Hardcore Promo

Werbung sollte lustig sein. Von mir aus auch informativ. Aber Timing und Intelligenz spielen eine weitaus wichtigere Rolle wie das Beispiel Mercedes zeigt.

05.05.2010 Online Redaktion

Wir gehen chronologisch vor und beginnen im Jahr 2006. Damals fuhr der neue GL in die Werbeblöcke des US-Fernsehens. Seine Vorteile (Zugkraft, Sicherheit…) wurden, gelinde gesagt, etwas überspitzt dargestellt. Der europäische Kunde freut sich über so viel Humor, der amerikanische reagiert verwirrt. Es kann ja nicht sein, dass der GL ein Haus und eine Yacht zieht, ein Ruderboot lädt und beim Handlingkurs die Pylonen in Flammen aufgehen.

Die Nation Advertising Division of the Council for better Business Bureaus (NAD) forderte deswegen Mercedes auf, den Spot nicht mehr senden zu lassen. Begründung: „Bürger der Vereinigten Staaten könnten glauben, dass die Werbeaussagen stimmen. Humor ist keine Ausrede um Tatsachen zu verstellen.“ Die zuständige Werbeagentur, Merkley & Partner, sah das freilich anders: „Ich bin mir sicher, das unsere Zielgruppe intelligent genug ist, um zu erkennen, dass es sich hier um einen lustigen Werbespot handelt.“

Ein Beispiel zum Thema Intelligenz. Diese Geschichte kann einem noch ein Lächeln abringen. Nicht zuletzt, weil die Vorurteile gegenüber amerikanischen (Auto)Kunden voll bedient werden.

Weniger humorvoll sieht man in Europa den jüngsten Ausflug von Mercedes ins Marketingabseits. Ein Spot für die neue E-Klasse: Ein Fahrer ist auf einer unsicheren Landstraße unterwegs, neben ihm der Sensenmann – der Tod fährt mit. Abgelenkt von seiner Begleitung übersieht der Pilot eine Baustelle auf der Straße, kommt aber dank überragender Sicherheitstechnik doch noch rechtzeitig zum Stehen.

Makaber, aber durchaus humorvoll. Wäre nicht wenige Tage vor der ersten Ausstrahlung ein Mercedes-Testfahrer auf der A81 südlich von Stuttgart in einen tragischen Unfall verwickelt gewesen. Zur Erinnerung: Am Samstag, 24. April, fuhr ein Prototyp der M-Klasse auf einen Mazda auf, der auf dem Seitenstreifen stand. Der Mazda-Besitzer starb noch am Unfallort, der 52-Jährige Mercedes-Pilot überlebte schwer verletzt.

Wenige Tage später wurde der Mercedes-Spot mit dem Sensenmann (produziert von der Werbeagentur Jung & Matt) im Rahmen eines Champions League Spiels ausgestrahlt. Mercedes kann, zumindest bei diesem Fauxpas, kein Vorwurf gemacht werden. Der Hersteller hatte Sat1 angewiesen, den Spot nicht auszustrahlen. Warum es trotzdem dazu kam ist ungeklärt.

Seit dem Unfall tobt in Deutschland eine Debatte darüber, ob Testfahrten auf Autobahnen erlaubt sein sollten. Rainer Hillgärtner, Sprecher des Auto Club Europa: „Erlkönige gehören bei Hochgeschwindigkeitsfahrten auf die Teststrecke.“ Der ADAC sieht das anders und gibt in Person von Klaus Reindl zu Protokoll: „Die Autobahnen kann jeder nutzen, wenn er sich an die Verkehrsregeln hält.“ Mercedes verfehlt trotz Beileidsbekundungen das Thema und erklärt gegenüber dem Stern, dass es sich nicht um eine Test-, sondern um eine Versuchsfahrt gehandelt habe.

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  • Jono Constantini

    Jetzt E-Klasse probefahren! :-D Da erlebt man besondere Dinge, oder wie?

  • Bulversteher

    Ich find die Werbung witziger als ich sie mir vorgestellt hab, hauptsächlich weil die den Piëch als Sensenmann gewinnen konnten!

  • dschungeltier

    ich find die werbung mit dem sensenmann weder witzig noch sympathisch.
    und die spinnen die amis

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