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Fußgänger-Erkennung: ÖAMTC testete 5 Systeme von „gut“ bis „genügend“

Etwa 3.500 Fußgänger verunglücken jährlich bei Kollisionen mit Autos im Ortsgebiet – Fußgänger-Erkennungssysteme halten nicht immer was sie versprechen

14.11.2013 APA

Rund 3.500 Fußgänger verunglückten in den vergangenen Jahren bei Kollisionen mit Autos. „Im Schnitt wurden knapp 800 Personen bei einem Zusammenstoß schwer verletzt, für rund 60 kam jede Hilfe zu spät Einen großen Schritt zur Reduzierung dieser Zahlen können Notbremsassistenten mit Fußgänger-Erkennung leisten“, so ÖAMTC-Techniker Gabriel Eberhart. Bei vielen Pkw, die im Allgemeinen als sehr sicher gelten, gebe es bei der Fußgängersicherheit noch Nachholbedarf – das würden Crashtests immer wieder zeigen. Der ÖAMTC hat daher fünf Systeme zur Fußgänger-Erkennung getestet – die Ergebnisse reichen dabei von „gut“ bis nur „genügend“.

„Gut“ für Fußgänger-Erkennung von Lexus LS600h und Volvo V40

Die beste vergebene Bewertung „gut“ erhielten im ÖAMTC-Test die Fußgänger-Erkennung des Lexus LS600h und des Volvo V40. „Beide Fahrzeuge können im Notfall bei einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 50 km/h selbständig einen Zusammenprall mit einem Erwachsenen vermeiden“, so Eberhart. Der Volvo V40 verfügt insgesamt über das beste Fußgängerschutz-System. Neben dem optionalen Notbremsassistenten ist das Fahrzeug serienmäßig mit einem Außen-Airbag für Fußgänger ausgestattet.

Mercedes E-Klasse und BMW 3er GT: „Befriedigend“

Mit „befriedigend“ schnitten die Fußgänger-Notbremssysteme im Mercedes E-Klasse und im BMW 3er GT ab. „Der Mercedes verfügt zwar über ein ausgereiftes Paket an Assistenzfunktionen, die Fußgänger-Erkennung war jedoch im ÖAMTC-Test nicht immer zuverlässig und zeigte bei sehr knappen Situationen teilweise keine Reaktion“, berichtet Eberhart. Beim BMW löst die Fußgänger-Erkennung zwar keine Vollbremsung aus, allerdings wird der Fahrer vor einem Zusammenprall gewarnt und beim Bremsen unterstützt – falls er schnell genug reagieren kann.

Schlechtestes Ergebnis für Nachrüstsystem „Mobileye 560“

Am schwächsten schneidet im ÖAMTC-Test das Nachrüstsystem „Mobileye 560“ ab. Das Gerät kann in jedem Fahrzeug ab Baujahr 2002 nachträglich installiert werden und warnt den Fahrer zuverlässig, wenn ein Fußgänger vor dem Auto auftaucht. „Bremsen muss der Fahrer nach der Warnung aber selbständig, was eine gute Reaktionsfähigkeit verlangt“, so ÖAMTC-Techniker Eberhart. Das Gerät funktioniere zudem bei Dunkelheit nicht.

„Nicht blind auf Assistenzsysteme verlassen“

Beim Crashtest nach EuroNCAP-Norm wird bisher in Punkto Fußgängersicherheit das Hauptaugenmerk auf die Verletzungsgefahr an der Frontpartie der Fahrzeuge gelegt. „Noch besser wäre es, wenn ein Zusammenstoß vermieden oder zumindest die Folgen gemildert werden können“, hält Eberhart fest. Die Hersteller sind daher gefordert, die vorhandene Technik zur Fußgängererkennung flächendeckend zu erschwinglichen Preisen einzuführen. Nachbesserungsbedarf sieht Eberhart vor allem in zwei Punkten: „Einerseits muss die Erkennung von Fußgängern schneller und zuverlässiger werden – unabhängig von den Lichtverhältnissen. Andererseits muss eine Fehlfunktion bzw. Störung des Systems sofort an den Fahrer gemeldet werden.“ Generell rentiere bereits jetzt bei einer Pkw-Neuanschaffung die Ausrüstung mit Assistenzsystemen, wenn dadurch ein Unfall vermieden oder wenigstens die Unfallschwere vermindert werden kann. Blind auf Assistenzsysteme verlassen dürfe man sich als Fahrzeuglenker aber nicht.

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  • Olli

    Derartige Assistenzsysteme sind meiner Meinung nach grundsätzlich zu befürworten. Nur darf so etwas nicht ausarten, indem sich alle darauf verlassen!
    Es kann nicht sein, dass man die Unbedarftheit (um nicht Blödheit zu sagen) der Menschen durch Technik auszugleichen versucht.
    Natürlich kann immer was passieren und genau dann sind solche Systeme auch gut, aber es darf nicht zu „mir kann nichts passieren, ich habe ja eh alle Sicherheitssysteme“ kommen!

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