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Genf-Senf 1: Hostessen

Die Pfennigabsätze ein Martyrium, der Wecker erbarmungslos und am Ende ist man doch nur ein Klischee. Warum gutes Aussehen eben doch nicht reicht.

02.03.2010 Online Redaktion

Soll sich doch jetzt mal jemand melden, der mehr Sprachen spricht als die folgenden zwei Damen. Da wäre zum einen Marie-Antoinette, eine dunkelhaarige Schweizerin, die einem am Stand von Jaguar und Land Rover in perfektem Hochdeutsch begrüßt. Wahlweise auch auf Französisch, Englisch, Italienisch und Schwytzerdütsch – also Schweitzerdeutsch – eine Begabung die in Genf nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Zum anderen ist da Bianca, die rothaarige Schönheit mit dem entwaffnenden Schweizer Dialekt von Peugeot. Sie parliert auf Deutsch, Englisch, Französisch und ebenfalls auf Schweizerdeutsch. Diese Mehrsprachigkeit ist kein Zufall – von Damen, die auf Automessen arbeiten wollen, wird das verlangt. Marie-Antoinette ist 25 und studiert derzeit Nachhaltigkeit, weil sich das Journalismus-Studium als wenig geeignet herausgestellt hat, Bianca (21) arbeitet bei einem Militärunternehmen in der Buchhaltung.

Marie-Antoinette und Bianca gehören zu den unzähligen Damen, die den Messebesuchern das Leben leichter und den Herstellern die Autos schöner machen sollen. Beides funktioniert. Im Gedächtnis der Gäste bleiben sie freilich meist nur für letztere Aufgabe hängen. Wie ungerecht.

Biancas Wecker klingelt um fünf Uhr morgens. Zwar hat Sie ein Hotel in der Nähe der Messe, aber Sie muss früh genug da sein, um von den Stylisten bei Peugeot für den Tag hergerichtet zu werden. Je nach Aufgabengebiet gibt es eine kurze Einschulung. Zur gleichen Zeit geht es auch bei Jaguar los, schließlich kommen um 8 Uhr die ersten Gäste – Marie-Antoinette steht dann bereit in hochhackigen Schuhen, adrett in Sakko und Rock gekleidet, vor dem neuen XJ-L.

Bianca ist heute, am ersten Pressetag, für die Garderobe bei Peugeot zuständig. Begrüßung, Mäntel entgegennehmen, wegbringen, wieder holen. Wer als Hostesse in der Garderobe eingeteilt ist arbeitet „hinten“, so der Fachjargon. Marie-Antoinette arbeitet vorne. Also bei den Autos. Prospekte verteilen, Fragen beantworten (auf Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch oder Schwytzerdütsch), Autos präsentieren. Hin rennen, her rennen, lange stehen bleiben. Das alles in Schuhen, die Männer aus Rache für Frauen erfunden haben müssen.

Um 18 Uhr schließt die Messe offiziell und nach zehn Stunden im Stehen endet der Arbeitstag. Zumindest für Marie-Antoinette. Bianca arbeitet hinten und muss so lange bleiben, bis auch der letzte Barbesucher das Peugeot eigene Catering mit seinem Mantel verlassen hat. Auf diesem Wege und stellvertretend für alle die noch nicht daran gedacht haben: Danke!

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