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Ferrari 365 GTC/4: Preisexplosion bei Schattengewächs

Eigentlich zählt der GTC bei Ferrari zu den Schattengewächsen, bis dann im vergangenen Jahr der Auktionshammer bei einer erstaunlichen Summe fiel.

11.02.2016 radical mag

Aus aktuellem Anlass: Ferrari hat gerade die ersten Bilder des «neuen» GTC4Lusso gezeigt. Nach 43 Jahren wird also die Bezeichnung GTC wieder aus dem Keller geholt – und man muss nicht verstehen, warum das so ist. Denn der GTC4Lusso ist einfach ein FFF, also ein facelifted FF, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und eigentlich sind die GTC bei Ferrari immer so ein bisschen Schattengewächse gewesen…

Es ist die Geschichte zweier Brüder

Da ist einerseits der 365 GTB/4, besser bekannt als Daytona. Und andererseits der 365 GTC/4, auf den wir hier, eben aus aktuellem Grund, zurückblicken wollen. Der Daytona ist berühmt und begehrt, sein Brüderlichen nicht so sehr; der Unterschied zwischen «fame» und «shame» besteht also aus einem einzigen Buchstaben. Vom GTB/4 wurden zwischen 1968 und 1974 (wahrscheinlich) 1.280 Stück gebaut, vom GTC/4 zwischen 1971 und 1973 nur 505 Exemplare (oder waren es 500? Oder waren es 570? Die Produktionsnummern laufen von 14179 bis 16289). Schon in den 70er Jahren wurde der GTC als der «vergessene Ferrari» bezeichnet. Er hieß außerdem noch «il gobbone», der Bucklige, was er der Form seiner Fahrgastzelle zu verdanken hatte, oder auch: die Banane.

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© Bild: RM Sotheby's

Keine Synergien

Dabei sieht er doch gar nicht so schlecht aus, das Design stammte wie beim Daytona von Pininfarina, verantwortlicher Designer war Filippo Sapino. Einzige optische Schwäche, vielleicht: die Front mit dem breiten Kühlergrill, der von einer umlaufenden, schwarzen Gummistoßstange eingefasst wurde. Doch dies war den amerikanischen Sicherheitsbestimmungen geschuldet. Und ja, vielleicht ist der GTC/4 tatsächlich ein wenig weniger aufregend geformt als der GTB/4, weniger aggressiv. Es ist übrigens kein einziges Karosserieteil gleich bei den beiden Brüdern, Synergien waren damals anscheinend noch ein Fremdwort.

Wunderbare lange Fronthaube

Dafür hat der GTC/4 diese wunderbare lange Fronthaube. Dafür gab es sogar einen technischen Grund: beide Fahrzeuge verfügten über den gleichen 4,4-Liter-V12, diese wunderbare Colombo-Maschine, die ihre Karriere als 1,5-Liter begonnen hatte, doch beim GTC/4 wurden die sechs Weber-Doppel-Fallstromvergaser (Typ 38DCOE59/60) seitlich angebracht, damit der Vorderwagen flacher ausgelegt werden konnte. Noch ein technischer Unterschied: während der Daytona das Getriebe hinten hat, also: Transaxle, wurde der 5-Gänger beim GTC direkt an den Motor angeflanscht.

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© Bild: RM Sotheby's

Nahezu perfekte Gewichtsverteilung

Man könnte nun sagen, diese Konstruktion sei weniger aufwendig, weniger sportlich, doch der GTC/4 verfügte über eine nahezu perfekte Gewichtsverteilung von 51 (vorne) zu 49, dies auch deshalb, weil der Radstand gegenüber dem GTB/4 um 10 Zentimeter gestreckt wurde (damit die hinteren Passagiere dieses 2+2 wenigstens einen Hauch von Knieraum verspürten; richtig tauglich waren diese Notsitze aber nicht, dafür konnte man sie herunterklappen, damit wuchs der Kofferraum dann auf beachtliche Größe.

Weitere Unterschiede zum Daytona

Kenner sagen auch, der GTC sei einfacher zu fahren, weniger hecklastig. Die Leistung war bei beiden Modellen gleich, offiziell 352 PS, inoffiziell eher 340, für den amerikanischen Markt dann 320. Warum die offiziellen Fahrleistungen – Höchstgeschwindigkeit 260 km/h, 0 auf 100 km/h in 6,7 Sekunden – deutlich weniger souverän ausfielen als beim 365 GTB/4, das kann nur Ferrari beantworten. Es heißt auch, dass der Bucklige jene Motoren bekommen haben soll, die zu wenig «scharf» waren für das Vorzeigemodell. Auch innen war der 365 GTC/4 etwas anders gestaltet als der Daytona. Die offene Schaltkulisse entfiel, der Schalthebel befand sich in einem nicht sonderlich hübschen Ledersack. Es gab auch gegen Aufpreis kein Nardi-Holzlenkrad (im Daytona schon), Leder kostete Aufpreis, dafür waren die Klimaanlage und die Servolenkung serienmäßig.

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© Bild: RM Sotheby's

Da wurde wild gebastelt

Im Gegensatz zum 365 GTB/4 gab es den 365 GTC/4 nur als Coupé; ein Spyder entstand nachträglich (Chassisnummer 14963). Dann gab es noch einen Umbau von Felber, Chassisnummer 16017. Dieser Wagen wurde zuerst als Beach-Car entwickelt, 1976 auf dem Genfer Salon auch so gezeigt, ohne Dach und ohne Türen. Dann wurde daraus ein Shooting Brake gebastelt, der 1977 in Genf vorgestellt wurde, anscheinend ein Entwurf von Giovanni Michelotti. Nach dem Salon wurde wieder die Beach-Car-Karosse verwendet, der Wagen ist heute im Besitz eines Schweizer Sammlers.

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© Bild: RM Sotheby's

Heftiger Preisanstieg

Während für Daytona auch schon über 1 Millionen Dollar bezahlt wurden, dümpelte der GTC/4 bis 2014 um die 200.000 Dollar. Im vergangenen Jahr kam aber ein wunderschönes Exemplare des Buckligen (Chassisnummer 15197) auf satte 495.000 Dollar, ein heftiger Preisanstieg also; eine andere Banane schaffte dafür Anfang des Jahres das untere Estimate von 300.000 Dollar nicht. Auf Höhe seines Bruders wird er es aber sowieso nie schaffen. Das rote Exemplare, Chassisnummer #15211, wird am 12. März von RM Sotheby’s auf Amelia Island versteigert (genau dieser Wagen war vor fünf Jahren für 170.500 Dollar verkauft worden, einfach so als Anhaltspunkt).

1972 Ferrari 365 GTC/4 Chassis no. 15197
© Bild: RM Sotheby's / 1972 Ferrari 365 GTC/4 - Chassisnummer: 15197

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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