Audi Balanced mobility CNG Audi etron
Das Elektroauto wäre schon da.
 

Gas ist das neue Strom

Wie Audi zum Energieriesen aufsteigen könnte.

19.05.2011 Online Redaktion

Das Prinzip
… ist schnell erklärt. Audi baut in Zusammenarbeit mit der Firma SolarFuel, dem Fraunhofer Institut in Kassel und dem Energieriesen EWE vier Offshore-Windkraftanlagen. Die Energie wird ins normale Stromnetz eingespeist. Die Power, die nicht im Netz benötigt wird, wird in einem speziellen Kraftwerk zur Elektrolyse verwendet. Bei diesem Vorgang wird Wasser aufgespaltet. Es entsteht Sauer- und Wasserstoff. Der Wasserstoff wird zur Methanisierung verwendet, also mit CO2 verbunden, wodurch synthetisches Erdgas entsteht. So genanntes e-Gas („E“ für erneuerbar). Dieses Erdgas wird ins Gasnetz eingespeist.

Das versteht Audi unter „Balanced Mobility“:

Zukunft
Audi schlägt dabei gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Sollte die Zukunft dem Elektroauto gehören, hat man grünen Strom und mit dem Audi e-tron auch gleich das passende Fahrzeug. Sollte sich der Wasserstoffantrieb durchsetzen, ist man auch vorne mit dabei. Sogar mit CO2-neutral produziertem Wasserstoff, weil man den Strom zur Elektrolyse nicht aus Kohlekraftwerken zieht. Möglichkeit Nummer drei – und darauf setzt Audi – ist, das wir alle in Zukunft mit gasgetriebenen Autos fahren. Auch dafür zeigte Audi jüngst das passende Auto. Einen A3 Sportback mit 1,4 Liter Turbomotor. Natürlich mit Benzin- und CNG-Tank.

Imageproblem
Autos mit Erdgasantrieb haben das sportliche Image und den Sexappeal von Treppenliften. Stellt man jetzt noch in den Vordergrund, dass es sich um besonders saubere Gasautos handelt, kommt das Öko-Image dazu und die angepeilte Kundschaft ist endgültig weg. Aber deswegen kümmert sich auch Audi darum und nicht VW oder Skoda. Audi hat ein sportliches Premiumimage, das soll genutzt werden. Eine fertige Marketingstrategie gibt es freilich noch nicht.

Energiewende
Das Problem mit den erneuerbaren Energien ist, dass man Strom nicht in den Mengen speichern kann, in denen man es eigentlich müsste. Das Problem potenziert sich, wenn man bedenkt, dass auch die Strommenge, die ein Windrad liefert, nicht kalkulierbar ist und praktisch permanent Über- oder Unterdeckung herrscht. Die Umwandlung zu Gas soll das Speicherproblem lösen. Im deutschen Gasnetz lässt sich genug Energie speichern, um Deutschland damit über zwei Monate zu versorgen. Einerseits. Und damit sind nicht nur die Autos gemeint. Audi denkt auch gleich an Gas zum Heizen und zur Stromgewinnung.

Auch ist man mit dieser Lösung ortsungebunden. So ließen sich beispielsweise Wüstenflächen in Nordafrika zur Gewinnung von Solarstrom nutzen. Statt den Strom mit hohen Verlusten nach Europa zu transportieren, könnte man noch vor Ort die Umwandlung in Gas betreiben.

CO2
Das synthetisches Erdgas wird CO2-neutral hergestellt, da das CO2, das für die Methanisierung verwendet wird, in einer eigens für dieses Kraftwerk gebauten Biomasseanlage hergestellt wird. Ein Problem ergibt sich erst aus den ambitionierten Stückzahlen.

2020 sollen 600.000 Gasfahrzeuge von Audi auf den Straßen sein. Für zehn Prozent davon könnte man nach derzeitigem Planungsstand das nötige e-Gas liefern (d.h., das 90 Prozent mit konventionellem Erdgas fahren). Aber letztlich ist es nur ein Austauschgeschäft. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Auto tatsächlich mit e-Gas fährt, tendiert gegen null. Man kann ins Gasnetz zwar eine gewisse Menge e-Gas einspeisen, aber nicht gezielt in Autos tanken. Das ist deswegen ein Problem, weil Audi für das e-Gas gerne die Anerkennung als Biokraftstoff hätte, was dem Fahrer steuerliche Vorteile brächte. Nur lässt sich nicht steuern, welche Art Erdgas in den Tanks landet. Eine praktikable Lösung für dieses Problem gibt es noch nicht.

Der Ökostrom kann direkt ins Elektroauto getankt werden:



Oder er kann für eine Elektrolyse verwendet werden:

Den so gewonnen Wasserstoff verbindet man dann mit CO2:

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