Gebrauchtwagen Mercedes-Benz 560 SEC 1985
Untertürkheim zog selbst im Überdrüber-Coupé seine Ausstattungspolitik durch: Ledersitze in Serie?
 

Schweinsmedaillon

Schwerer Kompensations­alarm angesichts des letzten echten Benz. Stimmt.

12.03.2012 Autorevue Magazin

Wer sitzt da bloß drin? Schurl, der Schlitzer? Ülkan „Der anatolische Stier“ Rüdman? Konsul Scharlachberg? Nein. Einfach ich. Doch das wissen sie nicht. Sie sind einfach kusch: Kein Auffahren, kein Schneiden, keine hastigen Spurwechsel – dieser Benz macht ­Sicherheitsabstand zur Sperrzone. Wer hupt, verliert. Mercedes 560 SEC. Sagen Sie das mal laut: FÜNFHUNDERTSECHZIG ESSEHZEH. Das klingt nobel, großzügig, mit einer leichten, pfeffrigen Note im Abgang. Das Schweinsmedaillon unter den Coupés der 1980er. Ein sattes „Plonck“ der Fahrertür meldet Flanierbereitschaft, sämig zieht der Achtzylinder hoch, dazu die Fauteuils, die Gurtreiche, das Wurzelholz, alles irgendwie final – und du gleitest mit dem Ruhepuls eines Apnoe-Tauchers dahin. Verbrauch? Auch.

Mercedes hat mich pädagogisiert. Auf der Rückbank eines Taxi-240D aufgewachsen (mein Vater suchte sich mit einem Ex-Unfallauto zu nobilitieren), kotzte ich mir dort die Seele aus dem Leib. Irgendwann vibrierte sich die Liebe durch den Magen in mein Herz. Und ich merkte: Wir fuh­­-ren ein Auto, die Nachbarn eine Art von. Das streifst du nie mehr ab. Trotz R-Klasse. Meine Traumkonstellation? 560 SEC schwarz mit Kat, ­Garage in Rufweite, Wiener Netzkarte, und alle zwei, drei Wochen ein Schweins­medaillon.

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