Leerstehende Immobilien, Anstieg der Kriminalität, eingeschränkte öffentliche Leistungen: Der Verfall Detroits ist sein Jahrzehnten im Gange,
Leerstehende Immobilien, Anstieg der Kriminalität, eingeschränkte öffentliche Leistungen: Der Verfall Detroits ist sein Jahrzehnten im Gange,
 

Größter Stadtbankrott in US-Geschichte: Detroit hat Konkurs angemeldet

Die einstige Industriemetropole in Michigan hat 18,5 Milliarden Dollar Schulden

19.07.2013 APA

Die 700.000 Einwohner-Stadt Detroit hat am Donnerstag offiziell Konkurs angemeldet, wie aus Gerichtspapieren hervorgeht. Seit Jahren stehen zahlreiche Gebäude in der ehemaligen Industriemetropole leer, heute sind es bereits 78.000. Öffentliche Einrichtungen wie Straßenbeleuchtungen funktionieren nur mehr zum Teil, das Geld für Reparaturen fehlt. In den letzten Jahren boomt in Detroit nur die Kriminalität: Die Mordrate befindet sich auf dem höchsten Stand seit knapp 40 Jahren.

Die Konkursanmeldung sei „ein schwieriger Schritt, aber die einzig praktikable Option“, erklärte der Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, in einer Mitteilung. Das Vorgehen von Detroit könnte es für andere Städte in den USA schwieriger machen, sich mit frischem Geld zu versorgen.

Bisher größter Stadtbankrott in der US-Geschichte

Detroit ist die bisher größte Stadt in der US-Geschichte, die Bankrott anmeldet. Die nötigen Papiere wurden bei Gericht eingereicht. Gouverneur Snyder hatte im März den Sanierungsexperten Kevyn Orr eingesetzt, der mit umfassenden Befugnissen der desolaten Finanzlage in Detroit Herr werden sollte.

Er habe gehofft, die Stadt würde keinen Bankrott anmelden müssen, erklärte Snyder in einem Begleitschreiben zu den Gerichtsunterlagen. Nun sei es aber an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen: „Die Stadt kann ihre Schulden nicht mehr bezahlen, wenn sie fällig werden, und ist insolvent“. Die Bankrotterklärung sei „der einzig mögliche Weg zu einem stabilen und soliden Detroit“.

Detroit: 18,5 Milliarden Dollar Schulden

Die Stadt, einst Zentrum der US-Autoindustrie, ächzt unter einem Schuldenberg von 18,5 Milliarden Dollar (14,13 Mrd. Euro). Im Juni wurden die Zahlungen an einige Gläubiger eingestellt. Snyders Angaben zufolge kann die Stadt die Steuern aus rechtlichen Gründen nicht weiter erhöhen. Ohnehin könnten die Bürger nicht noch höhere Abgaben schultern, erklärte der Gouverneur.

Die Ausgaben zum Betrieb der städtischen Dienste haben seit 2008 die Einnahmen jährlich um rund 100 Millionen Dollar überstiegen. Zudem zehren Zahlungen für langfristige Verbindlichkeiten von rund 8,5 Milliarden Dollar fast 20 Prozent des Haushalts auf. Darüber hinaus belasten milliardenschwere Pensionsverpflichtungen die Stadtkasse.

Niedergang Detroits über Jahrzehnte

Der Niedergang der Metropole vollzog sich über Jahrzehnte. Autobauer General Motors, Ford und Chrysler verhalfen der Stadt zur Blüte. 1950 hatte die einst fünftgrößte Stadt noch 1,8 Millionen Einwohner, heute leben dort knapp 700.000 Menschen, davon ein Drittel in Armut. Die Autoindustrie verlagerte ihre Standorte, viele Fabriken schlossen, die Arbeitslosigkeit schoss ebenso in die Höhe wie die Kriminalität. Zugleich wurden die öffentlichen Ausgaben immer weiter gekürzt, was wiederum weitere Bürger dazu brachte, die Stadt zu verlassen. Snyder bezeichnete den Verfall der Stadt als „60 Jahre andauernden Niedergang“.

Nur ein Drittel der Rettungswägen fährt derzeit in Detroit. Wie Snyder in seinem Schreiben erklärte, müssen die Bürger in Detroit nach einem Notruf durchschnittlich 58 Minuten auf die Polizei warten – landesweit liegt der Durchschnitt bei elf Minuten. Zugleich ist die Mordrate auf dem höchsten Stand seit knapp 40 Jahren.

Es wird erwartet, dass andere Städte in den USA die Folgen der Konkursanmeldung zu spüren bekommen. Für sie könnte es schwieriger werden, Kredite zu erhalten, denn die einst als besonders vertrauenswürdig eingestuften Anleihen von Gemeinden verlieren voraussichtlich weiter an Ansehen.

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