Ein Designer von Dongfeng Motor
Peugeot strebe an, noch in diesem Jahr eine Einigung zu erzielen.
 

Peugeot-Aktien eingebrochen

Die französische Regierung und der chinesische Staatskonzern Dongfeng Motor stehen vor dem Einstieg bei PSA.

14.10.2013 APA

 

Dem Autohersteller PSA Peugeot Citroen ging es schon besser, laut Insidern steht der Einstieg der französischen Regierung und der chinesische Staatskonzern Dongfeng Motor bevor.

Beide wollten jeweils 1,5 Mrd. Euro investieren und damit zwischen 20 und 30 Prozent an dem angeschlagenen Unternehmen übernehmen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Seit 1810 in Familienbesitz

Durch die umfassende Kapitalerhöhung von 3 Mrd. Euro würde die Gründer-Familie Peugeot die Kontrollmehrheit verlieren. Derzeit ist sie an der 1810 gegründeten Firma mit 25,4 Prozent beteiligt und hält 38,1 Prozent der Stimmrechte. Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici wollte am Rande der IWF-Tagung am Wochenende in Washington die Meldung nicht direkt bestätigen, wies sie aber auch nicht zurück. Die französischen Gewerkschaften zeigten sich offen für eine Staatsbeteiligung.

Kosten einsparen

Dem Renault -Rivalen mangelt es angesichts des massiven Nachfrage-Einbruchs an liquiden Mitteln. Vergangenes Jahr hatte das Unternehmen 5 Mrd. Euro Verlust eingefahren und wird bereits mit Staatshilfen im Umfang von sieben Milliarden Euro gestützt. Peugeot muss dringend Kosten einsparen, kommt allerdings nur schwerlich voran. Verteilt über zwei Jahre sollen 11.200 Stellen gestrichen werden. Im Juli hatte Peugeot-Chef Philippe Varin betont, der Autobauer befinde sich auf einem guten Weg, seine Jahresziele zu erreichen.

Technisches Know-how

Nach Aussage der Insider ist eine Delegation aus Firmen-Managern, französischen Regierungsvertretern und Bankern auf dem Weg nach China, um die Verhandlungen voranzutreiben. Eine Vereinbarung könne innerhalb von Wochen stehen. Peugeot strebe an, noch in diesem Jahr eine Einigung zu erzielen. Damit einhergehen solle der Ausbau des bereits bestehenden Gemeinschaftsunternehmens von Peugeot und Dongfeng in China, DPCA. Geplant sei, noch mehr Peugeot-Autos und -Technologie einzubringen, um neue Märkte zu erschließen.

Peugeot-Familie bereit

Peugeot wollte sich nicht direkt äußern. Ein Firmensprecher sagte jüngst lediglich: „Peugeot bestätigt, neue Industrie- und Geschäftsprojekte mit verschiedenen Partnern zu prüfen wie auch die Finanzierung, die davon begleitet wird.“ Moscovici äußerte sich ebenfalls nicht direkt, sondern betonte, dass PSA derzeit seine bereits bestehenden industriellen Partnerschaften mit General Motors und Dongfeng ausbauen wolle. Manager von Dongfeng sagten, sie wüssten nichts von dem Plan, bei Peugeot einzusteigen. Die Peugeot-Familie hatte bereits ihre Bereitschaft signalisiert, die Kontrollmehrheit abzugeben.

General Motors auch beteiligt

Nicht nur die Gründerfamilie sondern auch der derzeit zweitgrößte Aktionär, die Opel-Mutter General Motors, könnten durch die Kapitalerhöhung an Einfluss verlieren. Seit der Kapitalerhöhung im Umfang von einer Milliarde Euro im vergangenen Jahr hält der US-Autobauer sieben Prozent an den Franzosen. Dieser Anteil dürfte bei einer Kapital-Injektion von 3 Mrd. Euro verwässert werden. Die Kapitalerhöhung würde bei 68 Prozent des derzeitigen Marktwertes von Peugeot, der sich auf knapp 4,4 Mrd. Euro beläuft, liegen. Wie die Allianz mit General Motors künftig aussieht, dürfte auch davon abhängen, wie stark sich die Franzosen an Dongfeng binden. GM-Vize-Chairman Steve Girsky deutete dies bereits vor einem Monat an.

Eine Tragbare Lösung

Die französischen Gewerkschaften zeigten sich offen für eine Staatsbeteiligung. „Sollte dies bestätigt werden, wären es ziemlich gute Nachrichten für das Unternehmen, weil eine Kapitalerhöhung in jedem Fall unerlässlich ist“, sagte der Sprecher der Gewerkschaft CFDT, Xavier Lellasseux. Christian Lafaye von der Gewerkschaft Force Ouvriere sagte, eine Beteiligung des Partners Dongfeng wäre „eine tragbare Lösung“. „Wir können nicht leugnen, dass die Chinesen den Wind hinter sich haben und auch das Geld.“

Kritische Stimmen

Trotzdem waren nicht alle Gewerkschaftler überzeugt. Franck Bieri von CGC warnte vor den Auswirkungen auf den französischen Markt und die Arbeitsplätze: „Es sollte vielleicht ausreichen, um das Geschäft am Laufen zu halten, aber es ist unsicher, ob alle Jobs erhalten bleiben.“ Peugeot beschäftigt in Frankreich rund 78.000 Mitarbeiter.

Peugeot-Aktien eingebrochen

Die Peugeot-Aktien sind an der Pariser Börse um bis zu 11,5 Prozent eingebrochen und waren mit 10,94 Euro so billig wie zuletzt Anfang September. Das ist der größte Tagesverlust seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. „Die – aus unserer Sicht negative – Neuigkeit ist die potenzielle massive Beteiligung des französischen Staates“, sagte ein Börsen-Kenner. „Dies könnte das Unternehmen unregierbar machen.“

 

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