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„W12, um das Spiel der Kräfte zu bekrönen“
 

Hammerwerfen: Bentley Continental GT Speed W12

Der Zwölfzylinder ist eine dringliche Notwendigkeit, um der ständigen Suche nach dem schlanken Automobil gebührend Gegengewicht zu verleihen.

22.09.2014 Autorevue Magazin

Diese W12-Maschine ist ein Manifest, das der technologische Hammerwerfer Ferdinand Piëch mit derartiger Wucht losgeschleudert hat, dass es noch weit bis in die Zukunft hinausfliegen wird. Und so erfreuen wir uns an diesem Auto, das es sich erlaubt, jenseits des Wettlaufs um die schlanke ­Linie mit Saft und Kraft und erheblicher Körperdichte ein Übermaß der Dinge darzu­stellen. Und solange in der Steigerungskurve Kraftentfaltung und Wendigkeit dem ­Gewichtszuwachs voraus sind, werden wir dabei bleiben.

Der Continental GT Speed W12 ist Piëch pur

Hier haben wir es also mit einem besonderen Exemplar zu tun, in dem deutscher Siegeswille und britisches Selbstbewusstsein auf wahrlich überhöhende Weise zusammengefunden haben. Kernstück sind nämlich zwei tief im Maschinenbau verwurzelte Ansätze, die nach jüngsten Errungenschaften der Elektronik und höchsten Ansprüchen in der Stilistik miteinander verknüpft wurden: W12-Motor und ­Allradantrieb in klassischer Konfiguration, Kraftverteilung 60 Prozent hinten, 40 Prozent vorne, eben Piëch pur. Das ist schon jetzt ein Stück Geschichte: So etwas wird nicht wiederkommen.

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UND WEG!
Hier die Rückseite höchster Ansprüche an Kraftentfaltung und Noblesse.

Kurz zur Wiederholung: Der so genannte W12-Motor ist in seinem Wesen ein V12 mit besonderer Zylinderanordnung, indem zwei VR6-Motoren, wie sie aus dem VW Golf noch bekannt sind, noch einmal in V-form zu einem sehr kompakten Ding verheiratet wurden, womit nun die Pleuelstangen von vier Zylinderreihen in zwei Zylinderbänken an einer Kurbelwelle zusammenlaufen. (Somit ist er eigentlich ein Doppel-V-Motor und gar kein echter W-Motor, denn dieser ist in der Literatur mit drei Zylinderreihen definiert.) Wie auch immer: Ursprünglich als extrem kompakter Universal-Zwölfzylinder für fette ­Zeiten gedacht, ist er jetzt ein willkommenes Aggregat, um das Spiel der Kräfte zu ­bekrönen.

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KEIN PLASTIK
Herrliche ­Voraussetzungen für Designer und Konstrukteure. Das Interieur wird einfach mit Leder überzogen, basta. Sonst gibt’s fast nur Holz und ­Metall an der Oberfläche.

W12 als traditionelles Statement

Die hohen inneren Reibungswiderstände des Zwölfzylinders laufen den geforderten niedrigen Flottenverbräuchen entgegen, aber in Sachen Kraft und Herrlichkeit ganz an der Spitze dabei zu sein, hat immer noch einen hohen Stellenwert für einen Hersteller, der Sport und Noblesse gleichermaßen zelebriert. Der W12 ist das traditionelle Statement, damit wird der Status als feine leistungsorientierte Kraftfahrzeugmanufaktur mit dem immensen Know-how der VW-Gruppe im Hintergrund abgesichert. Hybridantrieb und in Kürze auch eine SUV-Variante verkörpern gleichzeitig die tragenden Richtungsentscheidungen. Man ist breit aufgestellt, um die Begehrlichkeiten der Käufer und die ­Vorgaben der Gesetzgeber marktgerecht über den Globus auszubalancieren.

Das Leistungsdiagramm des W12-Motors mit zwei ­Turboladern erinnert frappant an einen Elektromotor, mit konstantem Drehmoment von 820 Nm zwischen 2000 und knapp 6000 Touren, synchron dazu der Leistungsanstieg. Sie haben ja sicher schon viel über die Leichtigkeit, mit der dieses schwere Auto zu bewegen ist, gelesen, dem wollen wir nur noch zwei Zahlen hinzufügen: 0-100 km/h in 4,2 Sekunden, Spitze 331 km/h. Mit Tiefer­legung des Fahrwerks (10 mm) und härterer Dämpferabstimmung ist man genau an die Grenze dessen gegangen, was man bei einem Bentley gerade noch unter komfortabel versteht.

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