Angela Merkel steht beim offenen Kofferraum des e-Golf auf der IAA in Frankfurt
Über die eigenen und die CO2-Grenzen hinaus
 

IAA: Merkel bei der Eröffnung

Die Kanzlerin setzt sich in der Debatte um strengere Umweltauflagen für die deutschen Autohersteller ein.

12.09.2013 APA

 

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat die Eröffnung der diesjährigen IAA in Frankfurt genützt um den Autobauern des Landes in der Diskussion um schärfere Umweltauflagen den Rücken zu stärken. „Europa muss lernen, dass wir nicht ein isolierter Kontinent sind. Dafür müssen wir über unsere eigenen Grenzen hinausschauen“, sagte die CDU-Politikerin in Frankfurt. „Wir dürfen unseren eigenen Herstellern nicht größere Lasten aufbürden als das andere Länder machen“.

Nicht nur Kleinwagen

Merkel sagte zu, sich bei der EU für „vernünftige Vorgaben“ bei der CO2-Regulierung einzusetzen: „Die Bundesregierung tritt ein für eine vernünftige Balance zwischen ehrgeizigen Zielen einerseits und unternehmerischer Freiheit andererseits.“ Es könne nicht sein, dass alle Hersteller nur noch sparsame Kleinwagen bauen: „Zu Wachstum und Innovation gehören Autos aller Klassen.“

Überzeugt von E-Mobilität

Zugleich betonte Merkel, sie glaube weiter fest an einen Siegeszug von Elektroautos in Deutschland. „Wir alle sind überzeugt, dass die Elektromobilität eine immer größere Rolle spielen wird. Das Ziel ist und bleibt, wir wollen bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße bringen“, sagte die Kanzlerin.

Balance von Ökologie und Ökonomie

Die Autoindustrie prangerte erneut die in Brüssel geplanten strengen CO2-Vorgaben erneut an. „Die Ingenieure mit ihrem technischen Know-how müssen Gehör finden bei Juristen und Bürokraten“, sagte der Präsident des Automobilverbands, Matthias Wissmann. Die Automobilindustrie tauge nicht zum politischen Spielball. Denn bei der CO2-Regulierung – Brüssel will bis 2020 den CO2-Ausstoß auf 95 Gramm pro Kilometer drücken – gehe es nicht nur um Klimaschutz: „Es geht auch um eine grundsätzliche industriepolitische Weichenstellung, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas, um die gesunde Balance von Ökologie und Ökonomie.“

Supercredits

Vor allem die deutschen Premiumhersteller würden mit ihren schweren Spritschluckern von sogenannten Supercredits profitieren. Das sind Bonuspunkte für Elektro- und Hybridautos. Denn für Oberklassenhersteller ist es deutlich schwieriger, die strengen EU-Grenzwerte nur mit effizienteren Motoren zu erreichen, als für Massenhersteller wie Peugeot oder Fiat.

Kritik von Umweltschützern

IG Metall-Chef Berthold Huber hatte Wissmann am Mittwoch in diesem Punkt unterstützt: „Supercredits sind für unsere Premiumindustrie notwendig. Dort haben wir massiv Beschäftigung zu verlieren.“ Hingegen kritisieren Umweltschützer den deutschen Vorstoß. „Haarsträubend ist dabei, dass die Hersteller versuchen, mithilfe der E-Autos den Absatz der voluminösen Sprit schluckenden Geländewagen zu sichern, kritisierte etwa der VCD.

 

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