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Luxus, der es nicht nach Europa schafft

Es gibt Modelle der großen Autohersteller, die haben wir nicht auf dem Schirm. Der Toyota Crown gehört dazu, obwohl dieser mittlerweile in der 15. Generation auf den Markt kommt. Und in Europa würden wir ihn wirklich gerne sehen.

05.12.2015 Online Redaktion

Das europäische Mittelklassemodell Toyota Avensis kann zwar mit aktueller Technik punkten, ist jedoch gerade als Limousine ein echtes Mauerblümchen. Oberhalb des Avensis hat Toyota hierzulande überhaupt nichts im Angebot. Wer mehr Toyota will, muss in einen rustikalen Land Cruiser klettern oder gleich zur edlen Schwestermarke Lexus wechseln. Gäbe es den Crown auch in Europa, dann würden viele Kunden wohl von Lexus und gleichsam anderen Marken herüber zum schicken Kronen-Modell wechseln. Die neueste Generation kann sich nicht nur optisch sehen lassen; auch technisch ist die 4,90 Meter lange Limousine voll auf der Höhe. Optisch ist der Crown betont eigenständig und so sucht man selbst ein Toyota-Markenlogo auf dem Viertürer vergeblich. Auf Kühlergrill und Lenkrad thront dagegen eine nachempfundene Krone – das war’s. In seinem Heimatland Japan ist der Crown längst eine automobile Legende. In Europa floppte das edle Toyota-Modell dagegen. Seit 1980 mit einer exzellenten Serienausstattung, üppigem Platzangebot und einen seidenweich laufenden Sechszylinder mit 2,8 Litern Hubraum verkauft, hatte er beim Kunden nie eine ernsthafte Chance gegen die europäische und hier insbesondere die deutsche Konkurrenz. Anfang der 90er Jahre ersetzte man den erfolglosen Crown schließlich durch den Lexus GS, der sich auf gleicher Plattform jedoch kaum einer größeren Nachfrage erfreute. Von 1958 bis 1973 fuhr der Crown auch auf dem nordamerikanischen Markt.

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© Bild: Werk

Toyota Crown macht den üblichen Verdächtigen in China Konkurrenz

Seit 1991 ist der Toyota Crown auch in seiner Heimat nicht mehr allein unterwegs. Die besonders edlen Versionen tragen die Bezeichnung Crown Majesta und verwöhnen die Insassen insbesondere im Fond mit allem nur erdenklichen Komfort. Mittlerweile hat der Doppelpack Zuwachs bekommen, denn neben Crown und Crown Majesta rollen auf den japanischen Straßen mittlerweile ebenfalls die Sportversion „Athlete“ und der Crown Hybrid. Außenhalb Japans konnte sich der Toyota Crown bislang nur in Hong Kong und Singapur durchsetzen, wo er sich insbesondere als Taxi einer großen Beliebtheit erfreut. Der japanische Autohersteller will das Oberklassemodell jedoch verstärkt in China als Konkurrenz zu Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse positionieren. Neben dem Stammwerk im japanischen Aichi läuft der Toyota Crown daher auch lokal in Tianjin / China vom Band.

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© Bild: Werk

Stets Vorreiter bei Innovationen

Ähnlich wie die europäische Mercedes E-Klasse stand und steht der Toyota Crown nicht nur für Luxus, Komfort und souveräne Motorisierungen, sondern auch für technische Innovationen. So war er 1987 weltweit eines der ersten Serienfahrzeuge mit dem dreidimensionalen Navigationssystem und einem Fahrer-Beobachtungssystem gegen Sekundenschlaf und Unaufmerksamkeit. Im Laufe der Jahre wurde weitere Innovationen wie Nachtsichtassistent und ein GPS-gestützter Bremsassistent eingeführt, der auf Informationen aus dem Navigationssystem zurückgreift. Ebenfalls innovativ: ein Rücksitzairbag zwischen den Fondpassagieren und ein Kreuzungsassistent, dessen neueste Generation mit Ampeln in japanischen Großstädten kommunizieren kann.

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© Bild: Werk

Motorisierung und Sonderfarben

Der Preisspektrum der Volumenmodelle Toyota Crown Athlete und Crown Royal reicht aktuell von 3,8 bis knapp 6,0 Millionen Yen, umgerechnet 29.000 bis 46.000 Euro. Dafür gibt es als Antrieb den neuen Vierzylinderturbo aus dem Toyota-Konzern mit 175 kW / 238 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Nm zwischen 1.650 und 4.400 U/min. Die Kraft wird via Achtgangautomatik an die Hinterachse übertragen. Der japanische Normverbrauch: 7,4 Liter Normalkraftstoff. Auf Wunsch gibt es die verschiedenen Crown-Versionen auch mit einem 2,5 Liter großen Vierzylindersaugmotor inklusiv Allradantrieb und Sechsstufenautomatik. Insbesondere der edle Toyota Crown Majesta ist als 3,5 Liter großer Sechszylinder, ebenfalls mit Achtgang-Automatik und Hinterradantrieb als Chauffeurfahrzeug sehr beliebt. Auf Wunsch ist die Oberklasselimousine zudem als Hybridversion zu bekommen. Das Leistungsspektrum der 1,7 bis 1,9 Tonnen schweren Limousine liegt zwischen 152 kW / 206 PS des Vierzylinder-Saugmotors und den 227 kW / 308 PS des großen Sechszylinders. Die Topversion Toyota Crown Majesta mit elektrisch verstellbaren Einzelsitzen im Fond und allen nur erdenklichen Extras startet ab 6,3 Millionen Yen (48.500 Euro). Wer es besondere extravagant will, kann den Majesta sogar in der Sonderfarbe rose metallic bekommen. Pro Monat laufen derzeit rund 3.700 Crowns aus den Produktionshallen in Aichi. Die neueste Generation hat nicht nur klimatisierte Einzelsitze an Bord, sondern auch Navigationssystem, Radar-Tempomat inkl. Notstopp-Assistent und LED-Scheinwerfer. Vielleicht schafft er es doch eines Tages nach Europa.

  • Gernot A.

    Was mich viel mehr stört als das „nicht nach Europa Schaffen“ von Luxuslimousinen ist dass aufgrund einer übertriebenen Sicherheits- und Emissionshysterie preisgünstige vollwertige PKW aus dem asiatischen Raum, die dort 2000 bis 3000 Euro Kosten, nicht bei uns zu kaufen sind und der preisbewußte Kunde hierzulande mit wesentlich „unsichereren“ Zweiiradfahrzeugen vorliebnehmen muß, wenn er mit dem Abkassierertum in Europa nicht mitspielen will.

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