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Ferrari 365 GT4 BB: Den muss man erst mal beherrschen

So einen Ferrari 365 GT4 BB muss der Fahrer erst mal beherrschen und seine geringe Stückzahl schlägt sich natürlich im Preis nieder.

23.05.2016 radical mag

Auch Enzo Ferrari machte Fehler. Und wenn er sie machte, dann machte er sie richtig – und saß sie auch aus. Dass Lamborghini 1966 mit dem Miura einen großen Wurf gelandet hatte, das sah auch der «Commendatore» auf den ersten Blick. Und trotzdem schickte er ab 1968 vorerst einmal den 365 GTB/4, besser bekannt als «Daytona», ins Rennen um die Käufergunst. Und auch wenn der Daytona ja ein schöner Frontmotor-Ferrari war – der Miura gab ihm mächtig die Hörner. In so ziemlich jeder Beziehung, auf der Straße, beim Design. Doch Enzo war halt der Ansicht, dass Mittelmotor-Fahrzeuge für seine Kundschaft zu schwierig zu fahren seien, dass man ihnen nur Frontmotor und Heckantrieb zumuten könne, zumindest, wenn es um die einzige, die wahre Form des Motorenbaus geht. Gut, es gab ab 1968 die Dino mit Mittelmotor, aber das waren eben «nur» Dino, also: keine Zwölfzylinder.

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© Bild: RM Sotheby's

Erstaunlich wenig Stückzahlen vom Ferrari 365 GT4 BB

Es ist aber auch klar, dass ein Mittelmotor-V12 Ende der 60er Jahre längst auf dem Prüfstand war. Im Rennbetrieb hatte Enzo Ferrari ja beste Erfahrungen gemacht mit diesen Konstruktionen. Und seine Ingenieure beknieten ihn schon lange, dieses Konzept auch für die Straßenfahrzeuge anwenden zu dürfen. Aber erst 1971 wurde der Ferrari 365 GT4 BB in Turin erstmals gezeigt; ab 1973 konnte man ihn dann auch kaufen. In erstaunlich geringen Stückzahlen, von der ersten Serie wurden bis 1976 gerade einmal 387 Stück gebaut. Was aber auch wieder an Lamborghini lag: im Vergleich zum 1974 vorgestellten Countach sah der von Leonardo Fioravanti für Pininfarina gezeichnete und bei Scaglietti gebaute BB aus wie seine eigene Großmutter. Und fuhr sich auch so, wie es Enzo Ferrari vorausgesagt hatte: schwierig. So schwierig, dass Ferrari seinen ersten Mittelmotor-Sportwagen offiziell nicht einmal nach Amerika exportierte.

Die Bezeichnung 365 GT4 BB ist auch etwas schwierig

Die 365 ist noch einigermaßen klar, der Motor hatte die gleichen Dimensionen wie die V12-Maschine im «Daytona», also 4,4 Liter Hubraum. Auch die Leistungsdaten waren ziemlich ähnlich, angegeben wurden 344 PS bei 7.200/min (andernorts auch: 380 PS) und ein maximales Drehmoment von 409 Nm bei 3.900/min. Das reichte für satte 302 km/h Spitze und den Paradesprint auf 100 km/h in 5,4 Sekunden; 1.235 Kilo wurden als Leergewicht angegeben (in anderen Quellen: 1.120 Kilo, oder auch 1.160). Doch sowohl das GT4 wie auch das BB sind ziemlich irreführend; das Fahrzeug war ein reiner Zweiplätzer und weit entfernt von Gran Turismo. Und BB, was ja für Berlinetta Boxer steht, ist schlicht und einfach falsch. Zumindest, was den Boxer betrifft.

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© Bild: RM Sotheby's

Da wollen wir doch mal noch ein bisschen ins Detail gehen

Es gibt die echten und die «falschen» Boxer, und der 365 GT4 BB gehört definitiv zu letzteren. Bei einem echten Boxermotor sind die Pleuel auf einem um 180° versetzten Hubzapfen der Kurbelwelle montiert. Somit sind die Kolben eines Paares immer in der jeweilig gleichen Position, zum Beispiel am oberen Totpunkt. Bei einem 180-Grad-V-Motor, einem falschen Boxer, teilen sich die beiden Kolben einen Hubzapfen auf der Kurbelwelle. Das bedeutet, dass, wenn ein Kolben am oberen Totpunkt angekommen ist, der andere gerade den unteren Totpunkt erreicht. Falsche Boxer werden nicht mehr produziert, zu den bekanntesten Vertretern dieser Motorengattung gehören die Triebwerke von Tatra (nur Vierzylinder) oder, eben, der Berlinetta Boxer von Ferrari.

Den muss man erst mal beherrschen

Für diese Bauweise (und den Längseinbau) sprach im BB in erster Linie die geringere Baulänge. Gespeist wurde der 4,4 Liter von vier Weber-Dreifachvergasern (40 IF3C), was ihm einen ordentlichen Durst bescherte; wohl deshalb wurde auch ein 120-Liter-Tank verbaut. Neu waren auch die Zahnriemen – was den BB nicht unbedingt zuverlässiger machte. Aber unter den wahren Fans gilt er heute noch als das wahre Tier: wer den 365 GT4 BB beherrscht, darf sich zu den Könnern zählen.

Ferrari-365-GT4-BB (1)
© Bild: RM Sotheby's

Der Preis steigt

Nachdem diese Mittelmotor-Ferrari lange von den extremen Preisanstiegen bei klassischen Ferrari ausgenommen blieben, haben sie in letzter Zeit massiv Fahrt aufgenommen; es gibt wohl kaum mehr einen anständigen 365 GT4 für weniger als eine halbe Million. Und die Tendenz zeigt stark nach oben. Das hier gezeigte Exemplar – ein 1974 Ferrari 365 GT4 BB by Scaglietti – wurde übrigens 2015 von RM Sotheby’s um über 430.000 Euro verkauft.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

  • jens spedertz

    Der Miura… was is der ab 250 vorne immer weich geworden. gel.
    Und meinen 365er, hättest gerne..no :)
    Und wenn er 10 Millarden wert wäre, never.
    Wenn die ganzen Vollkaschperl brav bei der Arbeit hocken, die Kiberer ihren
    Schichtwechsel planen, die polnischen Lkw-fahre jausnen, die Pista dry ist..
    PORNOGRAPHIE… entgültig.. geil

    Auch um 20 Millarden Euro nicht.. leider _ :)

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