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Calabrese begleitete Barra viele Jahre im Unternehmen. © Gary Cameron / Reuters
 

GM-Konstruktionschef muss gehen

GM: Sein Abschied hat nichts mit dem Zündschloss-Skandal zu tun. Ranghöchster Abgang seit Beginn des millionenfachen Rückrufs.

22.04.2014 APA

Nach der tödlichen Pannenserie wegen defekter Zündschlösser muss der GM-Konstruktionschef und langjährige Weggefährte der neuen Konzernchefin Mary Barra seinen Posten räumen. John Calabrese werde dem Auto-Hersteller noch bis August zur Verfügung stehen und den Umbau der Sparte begleiten, teilte die Opel-Mutter General Motors (GM) mit.

Ranghöchster Abgang seit Rückruf

Inwieweit der 55-Jährige in den Skandal verwickelt ist, ist noch unklar. Es ist allerdings der ranghöchste Wechsel im Management seit dem millionenfachen Rückruf fehlerhafter Wagen im Februar.

Calabrese soll von Problemen gewusst haben

Aus Unterlagen an den US-Kongress geht hervor, dass Calabrese zumindest einmal über Probleme bei den Zündschlössern informiert wurde. GM wollte sich dazu nicht äußern. Entwicklungschef Mark Reuss sagte, Calabreses Abgang habe nichts mit den aktuellen Problemen zu tun. „Ich gehe nicht davon aus, dass er das Bauernopfer ist“, sagte auch ein früherer GM-Manager, der nicht namentlich genannt werden wollte.

GM-Konstruktionschef Calabrese seit 1979 im Unternehmen

Calabrese fing im Sommer 1979 mit einem Praktikum bei dem größten US-Autobauer an. Zwei Jahre später wurde er fest eingestellt. In den vergangenen 15 Jahren arbeitete Calabrese in verschiedenen Positionen mit Barra zusammen. Die erste Frau an der Spitze eines großen Autokonzerns lenkt GM seit Jänner. Kurz darauf wurde sie mit dem imageschädigenden Rückruf konfrontiert und ist seither um Schadensbegrenzung bemüht.

GM sieht sich in dem Skandal zahlreichen Klagen ausgesetzt. Bei Unfällen, die durch defekte Zündschlösser ausgelöst wurden, starben in den vergangenen Jahren mindestens 13 Menschen. 2,6 Millionen Autos wurden in die Werkstätten zurückgerufen. Die US-Behörden untersuchen, warum GM mit dem Rückruf solange wartete, obwohl die Probleme seit mehr als zehn Jahren bekannt waren.

Calabreses Abteilung wurde für mehr Produktqualität gespalten

Um die Qualität und Sicherheit der Fahrzeuge zu verbessern, spaltet GM nun die Konstruktionssparte in die neu geschaffenen Bereiche „Globale Produktintegrität“ und „Globale Komponenten und Teilsysteme“ auf. Angesichts immer komplexerer Systeme im Autobau könne GM dann schneller auf mögliche Probleme reagieren, erklärte Entwicklungschef Reuss. Potenzielle Fehlerquellen sollen so rechtzeitig entdeckt werden – idealerweise noch vor dem Bau der Autos.

Rückruf-Skandal brachte Posten eines Sicherheits-Chefs hervor

Um das Image-Desaster in den Griff zu bekommen, schuf Barra bereits im März den Posten eines Sicherheitschefs. Der altgediente GM-Manager Jeff Boyer – seit mehr als 40 Jahren im Konzern – übernahm den Job. Zwei Ingenieure wurden wegen des Rückruf-Skandals inzwischen beurlaubt. Mitte April trennte sich GM von Personalchefin Melissa Howell und Kommunikationschef Selim Bingol. Auch hier betonte der Konzern, die Personalien stünden nicht in Zusammenhang mit den jüngsten Problemen.

Auch Continental wird beschuldigt

Auch der deutsche Autozulieferer Continental könnte in den Skandal hineingezogen werden. In einer bei einem Bundesgericht eingereichten Klage wird die US-Tochter beschuldigt, von ihr für GM produzierte Airbags hätten nicht funktioniert, wenn sich die Zündung abschaltete. Conti prüft die Klage. Auch gegen andere Zulieferer wird juristisch vorgegangen. GM bemüht sich indes vor verschiedenen Gerichten um die Aussetzung von Klagen in Zusammenhang mit dem Massenrückruf. GM ist der Ansicht, dass es für Vorfälle vor dem Jahr 2009, als das Unternehmen aus der Insolvenz kam, nicht belangt werden kann, weil es inzwischen rechtlich ein neues Unternehmen ist.

Unterdessen droht GM möglicherweise weiterer Ärger. Die US-Verkehrssicherheit untersucht, ob das automatische Bremssystem beim Chevrolet Impala defekt sein könnte. Von dem Modell gibt es rund 60.000 Fahrzeuge in den USA.

Quelle: APA/Reuters

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