1/12
 

Toyota Supra, schwer unterschätzt

Der Toyota Supra zeigte 1993 der Konkurrenz (Porsche 911 Carrera, Ferrari 348 GTB und Viper RT/10) auf der Strecke wo der Hammer hängt. Dennoch hatte es der Japaner schwer.

18.10.2015 radical mag

Im Herbst 1993 durfte ein Toyota Supra in einem Vergleichstest des deutschen Fachblattes «auto, motor und sport» gegen einen Porsche 911 Carrera (272 PS), einen Ferrari 348 GTB (320 PS) und eine Viper RT/10 (394 PS) antreten (Bericht in Heft 25/1993). Im Sprint von 0 auf 100 km/h tat er keinen Stich (der Toyota war auch bis zu 280 Kilo schwerer als die Konkurrenz), wobei die 5,2 Sekunden trotzdem beachtlich waren; auch bei der Höchstgeschwindigkeit lief nicht viel, ganz einfach deshalb, weil der Japaner elektronisch auf 250 km/h eingeschränkt wurde (in den USA, wo er «offen» ausgeliefert wurde, kam er auf 285 km/h). Doch dann, bei den wirklich relevanten Zahlen, jenen, auf die es beim sportlichen Auftritt ankommt, da zeigte der Supra der berühmten Konkurrenz, wo der Hammer hängt. Auf der Kreisbahn schaffte er den ersten Rang, in Sachen Elastizität konnte nur die Viper einigermaßen mithalten (Porsche und Ferrari sahen so richtig alt aus), und in Sachen Bremsleistung von 100 auf 0 km/h machte er sowieso alle platt. Der Supra stand schon nach 35,7 Metern, neun Meter früher als alle Konkurrenten.

Das Problem des Toyota Supra Mark IV

Nun könnte man ja sagen: wer bremst, verliert. Doch mit der vierten Generation des Supra, allgemein bekannt als Supra Mark IV, hatte Toyota seinen ersten Supersportwagen gebaut (und mit Ausnahme des Lexus LF-A leider auch den bisher letzten). Hergestellt wurde der Mk IV zwischen 1993 und 2002, rund 45.000 Exemplare wurden in diesen Jahren weltweit verkauft. Dass der böse Supra kein größerer Erfolg wurde, lag in erster Linie daran, dass er ab 1996 in Europa offiziell nicht mehr angeboten wurde, in den USA ab 1998 Schluss war. Ein Grund dafür war der nicht gerade reißende Absatz (in Deutschland kostete der intern JZA80 genannte Wagen satte 110.000 D-Mark) der andere die strengeren Abgasvorschriften, die dem Mk IV das Leben nicht leichter machten.

Toyota Supra JZA80 (10)
© Bild: Wale Pfaeffli

Kenner kaufen ohne Spoiler

Den JZA80 gab es als Coupé und als Targa, wobei nur das Targa-Modell offiziell nach Europa eingeführt wurde. In der Schweiz hingegen war auch immer das Coupé erhältlich (auf Wunsch auch nach 1996…), und die helvetischen Modelle verfügten noch über eine Besonderheit: es gab sie auch ohne den martialischen Heckflügel (und deshalb dann auch ohne den ansonsten automatisch ausfahrenden Frontspoiler). Dies deshalb, weil der Gesetzgeber das Ding nicht erlaubte. Dies führte aber zur außergewöhnlichen Situation, dass viele ausländische Kunden ihren Supra in der Schweiz kauften, die einen deshalb, weil er halt unauffälliger war ohne das imposante Flügelwerk. Die anderen, die echten Kenner, die wussten hingegen, dass der Mk IV ohne Spoilerverzierung schlicht und einfach schneller war. Und darauf kommt es bei einem Supersportwagen ja an.

Mit oder ohne Turbo?

