Reise Ferrari California
Sowohl in England wie in der Schweiz und genaugenommen auch in Frankreich und Italien bleibt man auf der sicheren Seite, wenn man zur Mittagszeit die Filialen von internationalen Schnellimbissketten besucht.
 

„Überhaupt will jetzt ich fahren“

Die empfindsame Überstellung eines Ferrari California von Portsmouth nach Maranello, aber nicht auf dem direkten Weg, denn der wurde manchmal verfehlt.

20.02.2012 Autorevue Magazin

Portsmouth

Fahrer: Wo sind wir?
Beifahrer: Wir sind auf der Alfred Road und müssen zur A3.
Fahrer: Auf dem Schild steht, es geht zur M275. Ist das dasselbe?
Beifahrer: Dasselbe wie was?
Fahrer:
Beifahrer: Bei die A steht oft auch M. Was ist denn die Autobahn bei die Engländer?
Fahrer: Rechts oder links? RECHTS ODER LINKS?
Beifahrer: Immer links fahren, wir sind in England. Ach so. Rechts wär’s gewesen.
Fahrer: Cool. Um 12 müssen wir beim Eurotunnel sein, im Kofferraum sind die Tickets, wir sind noch nicht einmal aus Portsmouth draußen und schon verirrt.
Beifahrer: Wärst halt rechts gefahren.
Fahrer: Ich weiß noch nicht einmal, wie das Auto geht!
Beifahrer: Fahrst eh immer nur 50. Die Leute schau’n schon.
Fahrer: Die schauen wegen deiner Lesebrille.
Beifahrer: Vielleicht schaltest einmal in die Vierte hinauf.
Fahrer: Ich bin schon in der Fünften. Und es ist sowieso der Automatikmodus drin.
Beifahrer: Das P da auf dem Knopf, den du vorhin gedrückt hast, steht das für Pensionist?
Fahrer: Für Power.
Beifahrer: Da muss ich doch glatt in der Gebrauchsanweisung …
Fahrer: Hooksway steht da am Schild!
Beifahrer: Midhurst wär’ besser.
Fahrer: Sind wir in der Zeit?
Beifahrer: In der Zeit schon, aber auf dem Weg nicht.
Fahrer: Die südenglische Landschaft ist von besonderem Reiz, gerade im Licht des frühen Morgens. Ich denke da zuvorderst an die eindrucksvollen Schilderungen in Northanger Abbey von Jane …
Beifahrer: Musik?
Fahrer: Nein. Jane Austen.
Beifahrer: Wer?
Fahrer: Pulborough oder Billingshurst?
Beifahrer:
Fahrer: Pul … … okay, nach Puldings.
Beifahrer: Billingshurst wär’s gewesen.

Reise Ferrari California

Zwei Stunden später

Fahrer: Da vorne ist der Tunnel. Ich muss da den Code eintippen. Das Ticket, schnell!
Beifahrer: Das ist im Koffer.
Fahrer: Waaas?
Beifahrer (weinerlich): Bevor ich unter den lähmenden Einfluss deines sogenannten Geistes geraten …
Fahrer: Eine Kontrolle. Jetzt ist alles aus.
Beifahrer: Sicher wieder der Motorraum.

Beamter: Please open the hood!
Fahrer: Wo? Wie?
Beamter: Which company?
Fahrer: Ferrari.
Beamter: I have seen a Ferrari before. I mean: which company does this car belong to?
Fahrer: Even fall’s Ferrari.
Beamter:
Fahrer: Mmmpf!
Beamter: Okay, go ahead.
Beifahrer: Man muss nur blöder sein als die Zöllner, dann geben sie sofort auf. Mit dir kommt man sogar nach Nordkorea hinein.

Reise Ferrari California

Eine Stunde später, in Frankreich

Beifahrer: Ich wusste gar nicht, dass man den Ferrari auch unter acht Liter fahren kann.
Fahrer: Am sparsamsten fährt man, wenn man im zweiten Gang wegfährt, kurz Gas gibt, dann gleich in die Fünfte schaltet und dort bleibt. Wichtig ist vor allem, stets untertourig unterwegs zu sein. Man kann zur Erhöhung der Effizienz auch …
Beifahrer: Laut ist es hier. Wie schnell sind wir denn? Ah, 130. Packen die Reifen das?
Fahrer: In der Autorevue schreiben sie, dass man sich im offenen Auto noch bei 200 normal unterhalten kann.
Beifahrer: Vielleicht ist es offen leiser. Überhaupt will jetzt ich fahren.
Fahrer: Kein Problem. Es geht jetzt eh nur mehr geradeaus bis fast zur Schweiz. Da kann man nicht viel falsch machen.

