Googles selbstfahrende Autos waren bereits in 11 Unfälle verwickelt

Keiner der Unfälle sei durch die selbstfahrenden Autos verursacht worden, so Google – „menschliches Versagen ist für 94 Prozent aller Unfälle verantwortlich“

12.05.2015 Online Redaktion

Wie der Internet-Riese Google am Montag bekannt gab, waren seine selbstfahrenden Autos innerhalb der letzten 6 Jahre in 11 Unfälle verwickelt. Allerdings sei „nicht ein einziges Mal das selbstfahrende Auto die Ursache für den Unfall gewesen“, betonte Googles Projektleiter Chris Urmson in einem Blog-Eintrag. 7 Mal seien andere Autos den Google-Fahrzeugen hinten aufgefahren. „Ein paar Mal“ seien die selbstfahrenden Autos auch von der Seite gestreift worden. Einmal habe ein anderer Fahrer ein Stoppschild überfahren und ein Google-Auto gerammt.

„Keine schweren Beschädigungen und keine Verletzten“

Zudem habe es bei allen 11 Unfällen „keine schweren Beschädigungen und keine Verletzten“ gegeben. Die Zwischenfälle hätten sich bei Testfahrten im Umfang von insgesamt über 2,8 Millionen Kilometern ereignet – im Schnitt seien die autonomen Google-Autos also bloß einen Unfall pro 250.000 gefahrenen Kilometern verwickelt gewesen.

Google will aus jedem Unfall lernen

Der Großteil der Zwischenfälle sei im innerstädtischen Bereich passiert, so Urmson. „All die verrückten Erfahrungen, die wir auf der Straße gemacht haben, waren sehr wertvoll für unser Projekt. Wir versuchen, jeden Unfall genau zu analysieren und aus jedem Zwischenfall etwas zu lernen – selbst, wenn es nicht unsere Schuld gewesen ist“ Denn: „Wenn man genug Zeit auf der Straße verbringt, werden Unfälle passieren – egal, ob man sich in einem „herkömmlichen“, oder in einem selbstfahrenden Auto befindet“, so Urmson weiter.

Anzeigepflicht für Unfälle mit autonomen Autos

Der Blog-Eintrag wurde veröffentlicht, nachdem die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press über 3 Unfälle berichtet hatte, die Google der kalifornischen Verkehrsbehörde gemeldet hat. Um auf öffentlichen Straßen Testfahrten mit selbstfahrenden Autos durchführen zu dürfen, ist das jeweilige Unternehmen seit September 2014 gesetzlich dazu verpflichtet, jeden Unfall anzuzeigen.

Kritik von Verbraucherschützern

Detaillierte Berichte, die belegen, dass die selbstfahrenden Autos die Unfälle nicht selbst verursacht haben, gibt die kalifornischen Verkehrsbehörde allerdings nicht heraus. Amerikanische Verbraucherschützer kritisieren, dass der Öffentlichkeit dadurch wichtige Details über die neue Technologie vorenthalten werden. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass Google Lenkrad und Pedale aus den Autos verbannen will und „menschliche Mitfahrer“ so im Notfall nicht mehr eingreifen können, sei es „um so wichtiger, dass die Details zu jedem Unfall öffentlich gemacht werden, damit die Leute wissen, was zur Hölle gerade passiert“, zitiert der Guardian John Simpson von der Verbraucherschutz-Organisation „Consumer Watchdog“. 

 „Menschliches Versagen ist für 94 Prozent der Unfälle verantwortlich“

Geht es nach Google oder auch Tesla, erhöht aber gerade die „Entmachtung“ der menschlichen Mitfahrer ihre Sicherheit – sobald die Technologie ausgereift ist. „Menschliches Versagen ist für 94 Prozent der Unfälle verantwortlich“, so Urmson. „Viele Menschen achten nicht auf die Straße. Zu jedem beliebigen Tageszeitpunkt sitzen in Amerika 660.000 Fahrer hinterm Steuer, die mit ihren Smartphones hantieren, anstatt auf die Straße zu schauen. Unsere Sicherheitsfahrer [die bei den selbstfahrenden Autos in der Testphase noch mit an Bord sind] sehen ständig, wie Fahrzeuge aus ihrer Spur ausscheren und wieder zurückschwenken; wir haben Leute gesehen, die am Steuer Bücher lesen, und sogar eine Person, die während dem Autofahren Trompete gespielt hat. In dieser Hinsicht ist ein selbstfahrendes Auto sicherer. Mit 360 Grad-Rundumblick und 100-prozentiger, ständiger Aufmerksamkeit in alle Richtungen können unsere neuesten Sensoren andere Fahrzeuge oder Fußgänger über eine Distanz von fast 2 Football-Feldern wahrnehmen.“

Mehr zum Thema
pixel