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Dauertest: Toyota Land Cruiser 300 3,0 D-4D Elegance

Das Leben auf dem Lande verlangt einen gewissen Überblick. Ein Zwischenbericht.

13.09.2015 Autorevue Magazin

Im Sog der raschen Veränderungen ist man manchmal ganz froh, wenn Vertrautes ­einen umgibt. Dauertestautos haben generell so eine Art ­Heimatfunktion im Redak­tionsalltag. Und der Land Cruiser ist ein ganz besonderes Exemplar in Sachen Nahe­verhältnis. Er spricht mit dir eine deutliche Sprache, nicht immer ­zärtlich, aber immer sehr ­bestimmt. Dieses Auto kann etwas, hat über Jahrzehnte ­dazugelernt, hat sich nicht ­verbiegen lassen. Während ­andere mehr oder weniger heimlich zum Sports Utility Vehicle mutiert sind, steht der Land Cruiser noch immer seinen ganzen Geländewagen. Er ließ sich noch nicht dem Flottenverbrauchsdiktat und der Gewichtsspirale unter­ordnen. Dennoch ist er ein tapferer, den Umständen entsprechend sparsamer Diesel, ein grundvernünftiges Auto, wenn man seine spitzen Talente zu nützen weiß.

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© Bild: Andreas Riedmann

BAUMEISTER ZUM BEISPIEL: Bevor Straßen gebaut sind, wo wir dann Traktions­systeme erproben, muss man auch schon fahren können, und der Land Cruiser kann.

Der Land Cruiser fristet ein fast konkurrenzloses Dasein

Und das eine sagen wir jetzt gleich und in aller Offenheit mit der Bestimmtheit eines Landesjägermeisters: Dieses Auto ist nix für die Stadt.
Dieses Auto ist mühsam in Parkgaragen. Und genau das wollen wir ihm auch gar nicht erst vorwerfen. Fahren wir ­lieber raus und sehen uns dort um.

Wir sehen kaum mehr Konkurrenz mit stabilem Leiterrahmen, es gibt nur mehr ­wenige echte Geländewagen im Sinn eines Reduktionsgetriebes für besonders langsame Fortbewegung auf unwegsamem Terrain, und die meisten, die es doch noch mit Geländereduktion gibt, wirken irgendwie zu abgehoben, um tatsächlich im ­Gelände bewegt zu werden, etwa ein Range Rover oder ein Mercedes M oder GL. Oder es handelt sich bereits um Fossi­lien der Automobil­geschichte, die sich tatsächlich für den ­Geländeeinsatz empfehlen, etwa Jeep Wrangler, Lada Taiga und Land Rover Defender. Der Mercedes G, ehemals Puch G, der einzig würdige Gegenspieler, was Auftreten und Geländemythos angeht, hat sich preislich längst in Oligarchen- und Scheich-Sphären verabschiedet.

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© Bild: Andreas Riedmann

STILLEBEN: Rustikale Innenraumgestaltung mit deftiger Holzbehübschung. Dafür gibt es keinen Designpreis, aber von der Haptik her wirkt alles unzerstörbar.

Einzigartig: Toyota Land Cruiser 300

Wir benützen hier also ein ziemlich einzigartiges Auto. Weil gerade erst von deutlicher Sprache die Rede war, schon beim Einsteigen stellt sich die Frage: Wozu ein Haltegriff an der A-Säule auch auf der Fahrerseite? Natürlich zum Einsteigen. Das Erklimmen des Hochsitzes bedarf unter 1,80 Meter Körpergröße dieses Behelfs, auf dass es würdevoll vonstatten gehe. Bei geländegemäßer Schräglage bedient sich dann auch die Beifahrerin gerne ihres Haltegriffes, während der Fahrer ja eh sein ­massives Lenkrad hat. Abseits der Wege kann auch die hintere Starrachse ihre Stärken ausspielen. Sie garantiert konstante Bodenfreiheit auch unter ärgster Verschränkung, begrenzt aber naturgemäß den Komfort auf der ­Autobahn. Die ungefederte Masse an der Hinterhand ist auch durch das ausgeklügelte Dämpfer- und Stabilisatorsystem mit Luft­federung und Auswahlmöglichkeiten „Komfort“, „Normal“ und „Sport“ nicht wegzudiskutieren.

