Honda-Insight_3
 

Honda Insight Testbericht

Wenn ein 88-PS-Vierzylinder von einem 14-PS-Elektromotor unterstützt wird, gehen sich theoretisch 4,4 Liter auf 100 km aus. Was vorläufig den unberechenbaren Faktor Mensch ausspart.

01.05.2009 Autorevue Magazin

Was ist los mit mir? Warum bin ich so oft blau? Ich mach mir Sorgen. Ich fürchte, mit mir stimmt was nicht. Wenn die Hintergrundbeleuchtung des digitalen Tachos im Insight blau wird, dann ist das ein schlechtes Zeichen. Dann brauchen der E-Motor und der Benzinmurl, dem automatisch und nach Bedarf bis zu vier Zylinder weggeschaltet werden, mehr Strom und Sprit als nötig. Das Auto richtet dir dann höflich per Lichtfarbcode aus, dass du mit deiner Ungeduld und forschen Fahrweise gerade dabei bist, das gute Ergebnis zu versemmeln, zu dem die Technik an sich fähig wäre.

Ich bin noch nicht weit auf dem Weg der Läuterung: 5,5 Liter weist der Bordcomputer des Insight für die letzten 540 von mir zurückgelegten Kilometer (40 % Autobahn) aus. 4,6 Liter nach MVEG-Labor-Messmethode stehen als ideales Gesamtmaß im Raum, dazu müsste aus mir allerdings erst ein anderer Mensch werden, mein zweiter Vorname ist nun mal „Ungeduld“, das wird sich in hundert Jahren nicht ändern. Aber es geht tendenziell besser. Für die letzte Fahrt durch die Stadt nach Hause (24 km) habe ich nur 4,3 l auf 100 km gebraucht, man kann sich die jeweilige Tripbilanz ebenso vom EcoAssist-Programm des Insight auswerfen lassen wie den Overall-Durchschnittsverbrauch und den augenblicklichen Spritdurchfluss (und E-Beitrag) während der Fahrt. Getragen von der Achtung für die Umwelt und der Liebe zu den Mitmenschen (BMW-Fahrer, ich verzeihe dir, dass du mich gerade mit der Lichthupe aus der rechten Spur zu beseitigen versuchst!), schafft man es, den linken Fuß leicht zu halten. Nur das mit den Blumen will nichts werden: Zwei Blätterreihen plus Blüten könnten da im Display stehen, ich komm allerdings über die erste Vegetationsebene nicht hinaus und erwäge, Baldrian als Düngehilfe einzusetzen.

Was auffällt: Der Insight ist faszinierend leise. Kaum Motorgeräusche (Zylinderabschaltung!), allerdings auch keine völlige Stille, selbst wenn zwischen ca. 30 und 50 km/h nur der Assistenz-Elektromotor für Vortrieb sorgt, weil ja der 1,3-Liter-Benziner weiter mitläuft. An der Kreuzung geht der Insight aber schon ganz aus, wenn die Betriebstemperatur (min. 70 Grad) stimmt. Er lässt sich in einem Normalmodus (es gibt sogar eine Getriebe-Sportstellung) fahren oder im Eco-Betrieb (bitte grünen Knopf drücken!). Dann gibt der 88-PS-Vierzylinder begrenzt Kraft ab, es steht weniger Drehmoment zur Verfügung und die stufenlose Automatik schaltet besonders ökonomisch. Man kann den angelegten Beißkorb spüren, der Insight reagiert dann auf jeglichen Druck wie durch eine Watteschicht.

Hervorragend passt in dieses Szenario transzendentaler Wirkungsgrößen das spacige 2-Ebenen-Cockpit, das aus dem Civic bekannt ist. Jede Menge ungewohnter Instrumente, eines, das über die Aktivitäten der NiHM-Batterie Auskunft gibt, verschiedene Verbrauchs-Charts im Zentraldisplay, das changierende Gut/Böse-Ambientlight, das alles generiert eine gewisse Spaceshuttle-Spielkonsolen-Atmosphäre, die gut zum Hybrid passt.

Der Insight ist aber nicht nur ein Ausnahme-Antriebskonzept. Er ist in erster Linie ein knapp 4,4 Meter langes Auto. Hat fünf Türen. Hinten eine stark abfallende Dachlinie (Achtung, Kopf!). Ein stark an den CRX erinnerndes zweigeteiltes Glasheck. Tolle Sitzbezüge (in unserem Fall in einem schönen technoiden Blau). In der Elegance-Ausstattung ein Lederlenkrad mit Schaltpaddles. Und einen echt brauchbaren Kofferraum, der bei umgelegten Sitzen bis zu 1017 Liter anbietet.

Mehr zum Thema
pixel