Der Audi-Stand bei der IAA Frankfurt
Die deutschen Autobauer geben sich vorsichtig optimistisch
 

IAA: Deutsche Autohersteller zeigen sich optimistisch

Der Tenor der Unternehmenschefs ist gleich: In absehbarer Zeit wird sich der Heimmarkt erholen, aber es wird ein steiniger Weg.

11.09.2013 APA

 

Am Donnerstag beginnt in Frankfurt die Automobilmesse IAA, neben zahlreichen Neuvorstellungen dient die Autoschau auch dazu der angeschlagenen Branche einen Schub zu geben. Doch die Ängste vor der schwelenden Krise in Europa lassen zunächst nur verhaltene Aufbruchstimmung aufkeimen. Der Tenor der Unternehmenschefs ist gleich: In absehbarer Zeit wird sich der Heimmarkt erholen, aber es wird ein steiniger Weg.

VW vorsichtig optimistisch

Europas Marktführer Volkswagen beispielsweise sieht Lichtblicke auf dem Heimatkontinent, warnt aber vor übertriebener Euphorie. „Wir erwarten eine gewisse Stabilisierung in Europa und hoffen, dass der Tiefpunkt erreicht ist“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Dienstag zum Start der Pressetage der Internationalen Automobil-Ausstellung. In der Statistik der Wolfsburger gab es jüngst Dämpfer: Sie verkauften von ihrer Kernmarke VW den zweiten Monat in Folge weniger als vor einem Jahr. China als wichtigster Einzelmarkt rettet aber weiter das bisher positive Jahresergebnis.

Kein schneller Aufschwung

Auch die Chefs der drei Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes üben sich in vorsichtigem Optimismus. Frühestens in der zweiten Hälfte 2014 sei eine Erholung zu erwarten, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer. „In diesem Jahr sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels.“ Womöglich könne die Krise aber auch die Branche noch drei oder sogar fünf Jahre beschäftigen. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche und Audi-Boss Rupert Stadler sehen keinen schnellen Aufschwung. Immerhin: Schlechter dürfte es nicht mehr werden. „Wir glauben, dass die Talsohle in Europa erreicht ist“, sagte Zetsche.

Formel: Neue Modelle und Kosten senken

Dabei jammern die Hersteller hierzulande auf hohem Niveau. Die Krisenkinder Opel und Ford beispielsweise stecken weiter in den roten Zahlen, geben sich aber optimistisch. Ford wird in Europa in diesem Jahr nochmals 1,8 Milliarden Euro Verluste machen, peilt aber für 2015 die Rückkehr in die Gewinnzone an, sagte Ford-Europa-Chef Stephen Odell. Opel will ein Jahr später wieder profitabel sein, bestätigte Vorstandschef Karl-Thomas Neumann. Dabei setzen beide Autobauer weniger auf ein kräftiges Marktwachstum, als auf neue Modelle und sinkende Kosten.

Rettung aus Amerika und Asien

Die drei deutschen Oberklassehersteller konnten die Flaute in vielen europäischen Ländern hingegen nicht richtig ausbremsen – die Konzerne glänzen mit Absatzrekorden, Amerika und Asien sei Dank. „Insgesamt, weltweit gesehen, haben wir eine stabile Situation“, sagte Stadler. Und so passt es auch ins Bild, dass die Audi-Mutter Volkswagen für ihr Mehrmarkenreich insgesamt mit einem Absatzrekord für das laufende Jahr rechnet: 9,5 Millionen Fahrzeuge sollen es sein, ein spürbares Plus nach den gut 9,3 Millionen im Vorjahr.

Brasilien als interessanter Markt

Und wenn es in der Tendenz so weiter gehen soll, muss Übersee weiter mehr als ausgleichen. Auch daher richten sich die Augen der Nobelmarken vor allem auf Brasilien. Nach BMW prüfen auch Audi und Daimler den Bau von Fabriken dort. Die Investitionen haben jedoch auch einen profanen Grund: Mit hohen Einfuhrzöllen zwingt der Staat die Hersteller dort zur Errichtung einer eignen Produktion im Land.

Mobiler Wandel

Den Schwung neuen Wachstums brauchen die Hersteller mit Blick auf ihre prallvolle Agenda mehr denn je. „Das Automobil hat es schwerer als noch vor 10 oder 20 Jahren“, sagte Winterkorn. „Wir stehen mitten in einem fundamentalen Wertewandel.“ Trends wie Car-Sharing oder das wachsende Umweltbewusstsein vieler Kunden sorgten zunehmend für eine grundlegend neue Einstellung zur individuellen Mobilität.

Neue Wege

Hinzu kommt das Zukunftsthema vernetztes Fahren, das die Branche zunehmend zu Allianzen mit bisher ungewohnten Partnern treibt – und so auch die Abhängigkeiten neu absteckt. Der Zulieferer Continental etwa gab am Dienstag die Zusammenarbeit mit dem US-Technologieriesen IBM bekannt und stellte weitere Partnerschaften in Aussicht. Erst kurz zuvor hatte sich Conti mit dem Netzausrüster Cisco verbündet.

 

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