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© Bild: Andreas Riedmann

An der Mittelkonsole unter dem Navi befindet sich die Kommandozentrale für die Geländefunktionen, ein bisschen rätselhaft, aber letztlich doch durchschaubar.

Apropos Gelände

Wer es abseits von Differenzialsperren in der Mitte und an der Hinterachse auf noch mehr Geländetauglichkeit anlegt, kann zum kürzeren Dreitürer mit 34 Zentimeter weniger Radstand ­greifen. Nur so viel zum ­Thema Aufsitzen und Komfort.

Weit über allen SUV-­Gepflogenheiten und -Talenten ist dann auch das Können in Sachen Transportaufgaben ­angelegt. Hier darf der Land Cruiser als schweres Arbeitstier eingeteilt werden. Hier kann er sein Gewicht in jeder Hinsicht zur Erbauung seiner Nutzer, vielleicht auch ganzer Häuser einsetzen. Vorzüglich eignet sich der Land Cruiser als Zugwagen bis an den Rand zum Sondertransport, für Yacht, Pferd und – wenn es denn sein muss – auch für Putzmeisters Betonpumpe.

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© Bild: Michael Szemes

UNSER ALLTAG: In Ermangelung von Fischereilizenzen, Jagdscheinen, Landgütern und Barockschlössern benützen wir den Land Cruiser zum Beispiel zum Transport von mehr oder weniger wertvollen, aber immer sehr liebenswerten Altwagen, um sie zu Youngtimern aufzumöbeln oder ihnen Organe zu entnehmen, wie diesem Volvo 740.

SHORTCUT

Was wir mögen
Dass der Land Cruiser noch immer ein Geländewagen und nicht wie so viele andere zum SUV geworden ist.

Was uns fehlt
Auf der Straße wirkt er groß und schwer, erfordert Aufmerksamkeit  und lässt dich einige Stöße spüren.

Was uns überrascht
Bei der Bedienung endet die Hemdsärmeligkeit. Da gibt er sich ein bissl umständlich, zumindest ungewohnt.

Perfekt, wenn
… man tatsächlich auf dem Berg und im Wald zu tun hat, also ideal für Jäger, Förster und andere Umweltschützer.

Die Konkurrenz
Hardcore-Geländewagen mit Leiterrahmen und Geländereduktion sind vom Aussterben bedroht.

Toyota Land Cruiser 300 3,0 D-4D Elegance

Preis € 71.700,–
Steuer jährlich € 919,44

Technik
Motor/Zylinder/Hubraum: Diesel/4/2982 ccm
Leistung/Drehmoment: 140 kW(190 PS)/420 Nm
Antrieb/Getriebe: Allrad/6-Gang-Aut.

Messwerte
Spitze/0–100 km/h: 175 km/h/11,0 sek
Normverbrauch/CO2: 9,7/7,1/8,1 l/100 km/213 g/km
Verbrauch im AR-Test: 11,1 l/100 km

Dimensionen
Länge/Breite/Höhe: 4780/1885/1845 mm
Gewicht/Zuladung/Anhängelast: 2200/790/3000 kg
Kofferraumvolumen: 621–1934 l
Räder: 265/60 R 18
Tank:  87 l

Sicherheit
Airbags: 9
EuroNCAP gesamt 2013: –
Erw./Kind/Fußg./Ass.-Systeme %: –

Ausstattung und Extras
Metallic-Lack: 870,–
Anhängevorrichtung: 1.400,–
Ledersitze: 3.770,– (inkl. Sitzh.)
Einparkhilfe: Serie
Navigationssystem: Serie

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