Die General Motors Zentrale in Detroit
1 Dollar pro Auto hätte die wahrscheinlich die Unfallserie verhindern können.
 

GM: Zündschlösser anscheinend aus Kostengründen nicht getauscht

GM soll sich vor rund zehn Jahren aus Kostengründen gegen einen Austausch der Zündschlösser entschieden haben, die als Ursache für den Unfalltod von mindestens 13 Menschen gelten.

02.04.2014 APA

Der US-Autokonzern General Motors befindet sich nach der tödlichen Unfallserie in einer tiefen Imagekrise. Wie bei der Kongressanhörung von Konzernchefin Mary Barra bekannt wurde, soll sich GM vor rund zehn Jahren aus Kostengründen gegen einen Austausch der Zündschlösser entschieden haben, die als Ursache für den Unfalltod von mindestens 13 Menschen gelten.

Zündschlösser hätten einen Dollar mehr gekostet

Nicht einmal 1 Dollar (0,73 Euro) pro Fahrzeug soll ein neues Schloss mehr gekostet haben im Vergleich mit den zuvor verbauten, die nicht den technischen Vorgaben des US-Konzerns entsprachen. Die Kongress-Abgeordnete Diana DeGette sprach am Dienstagabend unter Berufung auf GM-Dokumente von 57 Cent.

E-Mail-Verkehr

In einem E-Mail-Verkehr zwischen GM-Ingenieuren aus dem Jahr 2005, der Reuters vorliegt, ist von 90 Cent Extrakosten pro Auto plus 400.000 Dollar für zusätzliches Werkzeug die Rede. Deswegen wurde empfohlen, die alten Schlösser weiter zu nutzen, bis neue Teile günstiger zu haben seien. Erst in den GM-Modellen ab 2007 wurden neue Zündschlösser verbaut.

Interne Untersuchung soll Klarheit bringen

Von den Abgeordneten im zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses darauf angesprochen sagte Barra, sollte aus solchen Gründen auf ein neues Zündschloss verzichtet worden sein, fände sie das sehr verstörend. Eine interne Untersuchung solle klären, ob Kostenabwägungen über Sicherheitsaspekten gestanden hätten.

Von der „Kostenkultur“ zur „Kundenkultur“

Das Unternehmen habe sich aber gewandelt. Früher habe GM eine „Kostenkultur“ gehabt, nach der staatlich gestützten Sanierung im Insolvenzverfahren 2009 sei dies aber anders und es herrsche eine „Kundenkultur“ vor, sagte die Managerin, die erst zu Jahresanfang die Konzernführung übernommen hat. Zugleich beteuerte sie, erst am 31. Jänner von den Problemen erfahren zu haben, die im Unternehmen schon seit 2001 bekannt sind. Seit Februar hat GM deswegen 2,6 Millionen Autos zurückgerufen.

Interne Untersuchung soll binnen 40-60 Tagen abgeschlossen werden

Am Mittwoch versprach Barra höchste Transparenz in der Affäre um die tödliche Pannenserie beim Autobauer. Das Unternehmen werde „alles und jedes“ veröffentlichen, was im Zusammenhang mit den Vorfällen und der Sicherheit stehe, sagte Barra vor einem Senats-Ausschuss. Am Dienstag hatte sie vor dem Repräsentantenhaus noch erklärt, man werde die „zweckdienlichen“ Ergebnisse der internen Ermittlungen publik machen. Am Mittwoch stellte sie klar, dass der Konzern nur das zurückhalten werde, was seine Wettbewerbsfähigkeit einschränken oder den Datenschutz verletzen könne. Barra äußerte die Hoffnung, dass die interne Untersuchung binnen 45 bis 60 Tagen abgeschlossen werde.

Problem mit den Zündschlüsseln

Weil die Zündschlüssel während der Fahrt in die Aus-Position zurückspringen können, kann der Motor ausgehen und sich Elektronik wie die Servolenkung, Bremskraftverstärker und Airbags abschalten. GM droht deswegen eine Klagewelle und ein massiver Vertrauensverlust, der den Konzern im Rennen um die Weltmarktführung mit Branchenprimus Toyota und Volkswagen ausbremsen könnte. Opel ist von den Zündschloss-Problemen kaum betroffen.

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  • Michael

    Lieber Andreas Kolbábek. Bitte ersetzen Sie im Titel „scheinbar“ durch „anscheinend“, sonst wird der Anschein erweckt, es könne sich bei der Meldung um eine sich als falsch erwiesene Vermutung handeln.

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