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Geldschwemme in Italien: ChemChina kauft Pirelli

Pirelli gehört bald zum chinesischen Staatskonzern ChemChina. Doch mehr Unternehmen werden folgen.

26.03.2015 Online Redaktion

Pirelli, der italienische Kalenderproduzent mit angeschlossener Reifenfabrik, wird übernommen. 7,1 Milliarden Euro zahlt der chinesische Staatskonzern ChemChina für das Unternehmen, eine weitere Milliarde muss zur Schuldentilgung aufgebracht werden. Neben einer prestigeträchtigen Kalendermarke bekommt der chinesische Konzern den fünftgrößten Reifenproduzenten der Welt.

Die Übernahme macht deutlich, welche Finanzmacht in China schlummert. Deren Investoren und Konzerne beteiligen sich vermehrt an europäischen Firmen, deren Wert gerade im Keller ist. Volvo gehört bereits Geely. Dongfeng ist, neben dem französischen Staat, der zweite Großaktionär bei PSA. Portugal ist gefühlt bereits vollständig im Besitz der neuen Wirtschaftsmacht.

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© Bild: Dean Mouhtaropoulos / Getty Images Sport

Pirelli-Übernahme clever getimt

Auch der Zeitpunkt des Einstiegs ist von bewundernswerter Präzision. Pirelli konnte sein Ergebnis enorm verbessern und 2014 stolze 838 Millionen Euro Gewinn präsentieren. Lediglich der schwache Euro-Kurs macht die Übernahme zu einer Okkasion – 15 Euro pro Pirelli-Aktie bietet ChemChina, 26 Prozent haben sie der russischen Holding Camfin direkt abgekauft.

Obwohl bei chinesischen Investoren immer die Furcht vor dem Untergang des Abendlandes mitschwingt sei betont: seit die Chinesen bei diesen Marken Einfluss und Kontrolle haben, geht es bergauf. Die neuen Investoren haben ihren Einfluss in China genutzt, um die Verkaufszahlen entsprechend nach oben treiben zu können (China ist mittlerweile der größte Automarkt der Welt).

Investoren als Chance

Für Volvo war 2014 ein Rekordjahr mit 465.866 verkauften Fahrzeugen. Eines, das sich vor allem auf China, quasi den neuen Heimatmarkt, zurückführen lässt. Dort verkauft Volvo 80.000 Autos und wuchs doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. Eine ähnliche Erfolgsmeldung hat auch PSA zu präsentieren. Die steigerten ihren Absatz in China um 44 Prozent (dank Dongfeng) und konnten 2014 wieder Gewinn vermelden. Nach einemVerlust von 2,32 Milliarden Euro in 2013.

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© Bild: VANDERLEI ALMEIDA / AFP

Natürlich sind Investoren – deren Geschäftsmodell funktioniert schließlich in jedem Land gleich – dort, wo „Blut durch die Straßen fließt“ (Zitat: Baron Rothschild). In Italien ist das der Fall. Zehn italienischen Firmen wurden 2014 von Chinesischen Investoren vollständig übernommen (darunter Ferretti, ein Produzent von Luxusjachten). An unzähligen weiteren sind sie beteiligt.

Italien, der Übernahmekandidat

So zum Beispiel am Öl- und Gaskonzern Eni und am Energieversorger Enel. Auch ein Drittel der Anteile von CDP (einem staatlichen Gas- und Stromverteiler) gehören einem chinesischen Konzern und Anteile an Telecom Italia und Generali sind obligat.

Spannend wird der Umgang mit Fiat Chrysler Automobiles. Sergio Marchionne, dessen Geschäftsführer, gilt mehr als Aktien- denn als Autoliebhaber. So kam es, dass der rechtliche Sitz von Fiat mittlerweile in Amsterdam ist (aus steuerlichen Gründen), während die operative Zentrale in London liegt. Die Aktien werden in Mailand und New York gehandelt. Wir trauen uns hiermit wetten, dass Marchionne bald die Zusammenarbeit mit den Chinesen intensiviert.

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© Bild: GIUSEPPE CACACE / AFP

Aus europäischer Sicht ist lediglich eine Hoffnung an die Pirelli-Übernahme geknüpft. Nämlich die, dass die Limitierung der Kalender-Stückzahlen aufgehoben wird. Wir drücken die Daumen.

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  • Beinahe Anonym

    Tolle Infos. Genau was ich gesucht habe. Danke.

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