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Freut euch auf den nächsten Stau

Audi will 2017 im neuen A8 einen Staupiloten anbieten, das System wird derzeit in Shanghai erprobt. Ein Augenscheinbericht aus der Metropole.

30.05.2015 Press Inform

In der chinesischen Metropole Shanghai fährt ein Audi A7, eigentlich nichts Besonderes, hätte der Fahrer die Hände am Lenkrad. Mit diesem speziellen A7 erprobt der Autohersteller seinen Staupiloten. Wenn der Vordermann bremst, verlangsamt auch der Audi A7 seine Geschwindigkeit und nimmt auch Kurven souverän. Sobald ein engagierter Autofahrer vor dem autonom agierenden Audi einschert, registriert die Technik das sofort und passt den Fahrstil auf die neue Situation an.

Das Roboter-Auge ist wachsam

Thomas Müller bringt dieses Chaos nicht aus der Ruhe. Stoisch registriert der Leiter der Entwicklung Brems-, Lenk- und Fahrerassistenzsysteme bei Audi, die Reaktionen des Systems und erklärt dabei noch den Stau-Assistenten, der im nächsten A8 bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h die Luxus-Limousine selbstständig durch den Stop-and-go-Verkehr lotsen soll. Anders als beim Bruder-Prototypen, der in Deutschland auf der A9 seine Bahn zieht, fehlt bei diesem Roboter-Audi der hintere Laserscanner: „Der Stau-Pilot orientiert sich am Vordermann und vollzieht keine Spurwechsel. Deswegen haben wir die Sensorik auf die Front konzentriert“, so Müller. Interessant ist vor allem die Kamera. Nur ein Auge wacht hinter der Windschutzscheibe, statt der erwarteten zwei, die bei einer Stereokamera üblich wären. In der Tat reicht eine Mono-Kamera, um die relevanten Daten für das autonome Fahren zu sammeln. Das liegt auch an der Bildbearbeitungs-Software, die immer besser wird.

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© Bild: Werk

Befehl von ganz oben

Die Kamera schießt 35 Bilder pro Sekunde und gleicht eine ganze Reihe von Aufnahmen in Sekundenbruchteilen ab. Innerhalb von zwei Sekunden kommen also 70 Fotos an, die die Software verarbeiten muss. Dabei wird das Bild auch immer in Relation zu einem statischen Objekt gesetzt. Wird die Struktur, etwa die Umrisse eines Pkws, die auf der Aufnahme zu sehen ist, größer, muss der Auto-Pilot handeln. Die Entscheidung für die Mono-Kamera fiel aus verschiedenen Gründen: Ein Gerät ist billiger als zwei und niemand anderer als VW-Chef Martin Winterkorn hat sich eindeutig zu der auffälligen Technik-Phalanx vor dem Rückspiegel geäußert: „Eine Windschutzscheibe ist zum Durchschauen da, nicht zum Zupflastern!“ Im Klartext: Bitte eine Kamera und nicht zwei.

Der Countdown setzt ein

Diese Reduzierung der Linsen könnte sich in der Zukunft positiv bemerkbar machen. Sobald die NCAP auch kreuzende Fußgänger und Radfahrer in das Testergebnis miteinbezieht, wird man eventuell nur drei Kameras brauchen, statt sechs, wie das bei der Stereo-Variante der Fall wäre, um die Objekte zu erfassen. Doch zurück zum A7, der sich durch die Blechlawine Shanghais kämpft. Bis zu 60 km/h klappt alles. Wie zuverlässig die neue Technik bereits arbeitet, zeigt sich bei einem Blick auf das Display hinter dem Lenkrad, wo der Verkehr und die Fahrzeuge, die sich rings um den Audi befinden, exakt wiedergegeben werden. Sobald die Fahrbahnmarkierungen, an denen sich das System ebenfalls orientiert, verschwinden, mahnt der Autopilot den Fahrer mit einem Zehn-Sekunden-Countdown, wieder das Kommando über das Fahrzeug zu übernehmen.

„War doch ein guter Stau“

Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Woher weiß das Auto, dass es sich auf einer Autobahn befindet und kann dann den Stau-Piloten anbieten? Diese Lokalisierung geschieht mit GPS- und den Daten des Navigationssystems. Da immer ein zweites System an Bord sein muss, das einspringt, wenn eines ausfällt, werden auch Kolonnen und baulich getrennte Fahrbahnen in die Entscheidung miteinbezogen. In Shanghai neigt sich die A8-Erprobung im A7 ihrem Ende zu. Als sich das Auto dem Ende der Autobahn nähert, geht das Kommando zurück an den Fahrer. „War doch ein guter Stau“, sagt Thomas Müller und klingt dabei sehr zufrieden.

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