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Genf: Abarth stellt einen echten Rennwagen mit Straßenzulassung auf die Beine und keiner bekommt es mit.
 

Genf 2014 – Abarth und die Fachbesucher

Die Champagnerflaschen sind leer, die Mädels tragen flache Ballerinas und die teuren Schmuckstücke dürfen nur mehr durch die Scheibe betrachtet werden – der Autosalon Genf öffnet seine Türen für die wahren Fachbesucher.

07.03.2014 asphaltfrage

Dabei fragt man sich, wer hier eigentlich die Fachbesucher sind. Denn wenn man sich den Blätterwald und die Meldungen durchklickt, bleibt man staunend zurück. „High-end-Stoßdämpfer mit regulierbarem Stoßabsorber von Shox“ gibt es dort plötzlich und „es ist das allererste Mal, dass ein straßenzugelassenes Auto seiner Klasse, mit einem Getriebe angeboten wird, das mit Dog-Ringe mit Gangrädern und H-Schaltung sowie einem selbstsperrenden Differentialgetriebe aufwartet.“

abarth 695 biposto 2014 vorne grau front695 biposto: ein Rennwagen mit Straßenzulassung und keiner bekommt es mit

Das alles sind keine Tippfehler, sondern der kopierte O-Ton aus der Pressemitteilung, die Fiat zum neuesten Abarth-Wurf mitschickte. Soweit kein Drama, es kann in der Flut von Pressemitteilungen, Termindruck und Weltpremierenwettlauf mal passieren, dass man eine Meldung einfach vom Italienischen ins Englische und wieder zurück ins Deutsche übersetzen muss. Wenn dabei aber Vokabeln benutzt werden, die weder besonders geläufig, noch technisch nicht einfach zu verstehen sind, dann kommt wirklich Lustiges bei heraus.

 

Manche behaupten ein „dog-ring“-Getriebe zeichnet sich durch die gerade Verzahnung der Gangräder aus, andere übersetzen es erst gar nicht. Dann wird auch das selbstsperrende Differenzialgetriebe unkommentiert übernommen. Was ein regulierbarer Stoßabsorber sein soll bleibt ebenfalls im Dunklen. Das alles ist schade. Denn Abarth stellt einen echten Rennwagen mit Straßenzulassung auf die Beine und keiner bekommt es mit.

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dog-ring-Box = Klauenschaltgetriebe

Deshalb in aller Kürze: eine „dog-ring-Box“ ist nichts weiter als ein Klauenschaltgetriebe. Statt einer herkömmlichen Synchonisierung, bei der die Synchronringe die Drehgeschwindingkeit von Schaltmuffe und Schaltrad angleichen um danach den Gang über die Hundezähne (was wiederum nicht mit dem dog aus dog ring gleichgesetzt werden kann) in den Kraftschluss schalten zu können, wird das Drehmoment über die Schaltklauen übertragen.

Sie sind deutlich stärker dimensioniert als die kleinen Zähne einer Synchronisierung und weisen ihrerseits einen deutlich größeren Abstand zueinander auf. Denn das ist der springende Punkt: es muss nichts synchronisiert werden, weil die Geschwindigkeit von An- und Abtriebswelle „schlagartig“ angeglichen werden, sobald die Klauenmuffe mit dem Schaltrad in Eingriff kommt.
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Das Problem mit dem Klauengetriebe

Das Problem an der Sache: es muss schnell gehen. Sehr schnell. Ansonsten kann es vorkommen, dass Klaue auf Klaue trifft, oder – wer gar zu zaghaft ist – die Klauen aneinander vorbeirattern. Beides ist nicht nur mit hässlichen Geräuschen, sondern auch groben Materialabrieb verbunden. Über kurz oder lang zerstört man sein Getriebe einfach.

Deshalb: Gänge reinballern, je schneller, desto besser und je härter, desto verschleißärmer. Meist haben diese motorsportlichen Getriebe deshalb auch gigantisch große Schalthebel und entsprechend knackige Hebelübersetzungen um schnelle Muffenbewegungen zu ermöglichen.

abarth 695 biposto 2014 hinten heck seiteFür all das braucht es weder ein Ingenieursstudium, noch eine KFZ-Schlosserlehre. Man hätte nur ein wenig nachlesen müssen, zumal Abarth sogar den Getriebezulieferer nennt und sich auf dessen Website schöne Bilder des 500er Getriebes finden. Auch hätte man schnell festgestellt um welches selbstsperrende Differentialgetriebe es sich handelt, denn Bacci Romano baut nur Lamellensperrdifferentiale für die kleinen Fiats. (Wahlweise hätte man auch in der englischen Meldung „disc and clutch self-locking differential“ übersetzen können. Das hätte aber vorausgesetzt, dass man weiß, was das eigentlich ist…). Aber jetzt ist der Autosalon ja für die wirklichen Fachbesucher geöffnet. Wir wünschen viel Spaß.

abarth 695 biposto original

Das Original.

  • Wilhelm BENEDICT

    Ja, auch die Qualität und das Wissen der neuen Generation der Motorjournalisten lässt nach. Wo findet man noch Autotest ohne „wischi-waschi“? Ich habe Motorredakteure erlebt, die auf Teststrecken mit den Fahrleistungen der Testwagen und den Straßen überfordert waren. Viele schreiben einfach die Pressemeldungen der Hersteller ab. Traurig!

  • Bjoern

    Eine echte Bereicherung für das Team. Dieser Mann ist brilliant. Die ams sollte sich nun gepflegt in den Hintern beißen.

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