Trummer Russland
Mit dem Mazda nach Hiroshima. Des Abenteuers wegen.
 

Good Vibrations

Wie Seabstian Trummer, unser Mann in Russland, seinen Mazda bekam.

30.11.2010 User

Sebastian Trummer hat bekanntlich einen Traum: mit dem Auto nach Hiroshima. Warum? Weil man es kann. Im ersten Teil stellte er bereits sein Projekt vor, jetzt folgt Teil zwei, in dem die Frage beantwortet wird, woher überhaupt das Auto für dieses Abenteuer kommt.

Leoben, September 2010. Der Wecker wirft mich mit diesem unangenehmen, immer lauter werdenden Sirenenalarm aus dem Bett. Vier Uhr morgens und doch keine Spur von Müdigkeit. Rein ins Gewand und ab geht’s auf die Bar. Kein Mensch mehr da, nur die Stereoanlage spielt noch Janis Joplin im Hintergrund. Meine Morgenzigarette rolle ich mir noch selbst ehe ich mich mit dem gravierten Sturmfeuerzeug in der Hand auf die Terrasse begebe. Die Sonne, die schon langsam über den Bergen hervorkommt beginnt die Stadt in ein blutiges Rot zu tauchen und langsam scheint auch die Montanuniversität wieder zu erwachen.

Anmerkung der Redaktion: Wir weisen bei unten stehendem Foto daraufhin, dass es darum geht, die Coolness der Kombination Zigarette-Auto aufleben zu lassen, die irgendwann in den 1970ern verloren gegangen ist. Rauchen ist trotzdem ungesund, was auch Hr. Trummer hiermit gesagt sei.
Sebastian Trummer Russland

Clemens hat natürlich wieder verschlafen, aber das war zu erwarten. Ein anständiger Schlag kann ihn schließlich vom Aufstehen überzeugen und fünf Minuten später steht er auf dem Parkplatz vor seinem alten grauen A4. „Guten Morgen Herr Kollege!“ rufe ich ihm grinsend entgegen, während er scheinbar versucht mich mit seinem Blick zu töten. Als er jedoch merkt, das es nicht funktioniert steigt er auf akustische Folter um: Death Metal kombiniert mit Black Metal. Zuerst beruhige ich mich noch damit dass er nur fünf CDs dabei hat doch als ich den 4GB USB-Stick bemerke verzweifle ich endgültig. Womit habe ich das nur verdient? Manchmal muss man einfach Opfer bringen und meine heutige Belohnung ist die Tortur allemal wert: Ein 79er Mazda RX-7 wartet in Deutschland und ich komme.

Eine Woche ist es jetzt her, dass die ganze Sache begonnen hat. Es ist schon spät als plötzlich der Anruf kommt: „Du da steht ein grüner 79er RX-7 draußen in Deutschland!“. Das Handy fliegt runter, das Internet wird aufgedreht und da steht er tatsächlich. Ein absolutes Original, unverbastelt und gerade einmal 94.000 km auf dem Tacho. Kaum Rost und dazu noch in einem technischen Top-Zustand. Ein deutscher Händler will 4.500 Euro dafür haben, ein Spottpreis für so ein Auto. Angeblich hat der Verkäufer bereits vier Interessenten gefunden. Ein Bluff? Naja, spätestens als mein „Informant“ meint, dass er das Auto selbst kaufen will bricht Panik aus: Also auf nach Bayern und zwar schnell!

Kurz vor Passau tanken wir zum ersten Mal. Den USB Stick kann ich verschwinden lassen und auch die Adresse wird nochmal überdacht. Denn, dass es zweihundert Kilometer weiter nördlich noch eine Stadt namens Furth gibt, damit kann ja wirklich niemand rechnen. Ich wage mich noch an ein Tankstellen-Sandwich (eine Entscheidung die ich im Laufe des Tages noch bereuen sollte) und dann geht’s ab über die Grenze nach Nord-Österreich. Der Clemens ist mittlerweile ein wenig aufgekratzt, meine Pink Floyd CD liegt ihm einfach nicht. Rache ist süß.

Sebastian Trummer Russland

Mittlerweile liege ich auf der Rückbank und der Wind pfeift mir durch die verzogenen Türen um die Ohren. Erinnerungen an meinen ersten RX-7 kommen auf. Der, mit dem alles begann. Es war so ungefähr das Jahr 1993 als ich ihn zum ersten Mal sah. Gold außen und dann auch noch die braunen Schweinsledersitze im Innenraum. Mein Vater hatte sich dieses Auto während seiner Studienzeit zugelegt und nun durfte ich mich zum ersten Mal hineinsetzten. Er startete. Dann dieser Klang. Ein kraftvolles Fauchen gefolgt von einem Sound wie eine Turbine. Meine erste Erinnerung an ein Auto.

Kurz vor zehn Uhr beginnt der A4 zu beben. Der Clemens hat seinen USB Stick wieder gefunden und reißt mich aus meinem wohl verdienten Schlaf. Wir sind bereits kurz vor der tschechischen Grenze und wenn man aus dem Fenster blickt erwartet man jeden Moment das Schild „Ende der Welt“. Die Autobahn ist schon längst zu Ende, nur gelegentlich trifft man noch einen LKW der einen auf der kurvigen Landstraße aufhält. Noch ein kurzer Stopp bei einem Pferdeleberkäsehändler und wir sind schon da. Der Händler empfängt uns mit einem Grinser im Gesicht. Er erkennt unseren Schock, als wir am Parkplatz zwischen alten BMWs und Kastenwägen herumstehen. Ein Flop? Nein. Keinesfalls. Denn in der Halle werden alle meine Träume war. Ein RX-7 neben dem anderen und ganz hinten im rechten Eck ein grüner 79er.

Sebastian Trummer Russland

Der Choker wird gezogen und nach einer kurzen Nachdenkpause ist es wieder da, dieses Fauchen, das ich noch aus meiner Kindheit kenne. Ich setze mich hinters Steuer und habe nur mehr einen Gedanken: „Was sind wir nicht alle für verwöhnte Pimpfen geworden?“. Hier gibt es keine Servolenkung, kein ABS, kein ESP. Autofahren wie es sein sollte. Der 12A Motor dreht rauf auf 8200 Touren, völlig vibrationsfrei. In den Kurven setzt das Heck zum Überholen an, doch die Doors-Kassette im Hintergrund motiviert einfach zu sehr. um damit aufzuhören. Das Öl, das der Motor verbrennt, beginnt man nun zu riechen und die undichten Türen lassen den Motor auch im Innenraum hallen. Das ist Autofahren!

Zwei Stunden später befinden wir uns schon wieder auf dem Weg nach Hause. Der Vertrag ist unterzeichnet, in zwei Wochen soll er nach Österreich kommen, mein RX-7. Ich freue mich wie ein kleines Kind und genieße „Riders on the Storm“ im Audi vom Clemens, während ich mir noch genüsslich eine Siegeszigarette anzünde. Mit den Doors kann sich der Clemens mittlerweile anfreunden, ein zweiter Erfolg heute.

Sebastian Trummer Russland

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  • taugt ma das die Jungen nu wissen wos echtes Autofohrn is!

  • Kujau

    Meine Hochachtung für das gesamte Projekt. Tapfer, tapfer. Viel Erfolg und Glück.

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