Saab PhoeniX stat vorne
Mit forschem Blick ins zweite Jahr der Unabhängigkeit
 

Feuervogel in der Eiswelt

Die Manifestation des Unabhängigkeitsgedankens.

05.03.2011 Online Redaktion

Saab hat was zu feiern. Ein Jahr Unabhängigkeit. Dabei gehen die Schweden dieses Jubiläum mit geradezu US-amerikanischer Ernsthaftigkeit an: Ein Sondermodell des 9-3 Cabrio wurde aufgelegt, 366 Stück werden gebaut, eins für jeden unabhängig überlebten Tag und noch eins dazu. 2012 werden’s zwei zusätzliche sein „…und so weiter, bis in alle Ewigkeit“, so verkündete es Chairman Victor Muller auf der Pressekonferenz. Aha. Bei so vollmundigen Ansagen erscheint es sinnvoller, auf das zu fokussieren, was vor uns steht – und nicht minder interessant ist: PhoeniX.

Saab PhoeniX stat vorne

PhoeniX ist neben einem galanten Wortspiel vor allem eine galante Studie, der alle Aufgaben aufgebürdet wurden, die für ein Concept-Car in einem solch konzentrierten Unternehmen aufgetrieben werden können. Aber der Reihe nach.

Zuvorderst soll der PhoeniX Aufmerksamkeit erregen und den Leuten zeigen, was Saab drauf hat, wenn nicht mehr mit dem GM-Strohhalm in den Eiswürfeln gestochert wird. Diese Aufgabe kann als erfolgreich absolviert gelten, nachdem das Sportcoupé Inhalt einer Sonntagsstory auf www.autorevue.at ist… (Aber auch der Andrang auf die Saab-Pressekonferenz war beachtlich)

Die zweite Aufgabe des PhoeniX ist die Präsentation der neuen Design-Linie. Jason Castriota ist der Mann hinter dem Trollhättaner Zeichenbrett, aus wessen Feder die Bezeichnung des „aeromotionalen Designs“ stammt, ist nicht überliefert. Tatsache ist, dass Saab hier gehörig auf die Pauke haut und in einer gelungenen Symbiose tradionelle Zitate mit kompromisslosem Futurismus kombiniert. Und wir sind zuversichtlich, dass sich viele Elemente in der nächsten Generation der Mittelklasselimousine 9-3 wiederfinden werden, die schon jetzt als eine der spannendsten Novitäten des kommenden Jahres verbucht ist.

Wir sehen eine geduckte Frontpartie mit dem Saab-Grill als dominierendes Element. Die Linien, die dort entspringen und der Kühlerhaube die Konturen geben, scheinen Mühe zu haben, die Kraft, die im Motorraum lauert, im Zaum zu halten. Geschmeidig zieht sich die Außenhaut um den Innenraum, ehe eine Abrisskante das Ende der 4,4 Meter markiert. Manche mögen sich von den dortigen Lichtspielen an Knight Rider erinnert fühlen, Saab verweist in die eigene Historie, auf das Sonett Coupé. Die markanten Winglets werden es eher nicht in die schwedische Mittelklasselimousine schaffen.

Saab PhoeniX stat hinten

Die dritte Aufgabe der PhoeniX-Studie besteht darin, den technologischen Stand der Dinge aufzuzeigen. Da wäre zunächst das Antriebskonzept. eXWD steht für einen Hybridantrieb, bei dem der Elektromotor an der Hinterachse sitzt und für allzeitigen Grip sorgt, während sich ein 1,6-Liter-Turbobenziner mit 200 PS an der Vorderachse zu schaffen macht. In Summe ist das Ensemble für 5,0 Liter Durchschnittsverbrauch ebenso gut wie für 5,9 Sekunden von Null auf Hundert. Der Cw-Wert der Karosserie liegt bei 0,25, was von den derzeit erhältlichen Fahrzeugen nur das Mercedes E Coupé unterbieten kann (Cw 0,24).

Saab PhoeniX stat detail

Ein weiteres technologisches Highlight ist IQon, ein Telematik-System, das auf dem Google-Betriebssystem Android basiert. Tatsächlich ist es möglich, IQon ähnlich individuell einzurichten, wie ein modernes Smartphone, über ein integriertes Modem ist das System jederzeit mit dem Internet verbunden. Besonders schmackhaft ist das Programmieren von Apps – Saab stellt den Entwicklern über das API insgesamt 500 Signale von Fahrzeugsensoren zur Verfügung (vom Lenkeinschlag bis zum Sonnenstand), da wird noch einiges auf uns zukommen (Doodle Jump in realitas?), wobei Saab zur Sicherheit die Oberhand über die Zulassung neuer Applikationen behält. Die Betaversion von IQon ist derzeit in Testflotten im Einsatz. Auch wenn andere Premiumhersteller die Vernetzung von Auto, Smartphone und Internet ebenson vorantreiben, bleibt IQon in seinem Umfang und seiner Reichweite in die Eingeweide des Autos ein markanter Schritt in eine spannende Zukunft.

Und wer mit Apps und Android nichts anfangen kann, der löscht alle Applikationen, lässt den Facebook-Client unkonfiguriert und das Handy zuhause liegen. Der Saab wird trotzdem fahren.

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