Bernie Ecclestone
Ecclestone muss wegen Bestechungsverdachts vor Gericht.
 

Formel 1: Bernie Ecclestone muss vor Gericht

Der britische Formel-1-Boss Ecclestone muss wegen des Verdachts der Bestechung vor Gericht.

16.01.2014 APA

Der Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wird wegen des Verdachts der Bestechung vor dem Münchner Landesgericht erscheinen müssen. Die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den 83-jährigen Briten wurde zugelassen, so eine Gerichtssprecherin am Donnerstag.

Ecclestones Verteidiger: „Die Bestechung gab es nicht“

Die Verteidiger von Ecclestone haben die Bestechungsvorwürfe der Münchner Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Die Zulassung der Anklage sei kein Befund in der Sache selbst, teilten die Anwälte Sven Thomas und Norbert Scharf am Donnerstag mit. „Es verbleibt dabei: Die behauptete Bestechung gab es nicht.“ Die Vorwürfe seien daher unzutreffend und ergäben kein schlüssiges Bild.

Kein Nachfolger für Ecclestone in Sicht

Was im Falle einer Verurteilung von Ecclestone mit der Formel 1 passieren würde, ist offen. Ein potenzieller Nachfolger für den Engländer, der Ende der 1970er Jahre die Vermarktungs- und TV-Rechte gekauft hatte, steht nicht fest.

Zurückhaltende Reaktion von Ferrari

Eine Sprecherin von Ferrari sagte am Donnerstag, dass die Scuderia zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben werde. Das Williams-Team wird nach eigenen Angaben zu diesem Sachverhalt ebenfalls keinen Kommentar verlautbaren. Auch Lotus möchte sich dazu nicht äußern.

Verkauf der Formel-1-Anteile an die BayernLB

Es wird in dem Prozess vor dem Landgericht München um den Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB im Jahr 2006 gehen. Damals kassierte Ecclestone von dem zuständigen Bankvorstand Gerhard Gribkowsky 66 Millionen Dollar (48,51 Mio. Euro) Provision. Dem deutschen Banker soll der britische Formel-1-Boss dann wiederum 44 Millionen Dollar (32,34 Mio. Euro) heimlich zurückgegeben haben, damit dieser den Verkauf der Formel 1 in seinem Sinne regelte. 2012 war Gribkowsky vom Münchner Landgericht zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Ecclestone bestreitet die Vorwürfe

Bei der Urteilsverkündung gegen Gribkowsky hatte der Vorsitzende Richter Peter Noll gesagt, Ecclestone habe den Banker „ins Verbrechen geführt“. Auch die Entscheidung über die Anklage gegen Ecclestone lag bei Nolls Kammer. Ecclestone selbst hat die Bestechungsvorwürfe stets bestritten. Er versicherte immer wieder, „nichts Illegales“ getan zu haben.

Ecclestone hat Zahlungen zugegeben

In einem Zivilprozess in London, in dem sich Ecclestone bereits seit Ende Oktober vergangenen Jahres verantworten muss, hatte er die Zahlungen an Gribkowsky zugegeben, wie früher aber darauf beharrt, dass dieser ihn unter Druck gesetzt habe. „Ich habe Dr. Gribkowsky bezahlt, weil er sagte, er würde mich mit Blick auf Steuerregelungen unserer Familien-Stiftung erpressen … was sehr teuer geworden wäre“, sagte Ecclestone.

Klage der Constantin Medien AG

Er sagte dort aber auch aus, dass er Gribkowsky zehn Millionen Pfund (12,05 Mio. Euro) gezahlt habe. Eine andere Version der Dinge stritt er ab. In dem Prozess in Ecclestones Heimat – sein Büro liegt unmittelbar am Hyde Park – geht es um eine Klage der Constantin Medien AG auf die Zahlung von 171 Millionen US-Dollar (125,68 Mio. Euro) Entschädigung.

Aktienpaket möglicherweise zu billig verkauft

Die Medien AG ist der Meinung, dass Ecclestone das Aktienpaket an die Investmentgesellschaft CVC zu billig verkauft habe. Auch die BayernLB hatte Mitte Dezember bestätigt, Schadenersatz von Ecclestone wegen der damaligen Vorgänge einzuklagen – die Summe: 400 Millionen. Ecclestone war nach dem Verkauf der Formel 1 an CVC von dem Investmentunternehmen weiter als Geschäftsführer der Motorsport-Königsklasse eingesetzt worden.

Angebot für den Nürburgring

Und in dieser Position hat sich der schon als kleiner Bub geschäftstüchtige Brite („Ich habe schon früh mit allem gedealt und gehandelt, was mir nur in die Finger kam“) praktisch unabkömmlich gemacht. Ecclestone handelt mit den Streckenbetreibern die zig-millionenschweren Verträge aus. Jüngst soll er sogar ein Kaufangebot für den Nürburgring abgegeben haben.

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