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Mary Barra © Daniel Roland/AFP/Getty Images
 

Fatale Pannenserie bei GM: Barra wird nach Washington zitiert

Konzernchefin muss sich im US-Kongress verantworten.

30.03.2014 APA

Detroit. Eine Pannenserie mit Toten, ein Rückruf von über zwei Millionen Fahrzeugen – das ist der GAU für jede Automobilfirma. Gerade einmal drei Monate steht die 51-jährige Mary Barra an der Spitze von General Motors. Doch schon jetzt muss sie sich einer unangenehmen Anhörung im US-Kongress stellen.

Wurde die Unfallserie absichtlich verschleppt?

Das Schlimmste ist: Bei der Untersuchung am Dienstag und Mittwoch in Washington geht es nicht nur um technische Fehler, Konstruktionsmängel oder schlichtweg Schlamperei. Die Gretchenfrage, die die Abgeordneten und Senatoren stellen werden, lautet: Wurde die fatale Unfallserie wegen defekter Zündschlösser von den Machern in Detroit etwa absichtlich verschleppt? Von den Antworten Barras dürfte es abhängen, ob GM – das Unternehmen, das 2009 faktisch pleite war – das Vertrauen von Millionen Amerikanern verliert.

Anhörungen im US-Kongress sind kein Pappenstiel. Im Ton freundlich und verbindlich, doch in der Sache knallhart gehen die Damen und Herren Volksvertreter vor. Offensiv bis aggressiv fallen ihre Fragen aus. Gerade mächtige Konzernchefs belieben sie besonders genüsslich zu „grillen“. Manager von Toyota können davon etwa ein Lied singen.

„Es gilt, Antworten auf simple Fragen zu finden, die die Öffentlichkeit stellt sowie diejenigen, die bei diesen Unfällen geliebte Menschen verloren haben“, bringt der Republikaner Tim Murphy das Thema auf den Punkt. „Warum brauchte es eine so lange Zeit, bis diese Sicherheitsprobleme angesprochen wurden?“ Eines steht schon vor den Anhörungen fest: Frau Barra dürfte gehörig ins Schwitzen kommen.

Ingenieure wussten schon vor fünf Jahren von Problemen

Wie so häufig in solchen Fällen, kommen die Wahrheit und das ganze Ausmaß des Debakels nur scheibchenweise ans Tageslicht. Die „New York Times“ enthüllte dieser Tage, dass Ingenieuren von GM bereits vor fünf Jahren klar war, dass mit den Zündschlössern etwas nicht stimmte – und dass dies potenziell gefährlich sei. Doch die ersten Autos wurden erst vor einigen Wochen zurückgerufen.

Das eigentliche Dilemma der Opel-Mutter reicht noch tiefer in die Vergangenheit. In den Jahren 2003 bis 2007 wurden in Hunderttausende Autos Zündschlösser eingebaut, die nichts taugten. Sie waren zu schwach ausgelegt. Wenn etwas Schweres am Schlüsselbund hing oder das Auto über holprige Straßen fuhr, drohte der Zündschlüssel in die „Aus“-Position zurückzuspringen. Die Folge: Bremskraftverstärker, Servolenkung und Airbag fielen aus – bei Unfällen waren Tote und Verletzte zu beklagen.

Bei den meisten betroffenen Autos handelt es sich um in den USA verkaufte Chevrolets, Pontiacs und Saturns. Aber auch verwandte Modelle des Opel GT Roadster brauchen neue Zündschlösser.

Unklar ist, wieviele Menschen geschädigt wurden

Strittig ist, wie viele Menschen die Pannen tatsächlich das Leben kosteten. GM spricht von lediglich zwölf Unfalltoten, die mit einem mangelhaften Zündschloss in Verbindung zu bringen seien. Merklich anders fallen die Recherchen des Center for Auto Safety, einer Verbraucherorganisation, aus. Sie kommen unter Berufung auf externe Auswertungen offizieller Unfalldaten auf über 300 Tote bei Crashs, in denen die Airbags nicht ausgelöst wurden. Möglicherweise liege die Zahl sogar noch höher, deutete die Organisation an.

Rasch und geschmeidig reagierte die neue Frau an der Spitze. Barra erkannte die Gefahr für den Konzern, zögerte nicht zuzupacken, machte das Debakel zur Chefsache. „Wir werden dafür einstehen“, meinte sie.

GM-Rückruf drastisch ausgeweitet

Doch ausgerechnet ein paar Tage vor dem delikaten Kongress-Termin musste Barra neue Hiobsbotschaften einräumen. Der Schaden sei beachtlich größer als zunächst angenommen. Die Rückrufaktion musste drastisch ausgeweitet werden: Bis zum vergangenen Freitag war von „nur“ 1,6 Millionen Autos die Rede, jetzt seien eine weitere Million Fahrzeuge betroffen, verlautete aus Detroit – insgesamt also ein Rückruf für 2,6 Millionen Wagen. Bei Autos der Baujahre 2008 bis 2011 wurden zwar verbesserte Zündschlösser verwendet. Doch in Detroit fürchtet man, dass bei Reparaturen alte Teile benutzt worden seien.

„In Sicherheitsfragen gehen wir kein Risiko ein“, versprach die Konzernchefin am Freitagabend. Die Abgeordneten werden Barra diese Aussage bei ihrem „Kreuzverhör“ im Kongress sicherlich erneut vorhalten. Und die Frage stellen: Warum erst jetzt?

Millionenklage gegen GM

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  • ReinhardP

    So, wie ich die Mentalität der US-amerikanischen Anwälte kenne, geht es ausschließlich um die Verfahrenskosten. Ob etwas dran ist oder nicht, ist einerlei! Denn aus PR-Gründen wird GM einen Vergleich eingehen müssen, und damit haben die Anwälte gewonnen. Die Rechtsprechung in den USA ist ja – wie man weiß – nicht Intelligenzgesteuert sondern Versicherungsfeindlich, also werden auch die Versicherungen den Vergleich unterstützen, weil sie sich damit immer noch etwas ersparen.

    Und wenn ich die Politiker in den USA nicht intelligenter als unsere einstufe (was kaum wahrscheinlich ist; es ist zwar das Land größer, es leben mehr Leute dort, aber nach dem Verteilungsprinzip ist die Menge der Trottel gleich), machen sich hier irgendwelche Hohlbirnen schlicht wichtig….

  • Ravenbird

    So wie ich nach Qualitätsmängeln und nicht vorhandener Kulanz nie wieder im Leben einen VW kaufen werde, werde ich auch nie einen Wagen von GM kaufen.
    DAS ist die einzige Antwort eines Konsumenten auf verbrecherischen und asozialen Pfusch, die den abgehobenen Managern weh tut – wenn es alle so machen würden.

    • Mist

      Und schon wieder das alt bekannte Vw-Bashing.
      Hast du nichts anderes zu tun, als immer den selben Müll zu posten ?
      Fahr doch weiter deinen Bwm für Vollgas-Idioten, wenn du meinst, daß du damit billiger weg kommst.
      Aber versuch nicht irgendjemand einzureden, daß so ein Deppen-Auto sinnvoller sei.

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