in der Branche.

Aufwendungen gering halten

„Die einzige Chance besteht darin, dass wir gerade in der jetzigen Phase die Aufwendungen so gering wie möglich halten“, betonte Krebs. Deshalb läuft die Elektroversion des Up im VW-Werk in Bratislava in der Slowakei „Stoßstange an Stoßstange“ zusammen mit Kleinwagen mit herkömmlichen Antrieben vom Band. „In dem einen Fall werden Benzinschläuche gesteckt, im anderen Fall Elektrokabel verbunden“, beschreibt Krebs die Arbeit am Band.

Vorteil Baukastensystem

Bei der weiteren Elektrifizierung seiner Modelle profitiert VW von seinem Baukastensystem, durch das die Zahl gleicher Teile steigt und die Kosten drastisch sinken. Die Entwicklungszeit neuer Modelle verringert sich, weil die Ingenieure nur ins Regal zu greifen brauchen und aus einzelnen Modulen ein neues Modell zusammensetzen – vergleichbar mit einem Legobaukasten. „Ich kann mit sehr wenigen Blechänderungen die verschiedensten Antriebsarten realisieren. Damit habe ich schon mal einen Riesenaufwand gespart“, sagt Krebs.

Billier als BMW, aber noch immer zu teuer

VW wäre nicht VW, würde der Wolfsburger Konzern den Eintritt in eine neue Technologie nicht mit einer Kampfansage verbinden. „Wir positionieren den E-Up gezielt gegen den BMW i3„, betonte Krebs. Volkswagen baue mit dem e-Up das „Volkselektroauto“, das sei „eher die Großserie und weniger die Nische“, stichelte Krebs gegen den Münchner Rivalen. Im Gegensatz zum Edel-Elektroauto der Münchner, der rund 35.000 Euro kostet, sei der e-Up „bezahlbar“. Krebs räumte allerdings ein, dass auch der VW-Stromer als teuer empfunden werden könnte. „26.900 sind für ein Elektroauto Benchmark, aber der Kunde erwartet deutlich geringer Preise“, sagte der Konzernbeauftragte.

 

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