Angeboten wurde der Supra in zwei Motor-Varianten, beides 3-Liter-Reihensechszylnder, einmal ohne, einmal mit zwei kleinen Turbos, aber immer mit zwei obenliegenden Nockenwellen, von Yamaha entwickelten Alu-Zylinderköpfen und vier Ventilen pro Zylinder. Ohne Turbo waren es beschauliche 220 PS (bei 5.800/min) und friedliche 294 Nm maximales Drehmoment (bei 4.800/min), mit Turbos dann aber anständige 330 PS (bei 5.600/min) und fette 441 Nm maximales Drehmoment (bei 4.800/min). Geschaltet wurde über eine 4-Gang-Automatik, die zwar ohne Aufpreis geliefert wurde, aber in Europa niemand haben wollte; die bessere Wahl war sicher das manuelle 6-Gang-Getriebe, das von Getrag geliefert wurde. Die Turbos erhielten zudem ein Differential nach Torsen-System für besseren Schlupf sowie eine abschaltbare Traktionskontrolle.

Toyota Supra JZA80 (9)
© Bild: Wale Pfaeffli

Aufwendiges Fahrwerk

Auch das Fahrwerk war sehr aufwendig. Rundum Einzelradaufhängung versteht sich von selbst, vorne mit oberen und unteren Dreieckquerlenkern, hinten gab es oben einen Dreieckquerlenker und einen Doppelquerlenker unten, dazu Stabis und Gasdruckstoßdämpfer. Zwar ist der Mk IV mindestens 1,6 Tonnen schwer, doch bei einem Fahrversuch vor kurzem waren wir überrascht, wie leichtfüßig der Toyota zu bewegen ist – und wie satt er auf der Straße liegt. Im Vergleich zu den Porsche und Ferrari jener Jahre ist er eher auf der komfortablen Seite, doch das tut der Fahrfreude keinen Abbruch, er meldet sich schön an, wenn dann hinten der Grip ausgeht, und ist deshalb erfreulich leicht zu schnell zu bewegen. Der Sound hingegen, der ist etwas dürftig.

Damals ein Verriss

Als der Supra Mk IV eingeführt wurde, wurde viel über seine Optik gelästert. So schreib «ams» im schon erwähnten Vergleichstest: «Nur deshalb sei hier auch die Meinung erlaubt, dass der Supra eine stilistische Entgleisung ist. Die aufgesetzte Hutze auf der Motorhaube und – weit schlimmer noch – der gigantische Flügel am Heck setzen aufdringliche Akzente, die Lichtjahre entfernt sind von der schlichten Eleganz eines Porsche oder Ferrari.» Heute sieht man mit anderen Augen, da wirkt der 4,52 Meter lange, 1,81 Meter breite und 1,27 Meter hohe Supra auch mit Spoilerwerk schon fast filigran. Serienmäßig war der Toyota mit 235/45 ZR17 vorne, 255/40 ZR17 hinten ausgerüstet, doch es findet sich heute kaum noch ein Exemplar, das nicht mindestens auf 18-Zöllern rollt.

Teuer, dafür bestens ausgestattet

Ja, der Supra Mk IV war damals teuer. Doch dafür war auch die Ausstattung sehr vollständig: (bequeme) Ledersitze, Klimaautomatik, Radio/CD (damals noch nicht allerorten lieferbar), Tempomat, zwei Airbags. Heute wirkt das nicht mehr so edel, vor allem die großen Mengen an Hartplastik der übelsten Sorte, die für das extrem auf den Fahrer ausgelegte Cockpit verbaut wurden, will man eigentlich nicht mehr sehen. Auch das riesige Lenkrad hat eine alles andere als sportive Anmutung.

Und dann kam „The Fast and the Furious“

So richtig berühmt wurde der Supra eigentlich erst posthum, nachdem er in der ersten Folge von „The Fast and the Furious“ (2001) eine Hauptrolle spielen durfte. In den USA stieg danach nicht nur die Zahl der Fans rasant an, auch die Preise für gebrauchte Mk IV machten einen Sprung nach oben. In Europa sind diese letzten Supra noch nicht wirklich gesucht, auch gepflegte Gebrauchte sind verhältnismäßig günstig zu haben. Wir wagen aber die Prognose, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Sammler den Supra Mk IV entdecken; Kenner und Liebhaber wissen jetzt schon, was sie am ersten Supersportwagen von Toyota haben.

Besten Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-classics.com.

Mehr zum Thema
pixel