vw tiguan vw rückruf 2013
 

VW-Rückruf: enorme Kosten und Imageverlust

Rückrufe: Eigentlich ganz normal. Aber eine derartige Häufung gibt zu denken.

19.11.2013 Autorevue Magazin

Bei einem außergewöhnlich komplexen technischen Gerät, das in dermaßen riesigen Stückzahlen hergestellt wird, wie das Automobil, handelt es sich bei einer Rückrufaktion im Grunde schon um ein rein statistisches Phänomen, weil gar nicht immer alles perfekt zusammengeschraubt sein kann.

VW-Rückruf 2013 nur einer von vielen

Doch die nachweislich stetig zunehmende Zahl an Rückrufaktionen in den vergangenen Jahren macht doch einige nervös. Einerseits die Kundschaft, weil sie das Gefühl hat, schlechte Autos mit veritablen Sicherheitsmängeln angedreht zu bekommen, aber auch die Hersteller, weil es für sie enorme Kosten und mitunter einen gravierenden Imageverlust bedeutet.

Weltweit müssen 800.000 VW Tiguan zurück in die Werkstätten, in Österreich sind 17.502 Fahrzeuge betroffen. Die Reparatur am Licht soll laut Unternehmensangaben nur wenige Minuten dauern.

Weltweit müssen 800.000 VW Tiguan zurück in die Werkstätten, in Österreich sind 17.502 Fahrzeuge betroffen. Die Reparatur am Licht soll laut Unternehmensangaben nur wenige Minuten dauern.

Rückruf nicht aus Nächstenliebe

Aus reiner Nächstenliebe rufen die Hersteller jedenfalls keine Fahrzeuge zurück. Bei Gefahr in Verzug sind sie nämlich gesetzlich verpflichtet, die betroffenen Fahrzeughalter über das zentrale Zulassungsregister beim Verband der Versicherungsunternehmen zu verständigen.

Offizielle Rückrufaktionen beziehen sich deshalb überwiegend auf drohende brisant sicherheitsrelevante Defekte, etwa Kraftstoffleitung, Lenkung, Bremse, Getriebe, Licht, Abgasanlage. Um das Markenimage infolge schadhafter Teile nicht unnötig zu belasten, kann es aber auch vorkommen, dass ein Hersteller beim Service schon vorauseilend freiwillig bis heimlich Teile austauscht, auch dann, wenn sie nicht unbedingt gemeldet werden müssten.

Auch die Guten und Teuren erwischt es

Grundsätzlich ist kein Autohersteller davor gefeit, in diesen Schwarzen Listen zitiert zu werden, man könnte fast sagen, wer mehr Autos baut, kommt auch öfter vor. Auch bestens beleumundete Marken wie BMW und Toyota sind Stammgäste in den Rankings, auf generelle Schadensanfälligkeit oder Verarbeitungsqualität ist daraus kein Rückschluss möglich. Momentan hat offenbar VW einen schlechten Lauf, muss Kraftstoffleitungen flicken, das Direktschaltgetriebe checken und Scheinwerfer nachbessern.

Mehr Modelle, weniger Teile, mehr Zulieferer

Die Tendenz, dass immer mehr Fahrzeuge von immer mehr Herstellern nachträglich in die Werkstatt beordert werden, lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Mit zunehmender Elektronik und Modellvielfalt werden die Autos immer komplexer, gleichzeitig bestehen sie durch die Modulbauweise immer öfter aus gleichen Teilen, was die Fortpflanzung des Defektteufels begünstigt. Viele Elemente und Module werden von einem äußerst umfangreichen Geflecht an Zulieferern und Subzulieferern gefertigt, was immer höhere Anforderungen an die Qualitätskontrolle stellt. Der ständige Druck der Kostenbremser im globalen Wettbewerb wirkt sich auch nicht unbedingt positiv auf die Sorgfalt in der Fertigung aus.

VW jetzt im Focus der Qualitätswächter

Das freut auf jeden Fall die Konkurrenz, die mit dem Ansinnen des deutschen Konzerns, bald größter Autohersteller der Welt zu werden, gewiss nicht ganz einverstanden ist. Außerdem birgt eine steile Expansion naturgemäß zusätzliche Risiken in der Qualitätssicherung. Dass es bei einer Häufung von aufgedeckten Defekten in einem Unternehmen auch zu Köpferollen kommen kann, hat sich unlängst bei Hyundai gezeigt, wo der Präsident für Forschung und Entwicklung samt zweier seiner Manager ihren Schreibtisch räumen mussten.

Auf der Webseite des Konsumentenschutzministerium sind alle KFZ-Rückrufe der letzten Jahre aufgelistet.

Die allerjüngsten Rückrufe sind auch beim ÖAMTC zu finden. 

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  • Christopher Nigischer

    Rückrufaktionen – eine von vielen – in der Tat: http://bit.ly/1bGDDE0

  • Aura

    Na endlich. Da ist ja der Beitrag um VW zu verteidigen. Rückrufaktionen werden nur medial gepusht. Am Image im realen Autoleben nagen eher nicht nachvollziehbare negative Garantie-bzw. Kulanzbescheide und Mängel, welche mit der Aussage: „Stand der Technik“ abgetan werden. So ist bei VW ein an der Lenksäulenverkleidung schleifendes Lenkrad beim Touran, der ja seit Menschengedenken auf der gleichen Basis gebaut wird, Stand der Technik.

  • hofinger

    gewinnmaximierung auf kosten von kunden…und deren folgen….sonst gar nichts

  • Ravenbird

    Das Image von VW wird NICHT durch Rückrufaktionen geschädigt, das wollen uns die Manager glaubhaft machen, sondern durch den Mist, der produziert wird.
    Eine Rückrufaktion ist die verantwortungsvolle Handlungsweise gegenüber den Kunden und kein Negativum.
    Ich persönlich würde mich glücklich schätzen, wenn ein Konstruktionsfehler (der schon mal passieren kann) durch einen Rückruf fast kostenfrei für mich behoben würde.
    Meist bleiben die Kunden auf dem verbockten Mist sitzen – dagegen ist ein Rückruf ein echter Glücksfall.
    Also wie immer: Wenn eine hausgemachte Krise auftritt wird die Schuld beim Wetter, bei Gott, beim Klima oder sonst wo gesucht, nie beim vertrottelten Manager.

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