Mercedes SL SLC R107 C107
Das Coupé nutzte den langen Radstand für zwei echte Rücksitze.
 

Historie Mercedes SL/SLC R/C 107 – Ewig währt am längsten

Als Cabrio ist der 107 der am längsten gefertigte Mercedes. So was passiert einem Auto nicht grundlos.

02.12.2013 Autorevue Magazin

Die ersten Entwürfe des R/C 107 lassen noch ein wenig Unschlüssigkeit beim Design erkennen, und aus der Distanz vieler Jahrzehnte lässt sich sagen: Nicht alle davon wären wegen ihrer raffinierten Schlichtheit und Eleganz geradewegs in die Unsterblichkeit ­gefahren.

Mercedes SL SLC R107 C107 windkanal prototyp

Da die Aerodynamik des ­Vorgängers katastrophal war, wurde am R 107 ausgiebig ­getestet.

Der SL, wie er im Herbst 1971 als Nachfolger des Pagoden-SL (das leicht konkave Hardtop war namensgebend für die ­gesamte Baureihe) präsentiert wurde, aber reifte noch zu Lebzeiten zum klassischen Mercedes Cabrio. Verantwortlich für
die ewig gültigen Linien war abermals Friedrich Geiger, feder­führend schon bei der Formgestaltung des Ur-300 SL, der ­gewiss legendigsten Mercedes-Legende.

Mercedes SL SLC R107 C107 innenraum cockpit innen

Das Lenkrad sollte in sehr ähnlicher Form Mercedesfahrer lange ­begleiten.

Auch bei den 107er Motoren war die Grundlinie lange Zeit wackelig.

Die Reifezeit des Mercedes R/C 107 war in die allgemeine Wankel-Euphorie getaucht, neben vier Hubkolbenmotoren sollten Drei- und Vierscheibenaggregate den neuen Mercedes antreiben. Felix Wankel, wie gewohnt von, sagen wir, beachtlicher Willensstärke, fertigte einen Prototypen, letztlich aber kamen nur Hubkolbenmotoren in SL und SLC: Die beiden V8-Aggregate mit 3,5 und 4,5 l Hubraum wurden über die gesamte Bauzeit weiter verfeinert und auch vergrößert, der 1974 ins Programm genommene 2,8-l-Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nocken­wellen war keine Reaktion auf die Energiekrise, sondern die späte Umsetzung früherer Modellplanung.

Mercedes SL SLC R107 C107

Das Coupé nutzte den langen Radstand für zwei echte Rücksitze.

Erstmals in der Geschichte des SL gab’s ein Coupé mit längerem Radstand.

Es ersetzte das noch auf der Heckflossen-­Generation basierende große Coupé, weil Mercedes nicht auf den logischen Nachfolger, ein Coupé auf Basis der 1972 präsentierten S-Klasse W 116, warten wollte. Auch der C 107 war firmen­intern nicht unumstritten, das erste Modell wurde mehr oder minder heimlich entwickelt, angeblich in Jausenpausen. Also hieß das neue Modell „Veschper-Coupé“, und es ging 1972 in Serie. Vier Sitze empfahlen den Neuen als sportliches Reise­coupé, die Gestaltung der hinteren Seitenscheiben mit Lamellen gilt heute als originell, damals bedeuteten sie eine Notlösung: Bei Mercedes mussten alle hinteren Seitenscheiben voll versenkbar sein, daher blieb ein Teil stehen, um nicht mit dem Radausschnitt zu kollidieren. Immerhin waren die Lamellen so ausgerichtet, dass der Fahrer ungehindert durchschauen konnte.

Mercedes SL SLC R107 C107 zubehoer us scheinwerfer

Die Frontgestaltung näherte sich der Serienform langsam. Auch in späteren ­Entwicklungsphasen standen mehrere Grilldesigns zu Wahl. Die runden Scheinwerfer gehörten den US-Versionen.

Ende der 80er Jahre war der R 107 eigentlich schon ein ­wenig angestaubt, ließ sich davon aber nichts anmerken. Die Mitarbeiter des neuen ­Designchefs Bruno Sacco sollen regel­mäßig ein wenig enttäuscht über die ungebrochene Nachfrage nach dem alten SL gewesen sein, der Nachfolger kam dann 1989 bei guter Gesundheit des Vorgängers. Da waren bereits 237.287 SL und 62.688 SLC verkauft.

Daten

Modell         Bauzeit    Hubraum ccm    Leistung PS    Spitze km/h
280 SL/C      1974–’85            2746           170–185         195–205
300 SL         1985–’89            2962           177–188         198–203
350 SL/C      1971–’80            3499           180–200         210–215
380 SL/C      1980–’85            3818           197–218         215
420 SL         1985–’89            4196           204–218         205–213
450 SL/C      1971–’80            4520           217–225         210–215
500 SL/C      1980–’89            4973           218–240         215–225

Die Kaufberatung zum Mercedes-Benz SL/SLC finden Sie hier.

  • Walter B.

    Die Sub-Headline „Als Cabrio ist der 107 der am längsten gefertigte Mercedes.“ ist leider falsch (1971-1989 = 18 Jahre). In Graz wird seit 1979 die G-Klasse gebaut (gesamt 34 Jahre): von 1979-1992 als W460, seit 1992 als W461 (21 Jahre); zudem seit 1990 in einer „luxuriöseren“ Variante als W463 (= 23 Jahre).
    Abgesehen davon ist die BR 107 ein echter Klassiker und Meilenstein von Mercedes-Benz.

  • Sebastian Trummer

    Habe mir einen 280er vor etwas über einem Jahr mal vom Hotel Weitzer in Graz im Rahmen eines Kurzurlaubs für läppische 59 Euro pro Tag geborgt. Ein herrliches Auto zum Vorfahren bei der Oper und auch für einen Ausflug auf die steirische Weinstrasse, aber sehr gewöhnungsbedürftig in engen Stadtgässchen. Reisecruiser trifft es also am besten, nicht zuletzt dank der (im Vergleich zu den Nachfolgern aus den 90ern) erstaunlich angenehmen Automatik.

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