Fiat 500L Front
Wachstum hat etwas mit unseren ebenfalls wachsenden Ansprüchen zu tun.
 

Quellverhalten

Größe drückt Fortschritt aus. Aber ­Zoom-Faktor 141 Prozent löst nicht alle Probleme. Im Gegenteil.

08.04.2012 Autorevue Magazin

Alles will wachsen. Die Kinder. Das Gras. Die Wirtschaft. ­Sogar der Kofferinhalt, der am Ende des Urlaubs nicht mehr in das Gepäckstück hineinpassen will, in dem er angereist ist. Bei Autos ist das Größerwerden auch nichts Neues. Es hat mit unseren wachsenden Ansprüchen und der persönlichen Weiterentwicklung zu tun, auf die unser Leben von einem Tag zum nächsten ja abzielt.

Wir sind selbst schuld. Und haben uns beinahe schon ­damit abgefunden, dass ein Automodell von Mal zu Mal wächst, wenn sein Hersteller es ­angreift und verändert. Um beim Urmeter Maß zu nehmen: Der Einser-Golf war in seiner Basisversion 370 Zentimeter lang, 161 breit und 139 hoch. Heute, fünf Modellgenerationen später, ist der Golf einen halben Meter länger, knapp 18 Zentimeter breiter und – als Golf Plus – 20 Zentimeter ­höher geworden. Selbst ein Polo ist heute schon 27 Zentimeter länger, als es der Golf am Anfang seiner Tage war.

Der Fiat 500 ist sogar gleich auf einen Schlag drei Nummern größer geworden. Zwischen dem Kleinen von früher und der heutigen Lifestyle-Box liegen längenmäßig 57 Zentimeter. Nebeneinander wirken die beiden kleinen Italiener eigentlich artfremd, aber so sieht sie ja heute kaum mehr ­jemand, die zeitliche Lücke ist dafür zu groß.

Jetzt hat Fiat aber gleich noch einen Wachstumsschub g­ezündet. Hier bitte: Fiat 500L, eine Large-Version des Cinquecento, die eigentlich ein MPV, ein Multi Purpose Vehicle,ist, also ein Van eigentlich. 414 Zentimeter ist der L lang, also knapp 60 Zentimeter länger als der normale Cinque­cento. Und breiter (+ 15 cm) und höher (+ 17 cm) natürlich auch. Fünf Koffer sollen in den Kofferraum passen.

Man erschrickt, wenn man dem Fiat 500L begegnet. Ein Zwerg mit Riesenwuchs. Eine groteske Erscheinung. Verquollen wie Hefeteig, der auf der Ofenbank vergessen wurde. Die Form verrutscht, die Proportionen aus dem Ruder gelaufen. Gegen die Größe ist im Grunde nichts einzuwenden. Wir streben ja nach Größerem. Aber warum muss es sich aus dem Kleinen verzerren? Zoom-Faktor 141 Prozent? Der kleine Erfolg vergrößert = Erfolg im Großen? Hoffentlich geht die Rechnung nicht grundsätzlich auf. Es würde dann nicht nur der ohnehin schon knappe Platz auf den Straßen immer beklemmender werden. Die aufgeblähten Zwergfiguren würden aus dem Leben einen Albtraum machen.

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