Fiat 500L 500
Der Fiat 500L ist durchaus gefällig.
 

Wie im richtigen Leben

Der Fiat 500L – zwischen Ratlosigkeit und Tatendrang.

16.07.2012 radical mag

Noch immer löst die Erscheinung des Fiat 500L ein gewisses Kopfschütteln aus. Manch Passant schaut sich das Auto an und geht ratlos von dannen. Es fehlt uns so ein klein wenig Verständnis dafür. Eine klassische Schönheit ist der Italiener auf den ersten Blick tatsächlich nicht, doch Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Und wir kennen das von Fiat außerdem schon.

Alle denken dann gleich an den vergangenen Multipla, also vor allem jenen, der von 1999 bis 2004 gebaut wurde. Der 500L ist auch ein so genanntes MPV. Ein bisschen vergessen geht dabei, dass der originale 600 Multipla, gebaut zwischen 1956 und 1965 und heute ein absolutes Kult-Objekt, in seiner Zeit auch nicht gerade geliebt worden war.

Wir empfinden den 500L als durchaus gelungen, auch optisch. Die Bezeichnung verstehen wir auch nicht. Mit dem aktuellen 500er hat der 500L so ziemlich rein gar nichts zu tun. Er basiert technisch auf dem Punto, und optische Zusammenhänge sehen wir keine. Fiat sagt, dass es darum gehe, die Familie des 500er zu erweitern. Der ist seit fünf Jahren auf dem Markt und braucht Zuwachs. Sagt Fiat. Denn die jungen Kunden hätten unterdessen geheiratet und ganz viele Kinder. Erstaunlich was in nur fünf Jahren alles passieren kann.

 

Fiat 500L 500

 

Doch wir müssen von ganz anderen Dingen schreiben, beim Fiat 500L: den inneren Werten. Er ist 4,15 Meter lang, 1,78 Meter breit und 1,67 Meter hoch. Dabei bietet er ein Kofferraumvolumen von mindestens 343 Liter, wenn die hintere Bank ganz nach hinten geschoben wird, und maximal 1310, wenn die Rücksitzbank nach vorne geklappt wird (was übrigens spielend funktioniert – den Mechanismus hat man sich beim Chrysler Voyager abgeschaut).

Er besteht den Ikea-Test, sprich: es lassen sich auch 2,4 Meter lange Objekte transportieren (wenn der Beifahrersitz auch noch abgeklappt wird). Der Kofferraum lässt sich zudem mit einem ebenfalls ganz simplen System bestens unterteilen. Es gibt dazu noch 22 weitere Ablagemöglichkeiten – und eine Kaffeemaschine, die Lavazza extra für den 500L entwickelt hat.

Die Sitzposition ist hoch. So hoch, dass man einen ähnlich guten Überblick hat wie in einem SUV, aber doch nicht so hoch, dass man ins Auto klettern muss.

Die Sitze sind anständig – und was man vor sich sieht, das ist nicht eine simple Fortsetzung des übercoolen Innenlebens des 500ers, sondern: verspielter. Und deshalb nicht mehr ganz so cool. Doch Fiat wollte einen 5-Zoll-Touchscreen integrieren, und solche Dinger sind halt einfach dominant. Es sieht nicht schlecht aus, doch mehr nach Plastik als im 500er. Die Ergonomie ist (auch dank Touchscreen) mehr als nur anständig.

 

Fiat 500L 500

 

Großartig ist die Übersicht, die A-Säule ist zweigeteilt und lässt auch freien Blick schräg nach vorne zu, auch sonst ist die Verglasung außerordentlich großzügig, vor allem, wenn man auch noch das riesige Panorama-Dach bestellt.

Fahren tut sich der 500L ebenfalls ganz anständig. Gut, die Ansprüche sind nicht sehr hoch, der Italiener ist kein Rennwagen und auch keine Luxus-Kutsche. Das Fahrwerk ist nett, auch auf schlechten Straßen nicht unkomfortabel, die Lenkung präzise. Was uns ausgesprochen gut gefallen hat: es herrscht eine wirklich erfreuliche Ruhe im 500L. Keine Windgeräusche, auch vom Motorenlärm fühlt man sich entkoppelt. Der hohe Aufbau macht sich ebenfalls nicht negativ bemerkbar, auch in schneller gefahrenen Kurven spürt man kaum Seitenneigung.

Nicht so sehr begeistert sind wir allerdings von den verfügbaren Motorsierungen. Es gibt selbstverständlich wieder dieses Twinair-Aggregat mit 0,9 Liter Hubraum und zwei Zylinderchen, das leistet hier aber nicht mehr 85, sondern 105 PS. Im aber mindestens 1,3 Tonnen schweren 500L kommt dies Ding nun aber endgültig an seine Grenzen. Es braucht einfach hohe Touren, um anständig in Fahrt zu kommen. Obwohl das maximale Drehmoment von 145 Nm eigentlich schon bei 2000/min anliegt. Das wird sich im Verbrauch niederschlagen. Die 4,8 Liter, die Fiat für den Twinair im 500L angibt, sind ein Phantasiegebilde.

 

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Gefahren sind wir auch noch den 1,2-Liter-Multijet-Diesel mit 85 PS und einem maximalen Drehmoment von 200 Nm bei 1500/min. Er will nur gerade 4,2 Liter verbrauchen auf 100 Kilometern – und trotzdem würden wir dringend empfehlen, auf den 1,6-Liter-Diesel mit 105 PS zu warten, der allerdings dann erst Anfang 2013 auf den Markt kommt.

Ab Oktober wird der Fiat 500L in Österreich ausgeliefert. Der 1,4 Liter Benziner mit 95 PS beginnt bei 16.400 Euro. Alle anderen Preis konnten noch nicht durchkalkuliert werden.

Vielen Dank an die Kollegne von www.radical-mag.com – Und hier geht es zu unserem Blog über die Meinung zur Fiat-Zukunft.

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