Ein Auto von Toyota bei der IAA Frankfurt
Am 12. September wird die IAA Frankfurt eröffnet
 

IAA: Autohersteller zuversichtlich

Autohersteller setzen auf neue Modelle. Autoexperte Dudenhöffer sieht zwei Zielgruppen vernachlässigt.

09.09.2013 APA

 

In Frankfurt weht ein frischer Wind, zumindest wollen die großen Autohersteller uns dieses Bild zum Start der weltgrößten Automesse IAA (12. bis 22.9.) vermitteln, immerhin quält sich der Markt bereits seit fünf Jahren durch die europäische Absatzkrise. „Die diesjährige IAA markiert einen Wendepunkt“, sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. 159 Weltpremieren sollen die Lust am Neuwagen wecken, gleichzeitig sollen neue E-Autos etwa von VW und BMW die Elektromobilität in Schwung bringen.

Digital vernetzte Autos

Das zweite Top-Thema der 65. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) sind digital vernetzte Autos, die Hindernisse auch hinter Bergkuppen oder Kurven erkennen. Für Experten ist die Vernetzung des Autos eine wahre Revolution: Künftig können Autos den Fahrer durch automatisierte Fahrfunktionen entlasten und ihn in kritischen Situationen unterstützen – oder solche Situationen gleich ganz vermeiden. „Vernetzung bringt für alle Verkehrsteilnehmer mehr Sicherheit – und für den Fahrer zusätzlich mehr Komfort“, betonte Wissmann.

Ford sieht Entspannung

Der VDA sieht die IAA als Stabilitätsanker in der schwierigen Autokonjunktur in Westeuropa. Experten erwarten dort wegen der Auswirkungen der Eurokrise für 2013 das schlechteste Autojahr seit Jahrzehnten. Ford-Chef Alan Mulally sieht in der „Welt“ (Montag) nun Anzeichen für Entspannung: „Europa hat die Talsohle erreicht, und es gibt Anzeichen, dass sich der Markt erholen könnte.“ Für dieses Jahr rechnet Ford im Europa-Geschäft wie 2012 mit einem Vorsteuerverlust von 1,8 Milliarden Euro – etwas weniger als zunächst befürchtet.

VW kritisch

Volkswagen-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sieht die Lage auch mittelfristig mit Sorge. „Für die nächsten Jahre rechnen wir insbesondere in Westeuropa nicht mit deutlichen Wachstumsimpulsen“, sagte er der „Börsen-Zeitung“ (Samstag). Volkswagen wolle daher die Kosten drücken und Investitionen verschieben. „Wir schnallen den Gürtel auf der Kostenseite enger“, sagte Pötsch. Es werde an den internen Abläufen und Strukturen gearbeitet. „Und wir reduzieren und verschieben Investitionen, soweit sie nicht produktbezogen sind.“

Engpass könnte folgen

Wissmann rechnet für 2013 dennoch mit einer stabilen Beschäftigung in der Branche. Im Juni seien die Stammbelegschaften im Vergleich zum Vorjahresmonat um zwei Prozent auf 754.000 gestiegen, sagte er der „Automobilwoche“. Er warnte jedoch davor, dass besonders bei Ingenieuren künftig ein „problematischer Engpass“ drohe.

Zielgruppen ausbauen

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer warf den Autoherstellern vor, junge Menschen und Frauen als Käufer zu vernachlässigen. Seit 1995 sei der Anteil von Neuwagenkäufern unter 45 Jahren von 48 auf derzeit 27 Prozent eingebrochen, betonte der Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. Hinzu käme, dass der Anteil der Frauen an den Neuwagenkäufern seit längerem stagniert – im ersten Halbjahr 2013 lag er bei 33,5 Prozent. Die IAA biete keine Innovationen, die diese Defizite ansprechen. „Den Autobauern fehlt ein Konzept für junge Menschen und Frauen“, resümiert Dudenhöffer.

Eröffnung am 12. September

Die IAA-Veranstalter rechnen mit Hunderttausenden Besuchern: „Wir erwarten wieder ein volles Haus bei der automobilsten Show der Welt.“ Der Kartenvorverkauf laufe deutlich besser als vor zwei Jahren. 2011 waren an zehn Messetagen insgesamt 928.000 Besucher gezählt worden. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird die IAA am 12. September eröffnen.

 

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