Sergio Marchionne fca
Der Weg ist das Ziel.
 

Was wird aus Fiat, Chrysler, Alfa Romeo,…?

Im vergangenen Jahr wurde Fiat Chrysler Automobiles gegründet, wie geht es weiter mit den einzelnen Marken des Unternehmens?

17.03.2015 Press Inform

Es war eines der großen Ereignisse im vergangen Autojahr. Die italienische Traditionsmarke Fiat gründet einen neuen Konzern. Unter dem Namen FCA (Fiat Chrysler Automobiles) werden seither die amerikanischen Marken Jeep, Dodge, Ram Truck, SRT und Chrysler, sowie auf italienischer Seite die Marken Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Maserati, Ferrari und Abarth vereint. Rechtlicher Sitz des Unternehmens ist in Amsterdam, die operative Hauptzentrale wurde in London aufgeschlagen. Das charismatische geschäftsführende Vorstandsmitglied (CEO) ist Sergio Marchionne.

Die Pläne von Sergio Marchionne

Dank der Chrysler-Verkäufe in den USA sind die chronisch klammen Kassen des italienischen Autobauers langsam wieder etwas besser gefühlt. Doch Firmenchef Sergio Marchionne ist mit seinen Umbauplänen offenbar noch lange nicht am Ende. Unlängst enthüllte der passionierte Pullover-Träger, dass er durchaus offen für Kooperationen mit Marken wie Ford oder GM sei. Nicht ganz so begeistert ist er von der Idee, sich mit Peugeot oder Volkswagen die wirtschaftliche Bettdecke zu teilen. Gerade auf Volkswagen ist Marchionne nicht gut zu sprechen, macht doch Konzern-Patriarch Ferdinand Piech seit vielen Jahren keinen Hehl daraus, dass er sich Alfa Romeo einverleiben will.

Fiat 500X / Vienna Autoshow 2015
© Bild: Fiat 500X / Vienna Autoshow 2015

Was wird aus Alfa Romeo?

Diesem Ansinnen hat Sergio Marchionne mehr als einmal eine kraftvolle Absage erteilt. Also dümpelt der ehemals stolze Sportwagen-Hersteller nur noch als Schatten seiner selbst vor sich hin, lebt von seiner emotionalen Historie und seinen unerschütterlichen Anhängern. Neue Modelle, die aus diesem Kapital wirtschaftlichem Nutzen ziehen wollen, blieben bisher aus. Nach dem sportlichen Alfa Romeo 4C warteten die Fans vergeblich ein weiteres neues Auto, das dieses Lebenszeichen verstärkt. Immer wieder haben die Italiener neue Pläne aus der Schublade gezaubert, die nach ein paar Monaten durch neue ersetzt wurden. Der letzte sieht eine Reanimation mit fünf Milliarden Dollar und acht neue Modelle bis 2018 vor. Darunter auch ein SUV und ein 159er-Nachfolger, der nunmehr im Sommer vorgestellt werden soll. Woher das Geld für die Modell-Finanzspritze und den Blumenstrauß neuer Modelle kommen soll, bleibt weiter unklar.

Lancia stirbt einen langsamen Tod

Das Motto der jüngsten Strategie lautet offenbar „zurück zu den Wurzeln“, so sollen nach dem Willen Marchionnes alle Alfa-Romeo-Modelle aus Italien kommen. Das bedeutet auch das Alfa-Aus für den kleinen Spider, der auf der Architektur des Mazda MX-5 basieren sollte. Jetzt soll dem Vernehmen nach ein Fiat Abarth Cabrio von der modernen Technik des Japaners profitieren. Ob das der richtige Weg ist, darf zumindest bezweifelt werden. So trübe es auch um Alfa Romeo aussieht, ist das immer noch besser, als das, was Lancia widerfährt. Die Traditionsmarke zieht sich sukzessive aus Europa zurück, was einem schmerzhaften Tod auf Raten gleichkommt. Ab 2016 sollen die Lancia-Modelle nur noch in Italien verkauft werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis gar keine Lancias mehr zu bekommen sind. Das deutete sich seit Jahren an, als Fiat damit begann, Chrysler-Modelle aufzupeppen und diese als Lancias zu vermarkten. Automobile Legenden wie Aurelia, Delta und Fulvia – alles fast vergessen.

lancia stratos
© Bild: Werk / Lancia Stratos

Das Problem von Fiat

Trotz dieser schlechten Nachrichten läuft es nicht zuletzt durch die umsatzstarken USA ordentlich für den Fiat Chrysler Automobiles; deutlich düsterer sieht es für die Kernmarke Fiat aus. Hier dreht sich gerade in Europa nach wie vor alles um die beiden Kleinwagen Fiat 500 und Panda. Gerade der 500er ist mittlerweile mächtig in Jahre gekommen und erst Ende des Jahres soll eine Auffrischung folgen. Doch während die Konkurrenz aus Europa, Asien und selbst den USA mit neuen Modellen, Innovationen und frischen Spartenderivaten trommelt, gab es bei Fiat seit der Weltpremiere 500 im Jahre 2007 nur billige, lebenserhaltende Maßnahmen. So ist es kaum eine Überraschung, dass es nach der Frankfurter IAA keinen längst überfälligen neuen Fiat 500 geben wird, sondern das Erfolgsmodell nur eine Modellpflege bekommen soll.

