LeMans Classic 2014
Pure Vintage Sexiness
 

Hinterm Horizont geht´s weiter: Le Mans Classic 2014

Das Blech, das die Welt bedeutet. Zu Besuch bei der Le Mans Classic und Josef Metzker im Riley TT..

01.10.2014 Online Redaktion

Das Auto kostet etwa 1,2 Millionen Euro. Geschätzt. Es fährt vorbei und es interessiert dich nicht im Mindesten. Damit wäre die bittere Wahrheit mal ausgesprochen und der totale Overkill hat ein Preisschild bekommen. Stell dir vor, es ist ein LaFerrari und niemanden kümmert es. Dann bist du bei den Le Mans Classics. An dieser Stelle von Geld zu reden ist natürlich banal und wird der Sache nicht gerecht. Zum einen. Zum anderen redet hier ja tatsächlich nur über Geld wer keines hat. Soll heißen: niemand redet über Geld.

Le Mans Classic: Liebe zu Mobil und Detail

Wir reisten am Donnerstag an. Das muss sein. Du brauchst diese Zeit um anzukommen und dich heimisch zu fühlen. Hinter uns liegen elf Stunden Autofahrt, das schlaucht, das trennt dich von deinen versorgenden Ufern. Zugegeben, elf Stunden sind kein Rekord für die Strecke Wien-LeMans, aber auch nicht zu verachtend. Wir waren ausdauernd und pausenfrei unterwegs – Audi A3 Limousine, 170 PS Benziner.

LeMAns Classic 2014 Audi A3 Limousine

Zugegeben: Dieses Foto entstand nicht in LeMans. Wir hatten Probleme mit der Kamera. Die Botschaft bleibt, nach LeMans sollte es mit einem Audi gehen.

Das bedeutet, dass die Autobahn einfach runtergeritten wird. Die Sitze sind langstreckentauglich, die Medienbedienung problemlos und was anderes greift man bei so einer Fahrt verschwindend selten an. In LeMans angekommen leuchtete uns der Bordcomputer 7,0 Liter Verbrauch entgegen. Das sind 1,4 Liter mehr als vom Hersteller veranschlagt. Der kalkuliert aber auch nicht, bei aller Bescheidenheit, mit solchen Husarenritten, wie wir ihn auf die Autobahn gezaubert haben. Nebenbei sei gesagt: Höchstgeschwindigkeit 235 Stundenkilometer. Echte. Dank an das deutsche Verkehrsministerium.

Jetzt aber LeMans Classic. Um zu verstehen, was und wer hier auf dich zukommt: 80 Marken, 160 Clubs, 8000 Autos. Schon der Eingangsbereich macht deutlich, wer diese Veranstaltung mit Leben erfüllt. Die meisten Camper sind größer als durchschnittliche Wohnungen in Wien und kosten auch mehr. Wir wagen die These, dass viele der Wohnmobile nicht von ihren Bewohnern hierher gefahren wurden. Das gilt freilich nicht für die umgebauten Reisebusse aus den 1970er Jahren. Hier spürt man die Liebe zu Mobil und Detail.

Von hier zur Rennstrecke sind es fünf Minuten zu Fuß. Wer als Fahrer gemeldet ist, spart etwas Fußweg. Für den stehen VW T2 zur Verfügung. Jetzt bricht es über dich herein.

Links, ein Bentley Speed 6 „Old No.1“ von 1929.
Rechts der Ferrari 250 TR von 1958.
Vor dir der Porsche 911 RSR Prototyp „Mary Stuart“ von 1973.
Zack. Zack. Zack. Keine Repliken, keine Nachbauten. Originalrenner.

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Der totale Overkill

Irgendwann bist du abgestumpft. Neben Dir ein R5 Turbo II, dahinter eine wunderschöne Alpine A310. Du dringst tiefer in die Club Landschaft ein und siehst einen Aston Martin ONE 77, du drehst dich um und es kommt aus dem nichts ein Lexus LFA. Du gehst an einer Reihe De Tomaso`s vorbei – von patiniert über Racing bis hin zur Showroom-Pretiose. Vor lauter Staunen hast du jetzt den Ferrari Corso verpasst. Aus der Gegenrichtung knattert ein Motorrad der Gendarmerie aus den 1950ern Jahren vorbei. Die Pointe ist, dass auch hier und jetzt das Eisen der Polizei als Untersatz dient. Der Uniformierte fuchtelt wild, pfeift und wird überhaupt ganz rot im Gesicht. Er sorgt dafür, dass die Besucher nicht vom LOLA T292 angefahren werden. Pagani Huayra.
Bugatti Veyron.
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Porsche Club

Wir gehen Richtung Porsche Club. Kolportierte 1000 Fahrzeuge. Du siehst bis zum Horizont nur 911er. Wie vom Blitz geblendet stolperst du den Paddocks entgegen. Hier werden die Rennfahrzeuge für ihren Einsatz präpariert. Denn bei aller Euphorie: es geht hier um Motorsport. Und der ist zum Greifen nahe. Die Mechaniker sind auskunftsbereit und werfen mit Infos und Schnurren um sich.
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Samstag, 17 Uhr. Sebastién Loeb schwenkt die Startfahne. Klassischer Le Mans Start – die Fahrer sprinten zu ihren Vorkriegsmodellen. Es röhrt, es qualmt, das Publikum johlt, zwei Fahrzeuge stehen – ein Bugatti und, oh nein, der Riley TT Sprite von Josef Metzker (pilotiert von Margit Schmid). Zwei Guards schieben unsere persönliche Heldin an. Erstaunlich, was die letzten Dekaden aus diesem Sport gemacht haben. Die Vorkriegsgruppe tobt über die Strecke. Lauter Verrückte. Offene Karren, Regenwetter und 80 Jahre alte Autos, die am Limit bewegt werden. Rundenzeit: 5:26 Minuten. Der Streckenrekord während eines Rennens wurde 1971 von Jackie Oliver aufgestellt – 3:18,4 Minuten. Heuer lag die Bestzeit bei 3:20 Minuten. Was den Wahnsinn der vergangenen Tage in ein Zeiten-Korsett steckt.
Immer wieder gibt es Ausfälle. In allen Klassen. Ein Bugatti mit Motorschaden, ein 300SL mit abgebrochenem Hinterrad. Der Riley TT Sprite von Metzker und Schmid hält tapfer durch.
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Glühwürmchen

Mal nebenbei: Tempo 180 auf der Mulsane-Geraden. Ohne Windschutzscheibe oder Sicherheitsreserven. Weil: Racecar. Die Nacht bricht herein und bringt mehr Regen. Einige hundert Fans harren trotzdem an der Strecke aus und werden belohnt, wie man nur Benzinbrüder belohnen kann – Porsche 903, Porsche 917, Ford GT40, Porsche 911 RSR Turbo. Allesamt beherzt auf der Strecke unterwegs. Ich stehe vor der Tetre Rouge. Die Turbolader der Porsche ziehen wie riesige Glühwürmchen an mir vorbei. Der Sonntag bringt noch mehr Regen, Preziosen, Gegröle und Gebrabbel. Sogar Gewinner des Rennens gab es. Die gibt es hier nachzulesen. http://peterautoracing.alkamelsystems.com/
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Mit Fotos von Hans Schubert.
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