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Ford Mondeo 2,0 TDCi Traveller: Sind wir noch lang nicht da?

Ein halbes Jahr mit dem Ford Mondeo Traveller in Vollausstattung oder: Ab jetzt wird immer irgendwer nicht im Büro sein.

18.08.2016 Autorevue Magazin

Das ging ja schnell: Schon in den ersten drei Wochen, die uns der Mondeo beehrte, fuhr einer nach Kroatien damit und ein anderer gar an die westfranzösische Küste. Beide kriegten sich hinterher kaum ein vor Lob, so ein angenehmes Auto, hilfreich und gut, man möchte gar nicht mehr stehen bleiben, aber leider war dann jeweils das Meer im Weg.

Dass der Mondeo so beliebt ist, liegt auch daran, dass wir uns nicht lumpen haben lassen: Das hier ist der zweitteuerste Mondeo, der zu haben ist: Mit 180 PS zweitstärkster Diesel plus Doppelkupplungs-Automatik, und weil auch noch mit Allrad, teurer als der stärkste Diesel (210 PS). Allein der EcoBoost-Benziner mit 240 PS kostet mehr, wenn auch nur um 750 Euro. Wir aber haben noch einen guten Zehner draufgelegt bzw. legen lassen: unter anderem für das Technologie-Paket „Sicherheit“ (da treffen sich alle Assistenten, die für Ford arbeiten, von Fahrspur bis Fernlicht, dazu der bei den Hintensitzenden nicht so beliebte, weil strenge Airbag-Gurt und Active City Stop), das Titanium X-Paket mit Ledersitzen und den adaptiven LED-Scheinwerfern sowie das elegante Ruby-Rot, welches alleine 1.500 Euro kostet. Glänzt schön in der Sonne.

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© Bild: Michael Szemes

Eigentlich glänzt das ganze Auto. Zumal die Frontpartie ist gelungen, mit dem Aston-Martin-Kühlergrill und dem wuchtigen Motorraum, geschuldet dem Fußgängerschutz. Nach hinten wölbt sich der Mondeo elegant durch, der an sich banale Abgang wird von den Auspuffblenden stark aufgewertet. Immer wieder ein einladender Anblick, der durchaus seine gefällige Fortsetzung findet, wenn man nach innen schaut. Es dominieren Klavierlack (leider immer verstaubt) und Leder-Alcantara, Letzteres Teil des Titanium X-Pakets: Eigentlich Ledersitze für Ledersitzverweigerer, denn genau dort, wo man aufsitzt, ist feines Alcantara.

Dieses Auto wird dir nie, nie, nie und mit keinem Detail auf die Nerven gehen. Es ist größtenteils selbsterklärend, bei den vielen möglichen Funktionen keine geringe Leistung.

Auffällig groß ist der Wählhebel für die Automatik, das wohl wichtigste Extra, es macht für 2.700 Euro den Mondeo erst komplett. Denn ein derartig entspanntes, großes Auto mit Selberschalten: echt nicht.

Entspannt ist ein zentrales Stichwort. Dieses Auto wird dir nie, nie, nie und mit keinem Detail auf die Nerven gehen. Es beginnt damit, dass es größtenteils selbsterklärend ist, bei den vielen möglichen Funktionen keine geringe Leistung. Wichtige, oft gebrauchte Funktionen sind an der Oberfläche, weniger wichtige am Touchscreen mit einmal Antippen auffindbar. Tippen geht gut, aber manche Icons, etwa die Sender für den Radio, sind etwas klein geraten.

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© Bild: Michael Szemes

Der große Automatikwählhebel nimmt viel Platz weg, dennoch bleibt genug über für Dosenhalter und Ablagen.

Witzig übrigens, in welche Fallen man beim Autokonzipieren gehen kann. Ist auch hier einmal passiert: Nämlich erscheint bei aktivierter Rückfahrkamera rechts oben am Bildschirm ein Autosymbol, und zwar genau dort, wo beim schräg Ausparken nach rechts hinten – ein häufiger Fall – das eventuell herannahende Auto zu sehen wäre. Hier aber eben nicht oder nur schlecht.

Der Mondeo hat 180 PS, die sich aber nicht in Form übersteigerter Leistungsbereitschaft in den Vordergund spielen. Anders gesagt: Das Auto ist weit mehr Gleiter denn Hetzer – beim Gleiten aber große Klasse. Bis 140 km/h kann man vorne leise hörbuchhören, ohne hinten wen zu belästigen. Oder sich gedämpft unterhalten.

Das ist, gemeinsam mit den komfortablen Sitzen, sehr viel, um ein sehr gutes Langstreckenauto aus dem Mondeo zu machen.

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© Bild: Michael Szemes

Die Heckklappe geht gegen Aufpreis elektrisch auf, dahinter befindet sich, ebenfalls gegen Aufpreis, das Load Management System.

Und als Kombi? Der Laderaum, rein vom Volumen her, ist durchschnittlich, ein Skoda Superb etwa hat, wenn alles umgelegt ist, um 320 Liter mehr, die Frage ist, ob man es braucht. Für den Mondeo gibt’s um 373 Euro das Laderaummanagement,  das ist eine längs verschiebbare Barriere, ergänzt von allerlei Festzurrgummis und Netzen, die das Verstauen von kleinen Sachen zu einer beherrschbaren Wissenschaft machen. Nutzbarkeitsfaktor: hoch.