Fiat 500, Mini, Opel Adam & Co

Unbenommen davon glänzt der Fiat 500 nach wie vor mit seinem lässigen Design und fährt sich so nach wie vor in die Herzen vieler Menschen im urbanen Umfeld – der Kleine ist besonders bei Frauen beliebt. Die schauen über wenig überzeugende Antriebsvarianten wie die Twin-Air-Zweizylinder oder betagte Getriebe wohlwollend hinweg und freuen sich über das schicke Outfit und die zahllosen Individualisierungsmöglichkeiten innen und außen. Die Sportversionen bis hin zum Abarth 695 Biposto dienen dagegen als dynamische Feigenblätter und sorgen für einen Gegenpol zum betont weiblichen Image. Vergleicht man den Fiat 500 mit seinem Hauptkonkurrenten Mini, so präsentiert sich der Brite mit seinem breiten Angebot an Antrieben und Ausstattungen als wahres Hightechmobil. Mini reduziert aktuell jedoch die Zahl seiner Derivate. Aus den zwischenzeitlich sieben Modellvarianten und dem Plan, diese auf bis zu zehn zu erweitern, werden nur fünf übrig bleiben. Dagegen setzen Modelle wie das Opel-Paket aus Adam, Karl und Corsa, Kia Picanto, ein Seat Ibiza oder das Triumvirat aus Citroen C1, Peugeot 108 oder Toyota Aygo den kugelrunden 500er mittlerweile mehr denn je unter Druck.

Fiat Abarth 695 biposto
© Bild: Werk / Fiat Abarth 695 biposto

Warum Fiat kein komplett neues Auto bringt

Auf die Frage, wieso Fiat kein komplett neues Auto, sondern nach acht Jahren nur eine Modellpflege auflegt, gibt es gebetsmühlenartig die gleiche Aussage, wonach der Fiat 500 an seinem ikonenhaften Design festhalten werde und man technisch auf der Höhe sei. Das ist nicht komplett falsch, doch der eigentliche Grund ist ein anderer. Fiat fehlt nach wie vor schlicht das Geld, einen komplett neuen Kleinwagen aufzulegen, der dann zwar moderner und konkurrenzfähiger ist, jedoch in den ersten Jahren keine großen Margen abwerfen würde. Denn viel verdienen lässt sich an einem Fiat 500 der 11.000- bis 20.000-Euro-Liga nicht. Bei der direkten Konkurrenz sind die Preise und insbesondere die Margen deutlich höher – aber eben auch die Entwicklungs- und Produktionskosten. Fiat hat mit den Modellen Sedici, Bravo, Punto und Freemont noch einige alter Gurken im Modellprogramm – allesamt kaum konkurrenzfähig und oftmals nur über den Preis zu verkaufen, wenn der Händler diese überhaupt noch anbietet.

Was Fiat braucht

Da mit dem 500er und dem jüngeren Panda keine großen Sprünge zu machen sind, weitet Fiat die Familie des 500 nach oben aus. Auch wenn ein Fiat 500L an den Citychic des normalen 500ers nicht herankommt, lässt sich hier mehr verdienen und die gesamte Modellfamilie wird jung gehalten. Noch besser gelingt das Fiat mit dem neuen 500x, der sich eine Plattform mit dem Jeep Renegade teilt. Ein cooles Crossover mit sehenswertem Design, modernen Antrieben und einer Reihe von Sonderausstattungen, die bei Fiat bisher nicht zu bekommen waren, tut der Marke gut. Wer will, bekommt in den Topversionen Details wie Fahrerassistenzsysteme, Neungang-Automatik, Allradantrieb, Bildschirmnavigation oder exklusive Lederdetails. Damit ersetzt der Fiat 500x die Kompaktklassemodelle, die den Italienern seit Jahren real fehlt. Modelle wie Fiat Stilo oder Bravo hatten gegen die internationale Konkurrenz der Golf-Klasse nie eine Chance. Doch ob sich mit dieser Politik die starke Konkurrenz überflügeln lässt, darf bezweifelt werden. Fiat braucht insbesondere eines: neue Modelle.

Dank an press-inform

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  • wissender

    Nur zur Info Mazda liefert lediglich eine Basis zu dem Spider. Wobei Fiat wiederum auch eine Zusammenarbeit in der Planung dieser Basis mit Mazda hat. Fiat kooperiert auch in anderen Herstellungen von Mazda schon länger mit Mazda. Außerdem ist diese nun geplante Basis auch nicht mehr für den Alfa Romeo gedacht, sondern für den kommenden Fiat Spider 124. Die ganze Technik, das Design und die Karosserie wird von Fiat gestellt und von Mazda an- und eingebaut werden. In Deutschland wird aber schon seit langem nur eine sehr schlechte Berichterstattung produziert, zu der dann auch noch inkompetente Kommentare abgeliefert werden. Viele vergessen dass es ein Recht zur Meinungsfreiheit gibt, jedoch man nicht immer jeden blödsinnigen Kommentar damit verwechseln und dazu so abgeben muss, als würde man ständig hierzu geprügelt werden.