Zwei Stunden später

Fahrer (jetzt Beifahrer): So wie du fahrst, kann man überhaupt nicht schlafen daneben. Irgendwelche Vorkommnisse? Wo steht die Benzinuhr? Wahrscheinlich wieder auf fünf vor zwölf.
Beifahrer (jetzt Fahrer): 251 bin ich gefahren. 251, notier das! Während du geschlafen hast. Der Motor gehört ja einmal durchgeputzt. Nachdem du gefahren bist, war alles verstopft. Im Auspuff war ein Vogelnest. Jetzt ist er wieder laufruhig und durchzugsstark.
Fahrer: Für 251 gibt’s in Frankreich Gefängnis, mindestens sechs Wochen. Dann ist Schluss mit lecker Kaviar und perlendem Champagner aus zarten Glasflöten, wie du es gewöhnt bist.
Beifahrer: Ich brauch eh einmal eine Abwechslung. Gerade die einfache Landküche in der Champagne ist ja gleichermaßen nahrhaft wie bekömmlich. Da gibt’s zum Beispiel diese helle Schweinswurst, wie heißt die noch schnell, äh, Putin …
Fahrer: Putin heißt die Truthahnwurst.
Beifahrer: Und Vladimir Putin ist demzufolge Russisch für Truthahndiebstahl.
Fahrer: Da vorn ist ein Radar. Gib lieber Gas, dass wir schnell vorbei sind.
Beifahrer: Ich weiß gar nicht, ob ich ohne diesen Ferrari hier wäre. Ich mein, nur wegen dir …

Reise Ferrari California

In der Schweiz, Nähe Entlebuch

Fahrer (jetzt wieder Fahrer): Pfoah, die Schweiz is schiach!
Beifahrer: Und Zigaretten darf man auch keine aus dem Auto schmeißen.
Fahrer: Dabei wär das echt schon wurscht, so schiach, wie es da ist. Könnt’ nur schöner werden.
Beifahrer: Dafür darf man überall rauchen.
Fahrer: Und den Tschick schluckt man als Nachspeise.
Beifahrer: Ja, nach einem Schweizer Käsefondue zum Beispiel, oder einer traditionellen Raclette-Mahlzeit ist das sicher ein positiver Abschluss. Man könnte ihn auch statt dem Fondue und den ­Raclettes essen. Spart man sich den Kirschschnaps.

Reise Ferrari California

Später, noch immer in der Schweiz

Fahrer: Die Schweiz ist das Land, wo es keine Tankstellen gibt.
Beifahrer: Und Autobahnraststätten gibt es auch keine.
Fahrer: Die glauben, weil das Land so klein ist, kommt man mit einer Tankfüllung durch.
Beifahrer: Und wenn einer, sagen wir, in der Schweiz wohnt?
Fahrer: Fährt er halt in die billige EU tanken. So wie wir jetzt.

Beifahrer: Schau, uns überholt ein Zug!
Fahrer: Der fährt 250.
Beifahrer: 200 mehr als wir?
Fahrer: Bevor die Strada del Sole in den Sechzigern eröffnet wurde, hat man von Mailand nach Neapel zwei Tage gebraucht.
Beifahrer: Wo ist denn die Strada del Sole?
Fahrer: Wir fahren drauf.
Beifahrer: Die Autobahn? Wir würden jedenfalls drei Tage nach Neapel brauchen.
Fahrer: Genieß einfach die Landschaft!
Beifahrer: Da gibt’s nur Lagerhallen. Man sieht keine Landschaft. Arduino Trasporti spa … Cecconi Trasporti spa … Rinaldi Trasporti spa … überall fehlt das n. Hast du eine Ahnung, warum in Italien alle Gastwirten Albergo mit Vornamen heißen?
Fahrer: Du hast dich sicher verlesen. Die heißen alle Alberto.
Beifahrer: So wie Romana und Alberto Bauer?
Fahrer: Albano und Romina Power!
Beifahrer: Von denen „Con senzo illusione“ ist?
Fahrer: Das ist von Albergo Carrisi.
Beifahrer: Maranello!
Fahrer: Carrisi!
Beifahrer: Maranello! Wir sind da!
Fahrer: Heilige Muttergottes von Altötting! Ein Glück, dass wir keinen Dacia überstellt haben. n

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