Der Verbrauch scheint sich nach ersten längeren Ausfahrten, sonst aber hohem Stadtanteil, bei 7,6 Litern einzupendeln. Mit dem 62-Liter-Tank ergeben sich Reichweiten von runden 1.000 Kilometern, je nach Fahrer. Selten tanken hebt die Freude am Besitz.

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© Bild: Michael Szemes

Kleine Schwächen zeigt das Navi, das nicht immer ganz auf dem aktuellen Stand ist, und die Verkehrszeichenerkennung, der man, würde man sich immer an sie halten, recht schnell die Schuld an der Führerscheinabnahme geben müsste, zum Beispiel, wenn man mit einem Hunderter durchs Dorf gebrettert ist. Is nix gstandn, Herr Schpekta! Das ist aber bei anderen Systemen dieser Art genau gleich, was daran liegt, dass sie nur von der Frontkamera, nicht aber von den Daten aus dem Navi gefüttert werden.

Das wäre aber das einzig Unzuverlässige an diesem Auto, denn die Verarbeitung wirkt hochwertig, und ob in einem halben Jahr noch alles dran ist, werden Sie von uns erfahren, wenn es wieder schneit und friert.

shortcut

Was wir mögen
Die Funktion des Mondeo als unaufdringlicher, aber höchst aufmerksamer Lebensbegleiter.
Was uns fehlt
Ein quickeres Navi und ein nicht ganz so kleinteiliger Touchscreen.
Was uns überrascht
Die Schaltwippen. Schaltwippen? In einem Mondeokombi? Eben.
Perfekt, wenn
… man es gut haben möchte.
Die Konkurrenz
Audi A4 bis A6 Avant, BMW 3er bis 5er Touring, Citroën C5 Tourer, Kia Optima Sportswagon, Mercedes C bis E-Klasse T, Peugeot 508 SW, Renault Talisman Grand Tour, Toyota Avensis Kombi, Volvo V60, VW Passat Variant sowie Opel Insignia und Skoda Superb Combi.

daten ford mondeo 2,0 TDCi Aut. AWD Titanium Traveller

Preis  € 44.000,– (NoVA 9 %)
Basispreis  € 34.850,– (1,5 TDCi)
Steuer  jährlich € 856,44
Motor, Antrieb  4-Zyl.-Turbodiesel, 1998 ccm, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb.
Leistung/Drehmoment  132 kW (180 PS)/3750/min, 400 Nm/2000/min.
Fahrleistungen  0-100 km/h 9,5 sec, Spitze 216 km/h, Normverbrauch/CO2 6,1/4,8/5,3 l/100 km/137 g/km. Testverbrauch 7,6 l/100 km.
Dimensionen  5 Sitze, L/B/H 4871/ 1850/1482 mm, Wendekreis 11,5 m, Tank 62 l, Kofferraum 525-1630 l, Reifen 235/55 R18
Gewichte  Leergewicht 1703 kg, Zuladung 627 kg, Anhängelast 2200/750 kg.
Sicherheit  EuroNCAP *****/86/82/66/66 % (2014).
Ausstattung  Ambientebeleuchtung, Audiosystem Sync 3 mit 8’’-Touchscreen, Fahrspurassist inkl. Spurhalteassist und Müdigkeitswarner, LED-Tagfahrlicht, Vordersitze 4-fach manuell verstellbar, Verkehrsschilderkennung, Tempomat, 2-Zonen-Klima etc.
Extras  u. a. 18’’-Leichtmetallfelgen € 746,–, Rückfahrkamera € 1.002,–, Metallic € 853,–, Anhängevorrichtung € 1.076,–, Load Management System € 373,–, Lenkradsäule el. verst. € 320,–, adaptiver Tempomat € 874,–, Dachreling schwarz € 160,–, aut. Heckklappe € 426,–, adaptive LED-Scheinwerfer € 1.780,–, Ledersitze (10-fach el. Verst. vo.) € 3.017,–, Navigationssystem € 640,–, Panoramaschiebedach elektr. 1.386,–, Park-Pilot v./h. € 554,–, Active City Stop € 267,– etc.

VERGLEICHBAR

Opel Insignia ST 2,0 CDTi Sport AWD
Preis  € 46.050, – (NoVA 16 %)
Steuer  jährlich € 784,44
Antrieb  4-Zyl.-Turbodieselmotor, 1956 ccm, 125 kW (170 PS), 400 Nm Drehmoment, 6-Stufen-Wandlerautomatik, Allrad.
Dimensionen:  5 Sitze, L/B/H 4913/ 1856/1513 mm, Gewicht 1901 kg,  Kofferraum 540-1530 l.
Fahrleistungen:  0-100 km/h 10,4 sec, Spitze 205 km/h, Normverbrauch/CO2 6,4 l/100 km/169 g/km.

Skoda Superb Combi TDI 4×4
Preis  € 43.150, – (NoVA 9 %)
Steuer  jährlich € 919,44
Antrieb  4-Zyl.-Turbodieselmotor, 1968 ccm, 140 kW (190 PS), 400 Nm Drehmoment, 6-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe, Allrad.
Dimensionen:  5 Sitze, L/B/H 4861/ 1864/1468 mm, Gewicht 1635 kg,  Kofferraum 660-1950 l.
Fahrleistungen:  0-100 km/h 7,7 sec, Spitze 228 km/h, Normverbrauch/CO2 5,1 l/100 km/134 g/km.

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