  • wissender

    Es ist immer das gleiche, egal was von einem italienischen Autobauer produziert und angeboten wird, wird in Deutschland immer negativ dargestellt. Und obwohl der italienische Autobauer in mehrfacher Anzahl und Form im Laufe der Jahre, als sterbend von der deutschen Presse dargestellt worden ist, lebt der Konzern immer noch. Nicht nur das, obendrein ist er der ernstzunehmendste Konkurrent für die deutsche Autoindustrie schlechthin, auch weil die besten Innovationen von diesem abstammen. Jedes mal werden die sogenannten Experten in Deutschland von der Realität vorgeführt und erleiden trotzdem keinen Imageverlust, warum eigentlich?
    Anstatt über Realitäten zu berichten, wie zum Beispiel, dass wenn die deutschen Hersteller das gleiche Absatzvolumen wie der italienische Autobauer hätten, sie wirklich vom Markt, vom inland vielleicht abgesehen, verschwunden wären. Desweiteren ist zu erwähnen, dass die deutsche Automobilindustrie nur wegen der Firmenflotten, bei denen sie mit einer aggressiven Verkaufspolitik, erfolgreich den Absatz erzwingen, erfolgreich sind. Im privaten Verkaufssegment, sind sie weltweit nicht annähernd so erfolgreich, wie der italienische Autobauer. Und das ist der Grund, weshalb der italienische Autobauer als gefährlichster Konkurrent gilt, jedoch offiziell nicht ansatzweise angedeutet, sondern lediglich überheblich defamiert und belächelt wird. Ich kann mir schon vorstellen, dass irgendwann auf die überhebliche Art, ein böser Absturz erfolgt, und zwar genau dann, wenn der italienische Autobauer wirklich zum Absatzangriff bei den Firmenflotten loslegen sollte. Da wird wohl auch die deutsche Politik, mit ihren traditionell guten Kontakten zur italienischen, nicht mehr helfen können, auch weil der einst in Italien beheimatete Autobauer nun nicht mehr wie früher von der italienischen Politik beeinflussbar ist.

  • Autojoe

    Jeder andere Autohersteller würde so eine Traditionsmarke wie Lancia nicht sterben lassen, dieser Markenname ist Goldes Wert woraus man hätte viel machen können. Vielleicht nimmt sich doch ein Hersteller aus China dieser Marke an und pusht sie hoch, ähnlich Volvo, die Italiener sind scheinbar nicht in der Lage. Ich habe noch einen Lancia Thesis, ein Exot sozusagen aber trotzdem würde ich ihn nicht hergeben, er bietet ein tolles Fahrgefühl und ist ausserdem noch sehr wirtschaftlich.

    • wissender

      Nicht immer alles glauben, was da so berichtet wird. Von Alfa Romeo haben viele auch aufgrund der Angebotsreduktion ähnliches geschrieben. Aktuell wird Alfa Romeo mit bis zu 5 Milliarden Euro wieder belebt. Ich könnte mir nach der Alfa Romeo Belebung ähnliches für Lancia vorstellen. In der Tat wird zur Zeit an einem Projekt vom Lancia Delta getüftelt, was durchaus vielversprechend ist. Warum sollte man das tun, wenn es geplant wäre Lancia vom Markt zu nehmen. Sicher ist lediglich, dass man den Lancia y nur noch für den italienischen Markt produzieren will.
      Nachdem das Lancia Emblem auf Chrysler gesetzt wurde, muss sicherlich etwas Zeit vergehen damit wieder eigene, von Lancia produzierte Autos, was die Marke absolut vetdient hat, erneut gebaut werden. Hierfür müssen jedoch die Produktionsstätten aufgebaut/umgerüstet werden.

  • Thomas

    Lesenswerter, aber leider viel zu negativer Artikel! Gerade jetzt scheint sich alles perfekt zu entwickeln. Fiat/Abarth bekommt mit dem Spider auf MX5 Basis endlich wieder ein Image-Auto, leicht und schnell. Bei Alfa kommen in den nächsten 3 Jahren 8 neue Modelle. Eines habe ich schon fahren gesehen. Ihr werdet Augen machen! Der SUV folgt Anfang 2016 und einem Neustart steht nichts im Weg! Was sollen sie denn bitte beim 500er anders machen? Warum ein neues Modell bringen, dass sich dann vermutlich auch nicht viel besser verkaufen wird als das immer noch sehr erfolgreiche jetzige Modell? Mit dem Fl kommt U-Connect, Tempomat und Sitzheizung als Option. Und schon ist das Auto wieder mindestens gleichauf mit der Konkurrenz!

    • Der Rostiator

      Welcher Alfisti will einen Spider mit Mazda Basis? ..Kotz…

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