Ein Mercedes-Auto fährt durch einen Tunnel. Man sieht nur den Mercedes-Stern scharf.
Das Tauziehen zwischen Frankreich und Daimler geht weiter
 

Frankreich gegen Mercedes geht in die nächste Runde

Die Regierung Frankreichs will entgegen dem Versailler Verwaltungsgericht handeln und am verhängten Zulassungsstopp festhalten.

27.07.2013 APA

 

Seit mehreren Wochen zieht sich nun schon der Streit um das Klimaanlagen-Kältemittel zwischen Frankreich und Daimler. Diese Woche hat ein Verwaltungsgericht in Versailles den Zulassungsstopp für einige Modelle zurückgewiesen. Ministerium und Verwaltung müssen ihre Entscheidung nun neu fassen. Die französische Regierung hat schon auf die Nachricht aus Versailles reagiert und beharrt auf seinen Standpunkt in dieser Auseinandersetzung.

Zuversicht hat nichts geholfen

Daimler hat sich unmittelbar nach der für den Konzern positiven Nachricht noch zuversichtlich gezeigt. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass die französische Verwaltung der Meinung des Gerichts folgen wird und unsere Fahrzeuge in Kürze wieder in Frankreich zugelassen werden können“, sagte ein Konzernsprecher der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Damit dürfte der Teilerfolg für Daimler verpufft und der von ihnen angestrebte Kompromiss auf unbestimmte Zeit verschoben sein.

Keine offizielle Begründung für Zulassungsstopp

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte am Mittwoch betont, der Konzern habe bisher noch keine offizielle Begründung erhalten, warum die Behörden die Zulassungen verweigerten. Nachdem die Stuttgarter im Jahresverlauf zunächst gute Verkaufszahlen aus dem Nachbarland vorgelegt hatten, bremste der Zulassungsstopp die Geschäfte empfindlich. Auch mussten die Schwaben ihre Kunden zunächst mit Ersatzautos versorgen. „Das ist natürlich mit Kosten verbunden“, hatte Zetsche bekannt.

R134a statt R1234yf

Hintergrund der Blockade ist der Streit um das möglicherweise gefährliche Klimaanlagen-Kältemittel R1234yf. Daimler will es nicht einsetzen, weil es in eigenen Unfall-Simulationen Feuer fing. Die Chemikalie ist aber das derzeit einzige verfügbare Mittel, um eine EU-Richtlinie zu erfüllen, die die Treibhausgas-Emissionen aus Autoklimaanlagen reduzieren soll. Weil Daimler stattdessen das ältere und klimaschädlichere Mittel R134a verwendet, liegt der Konzern im Zwist mit der EU-Kommission sowie den US-Chemieriesen Honeywell und Dupont, die das neue Mittel herstellen.

Kauf von CO2-Zertifikaten als Kompromiss angedacht

Daimler soll auch einen Kompromissvorschlag erwägen. Nach Informationen der Zeitung „Die Welt“ will der Autobauer den Vorwurf entkräften, er wolle das neue Kühlmittel nicht verwenden, weil es teurer als das alte ist. Als Zeichen des guten Willens wollen die Stuttgarter demnach mit der Differenz den Umweltschutz unterstützen oder CO2-Zertifikate kaufen. „Das ist sicherlich eine Option von vielen“, sagte ein Daimler-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage.

Noch kein Ende in Sicht

Das Versailler Verwaltungsgericht hat in seinem Spruch nicht die sofortige Wiederaufnahme der Zulassungen verordnet, dadurch dürfte es noch längere Zeit brauchen, bis die Mercedes-Benz-Modelle der kompakten A- und B- sowie für den Sportwagen SL auf den französischen Markt zugelassen werden. Zumindest solange Daimler auf das alte Kältemittel R134a setzt.

 

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