Alan Mulally, Bill Ford und der neue CEO, Mark Fields. © Bill Pugliano/Getty Images
Alan Mulally, Bill Ford und der neue CEO, Mark Fields. © Bill Pugliano/Getty Images
 

Ford: Chefwechsel mit 1.Juli

Mar Fields folgt Alan Mulally, dem es „eine Ehre war“, ein halbes Jahr früher als geplant. Gemeinsam strichen sie bereits Zehntausende Jobs.

02.05.2014 APA

Ford bekommt schon zur Jahresmitte einen neuen Chef. Der bis jetzt fürs Tagesgeschäft zuständige Mark Fields übernimmt zum 1. Juli das Ruder von Alan Mulally, wie das Unternehmen am Donnerstag am Sitz in Dearborn mitteilte. Damit hört der 68-Jährige ein halbes Jahr früher auf als erwartet.

Fields und Mulally krempelten Ford gemainsam um

Ein Ablöse deutete sich allerdings schon länger an. Fields war Ende 2012 vom Chef des wichtigen Amerika-Geschäfts zum zweiten Mann im Konzernmanagement befördert worden. Schon zuvor hatte der 53-Jährige als Kronprinz gegolten. Fields war einer der wichtigsten Mitstreiter Mulallys bei der Rettung von Ford.

Mulally kam von Boeing

Mulally hatte es geschafft, Ford als einzigen der drei großen US-Autobauer ohne Staatshilfe durch die Wirtschaftskrise zu steuern. Er war 2006 vom Flugzeugbauer Boeing zu Ford gekommen und stellte damit eine absolute Ausnahme in der Detroiter Autowelt dar. Fields dagegen ist ein Ford-Eigengewächs, das zahlreiche Führungspositionen bei Ford innehatte.

Ford stand 2006 am Abgrund

Ohne Alan Mulally gäbe es Ford heute vielleicht gar nicht mehr. Zu seinem Amtsantritt sah die Lage dramatisch aus: Technische Probleme und millionenfache Rückrufe hatten den Ruf des traditionsreichen Autobauers schwer beschädigt, die Kunden wanderten zur Konkurrenz ab, die Gesundheits- und Pensionskosten der Mitarbeiter fraßen die dünnen Gewinne auf.

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Alaln Mulally. © Bill Pugliano/Getty Images

Mulally war ein familien- und branchenfremder Manager

Doch dann begann die Wende. Bill Ford, Urenkel des legendären Konzerngründers Henry Ford, trat nach fünf glücklosen Jahren als Konzernchef zurück. Mit Alan Mulally übernahm nicht nur ein familienfremder Manager das Steuer, sondern ein branchenfremder. Mulally hatte 37 Berufsjahre bei Boeing verbracht. Zuletzt leitete der gelernte Luftfahrt-Ingenieur dort das größte Standbein mit Verkehrsflugzeugen.

Mulally und Fields koppelten sich von Tochterunternehmen ab

Mulally scherte sich nicht um alte Seilschaften und krempelte Ford um: Er strich zusammen mit dem damaligen Amerika-Chef und jetzigen Nachfolger Mark Fields Zehntausende von Stellen, schloss ein gutes Dutzend schlecht laufende Werke und stieß reihenweise unrentable Tochterunternehmen ab, darunter die beiden britischen Nobelmarken Jaguar und Land Rover sowie den schwedischen Autobauer Volvo. Zahlreiche hochrangige Manager mussten gehen.

© Bill Pugliano/Getty Images

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„Wir haben unser Erbe verpfänden müssen“

Um an frisches Geld zu gelangen, verpfändete Mulally alles, was noch irgendeinen Wert hatte: Fabriken, Modelle und sogar das weltberühmte blaue Firmenlogo. 23,5 Mrd. Dollar an Krediten kamen so zusammen, die Mulally in den Umbau von Ford steckte. „Wir haben unser Erbe verpfänden müssen“, sagte Bill Ford später. Und Mulally ergänzte: „Es ist nicht immer einfach gewesen.“

Hilfe aus Europa

Bei der Neuaufstellung nahm sich Mulally ein Beispiel an der japanischen Konkurrenz, die mit sparsamen Autos die amerikanischen Käufer reihenweise zum Umsteigen bewegte. Technische Schützenhilfe leisteten dabei die Kollegen von Ford Europa aus Köln, die sich mit kleineren und spritsparenden Wagen auskannten. Heute macht Ford in den USA mit Fiesta oder Focus gute Geschäfte.

Ford gilt als voll kreditwürdig

So überstand Ford am Ende aus eigener Kraft die Wirtschaftskrise des Jahres 2009, während General Motors und Chrysler vom US-Steuerzahler gerettet werden mussten. Ford hat mittlerweile einen guten Teil der Schulden zurückgezahlt und gilt wieder als voll kreditwürdig. Mulally konnte vor zwei Jahren auch das eigene Logo auslösen. Bei den Verkäufen in den USA liegt Ford wieder vor Toyota und nur knapp hinter General Motors.

„Es war mir eine Ehre“

Mulally blieb trotz seiner harten Einschnitte ein Sympathieträger. Er hat fast immer ein Lächeln auf den Lippen und wirkt bodenständig-freundlich. Statt Anzug trägt er gerne auch mal einen roten Pullover mit Ford-Logo. Nun geht Mulally mit 1. Juli und damit ein halbes Jahr früher als erwartet. „Es war mir eine Ehre“, erklärte er zum Abschied. Mit einem Bruch in der Führungskultur ist aber nicht zu rechnen: Nachfolger wird der langjährige Mitstreiter und zweite Mann im Konzern, Mark Fields.

© Bill Pugliano/Getty Images

Mark Fields. © Bill Pugliano/Getty Images

 

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