Ford B-Max 1,6 TDCi Titanium Fahrbericht Test
Die Familie - hier Patchwork ohne Kind, Ehe oder Sicherheitsgefühl - hat ein neues Auto bekommen. Den B-Max.
 

Testbericht: Ford B-Max

Der praktische Einstieg ins Auto ist die halbe Miete.

07.02.2013 Autorevue Magazin

Hier ist endlich einmal wieder was Besonderes gelungen, und erreicht wurde es durch einen Verzicht: Ford hat im neuen B-Max einfach die B-Säulen weggelassen. Das geht, wenn man die Türen mit hochfesten Stählen verstärkt, um beim Crashtest trotzdem die fünf Sterne zu kriegen. Hinten gibt es Schiebetüren. Öffnet man eine solche und gleichzeitig die normal vorne angeschlagene Vordertür, entblößt sich die Flanke des Autos sozusagen zur Gänze. Das ergibt einen schönen Ein- und Durchblick, außerdem, so sagt Ford, einen ganz besonders komfortablen Einstieg zu den hinteren Sitzplätzen. Nun ist es ja nicht so, dass das größte Problem bei viertürigen Autos der Zugang zu den hinteren Sitzen ist, und so gesehen ist das hier eine hübsche Pointe und eine nette Überraschung eher als die Überwindung einer großen Schwierigkeit in dieser Welt.

Einen Kindersitz zu montieren geht allerdings tatsächlich leichter als bei einem ­normalen Türkonzept, weil das sperrige Teil mit groß­zü­gigem Schwung ins Wagen­innere ­befördert werden kann, mitsamt Kind. Beim Einsteigen hält man sich jetzt an den Vordersitzen statt an der B-Säule fest. Und ja, das geht leicht und gut, und weil da kein Pfosten in der Mitte steht, fühlt es sich insgesamt geräumig und luftig an. Noch größeren Anteil am guten ­Einstieg haben vermutlich die erhöhte Sitzposition und das insgesamt gelungene Platz­konzept des Autos.

Der B-Max steht auf der Plattform des Fiesta und ­gehört in dessen Größen­ordnung, ist also grundsätzlich kein großes Auto. Wir sehen aber diesen gewaltigen Einstieg, und gleich weht uns was von Weite an. Die Höhe tut ein Übriges. Und natürlich ist der Raum für vier Passa­giere perfekt ausgenutzt.

Kopffreiheit, Kniefreiheit, ­Ellbogenfreiheit, alles im Überfluss ­vorhanden. Sitzt ­hinten ein Dritter, wird’s dort allerdings eng. Freundlich und einladend ist also der Empfang, und in dieser Tonart sprechen auch die Armaturen zu uns Einsteigenden, denn sie machen zwar die derzeit gängigen Moden mit (oben Bildschirm, darunter Klima mit flankierenden Luftauslässen, darunter Radioeinheit), sind dabei aber gefällig und ohne Ausnahme praktisch eingebaut.

Ford B-Max 1,6 TDCi Titanium Fahrbericht Test

Guter Eindruck beim Platznehmen: tolle Sitze, bequem auch bei längeren Fahrten ­sowohl vorne wie hinten. Gute Sicht nach allen Richtungen. Überhaupt scheint hier alles für einen komfortablen Aufenthalt eingerichtet, bei sinnvollem Verzicht auf stilistische Auffälligkeiten und mehr oder weniger originelle Ideen, die oft genug eh nur schiefgehen.

Die Laderaumkapazität ­orientiert sich am Üblichen: Alle Lehnen sind umlegbar, inklu­sive Beifahrersitzfläche ergibt das Stauraum bis zu 2,35 Meter Länge, und das Ganze ausgehend von einem eher mäßigen Grund­volumen – 304 Liter, mehr kann man bei der Autogröße auch kaum erwarten.Unser Testauto wird vom 95 PS starken Turbodiesel ­bewegt. Wie alle Motoren im B-Max ist auch dieser, sagen wir einmal: eher pragmatisch in der Wirkung. Fast 14 Sekunden von Null auf Hundert sind ein beschaulicher Wert, der das Bravsein fördert. Schaltfaules Fahren wird nicht so gern genommen, vielmehr ist eifriges Umrühren verlangt, und wir würden uns ein Automatikgetriebe schon sehr ­wünschen. Verlangt der Markt nicht, sagt Ford. Mal sehen.
Immerhin, der Verbrauch ist entsprechend.

Vier Liter im Schnitt werden offiziell postuliert, die reale Erfahrung bringt etwas weniger als fünf Liter zutage, damit kann man mehr als gut leben. Abgesehen von der mode­raten Motorleistung, bewegt sich der Ford B-Max überraschend lebendig um die Kurve, die elektrische Servolenkung ­arbeitet präzise und gelassen, und die Bremsen wirken überdurchschnittlich bissfest. IT-Fortschritt gibt es auch zu vermelden: Das System SYNC fungiert als Schnittstelle zwischen Auto und mobilen Geräten wie Handy und iPod, ist sprachgesteuert und alarmiert im Crash-Fall auch noch die Rettung selbstständig, natürlich mit Standortinformation.

Mit dem B-Max wurde zwar das Segment des kleinen Vans nicht neu erfunden, aber um mindestens ein Detail bereichert. Und sowieso sind Schiebetüren, ob mit oder ohne B-Säule, das Ideale, denn die Autos werden immer dicker und den im Allgemeinen hinten sitzenden Kindern ist es unverändert egal, wenn die ­eigene Tür am Nachbar­auto anknallt. Was sie in diesem Fall gar nicht kann.

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