Fiat 500L
 

Du bist Fiat

Der Fiat 500L ist auf dem Markt. Ein Auto, wie ein Symbol für eine ganze Marke.

16.07.2012 User

So, jetzt müssen wir aber auch noch ein paar Worte verlieren zur Situation von Fiat, für die der Fiat 500L ein ausgezeichnetes Beispiel ist. Die Italiener schießen mit diesem Modell eigentlich den erst gerade erneuerten Punto ab. Es gibt, außer stärkeren Motoren, keinen Grund mehr, den Polo-Konkurrenten zu kaufen. Und den Bravo, der ganz theoretisch gegen den Golf antreten sollte und auch nur noch zwanzig Zentimeter länger ist als der 500L, aber innen viel weniger Platz bietet, kann man ja sowieso rauchen. Es ist aber eine Tragödie, dass Fiat, der Kleinwagen-Hersteller par excellence, im B- sowie im C-Segment eigentlich nicht mehr vertreten ist. Die Italiener müssen von der 500er-Familie (zwei Modelle) und dem Panda leben, und das ist alles andere als einfach, denn je kleiner die Autos, desto geringer die Margen.

Kein Wunder also, dass Fiat in Europa derzeit in erster Linie Geld verbrennt. Dass die Rechnung trotzdem positiv ausfällt, das liegt an Chrysler in Nordamerika – und in erster Linie an Fiat in Südamerika. Dort wird auch das Geld verdient, dass es den Italienern ermöglichen soll, in China endlich einen Fuß auf den Boden zu bringen.

 

Fiat 500L

 

Erst kürzlich wurde dort ein Werk in Betrieb genommen, das 300.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren kann. Es werden dies in erster Linie Fiat Viaggio sein, ein Stufenheck-Modell, das es glücklicherweise nie nach Europa schaffen wird. Das Ding basiert auf der Plattform der Alfa Giulietta, wie ja auch der neue Dodge Dart. Es ist davon auszugehen, dass ein Bravo-Nachfolger, der unbedingt dringend sofort kommen muss, auf dem gleichen Fundament stehen wird. Doch Fiat-Chef Marchionne sagt, dass er nur das Geld ausgibt, das er verdient – es könnte also noch etwas dauern.

Als rosig mag man die Zukunft von Fiat nicht bezeichnen. Und doch – gerade der 500L beweist unserer bescheidenen Meinung nach bestens, dass die Italiener auf dem richtigen Weg sind. Es wird nicht so sein, dass dieser Wagen an der Verkaufsfront abgehen wird wie Pressluft, doch mittelfristig ergibt das alles Sinn: Fiat baut sich von unten her ein solides Fundament auf. Denn während quasi alle anderen Hersteller nur noch Premium, jung, dynamisch, erfolgreich, progressiv, sexy sein wollen, arbeiten die Italiener am wahren Leben. Dort gibt es Kinder, Arbeit, Einkaufslisten, Ikea-Möbel, Grill-Abende, Fußball, Schweißfüße – was ja für eine Mehrheit der Menschheit gilt.

Vielen Dank an www.radical-mag.com

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