nissan leaf 2014 vorne front
Der Nissan Leaf wurde weltweit fast 100.000 mal verkauft.
 

Fahrbericht: Nissan Leaf 2014

Mit dem rein elektrischen Nissan Leaf unterwegs zu sein, das hat was von einem guten Thriller: Stetig steigt die Spannung, ob´s zu einem guten Ende reicht. Oder doch nicht.

17.03.2014 Press Inform

Elektroautos, wie der Nissan Leaf, sind geil. Ein Druck auf den Startknopf – und ein kleines elektronisches Orchester samt Lightshow in den Armaturen muss signalisieren, dass alles auch läuft. Vom Auto selbst zu merken ist nämlich erst mal nichts: Kein hochjaulender Motor, kein Rütteln und kein Schütteln. Erholsame Stille rings umher. Die Stille setzt sich auch beim Fahren fort. Der Motor sirrt kaum hörbar. Für Geräusche sorgen nur der Fahrtwind und die abrollenden Reifen. Und dann erst der Antritt: Ein Kick aufs Gaspedal – und sofort zerrt das maximale Drehmoment den Wagen vorwärts. Die angetriebenen Vorderräder haben leichte Mühe, bei soviel Kraft schon aus dem Stand heraus die Spur zu halten. Das kennt man sonst bloß von PS-starken Fronttrieblern nach den ersten 1.500 Umdrehungen. Der Vorwärtsdrang zudem ist unterbrechungsfrei: Kein Hochschalten der Automatik – von 0 auf 150 geht’s in einem Rutsch.

_Nissan_Leaf_Foto_Wolff_21Innen: Raum

Bequem ist das Ganze selbst dann, wenn der Wagen an der Steckdose parkt – vor allem im Winter. Den Timer übers Smartphone einstellen – und schon beginnt die Heizung eine halbe Stunde vor der Abfahrt die Scheiben zu enteisen und wohlige Wärme zu verbreiten. Nissans Leaf ist einfach zu handhaben und – als Auto selbst – gut alltagstauglich. Zwei Passagiere finden vorne problemlos Platz. Die Sitze sind bequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Die Materialien ringsum machen einen durchaus wertigen Eindruck und wirken ordentlich verarbeitet. Die Sitze sind auch für größere Passagiere gut verstellbar, das griffige Lenkrad lässt sich in Tiefe und Neigung bestens anpassen. Der Ablageplatz ist nicht gerade üppig, aber ausreichend. Praktisch die Vielzahl der kleinen Ablagen, in denen sich Handy, Schlüssel und allerhand anderer Kleinkram übersichtlich verstauen lassen.

nissan leaf interieurAusreichend Platz auch in der zweiten Reihe – bei der C-Klasse von Mercedes-Benz etwa geht es da deutlich enger zu. Mit 4.445 mm Länge bringt es der Leaf immerhin auf knapp 20 Zentimeter mehr als der VW Golf. Eher weniger erquicklich der Kofferraum: Den zerklüftet nicht nur das als Extra orderbare Soundsystem von Bose. Auch die beiden massiven Kabel für Normal- und Schnellladesäulen nehmen Platz weg. Ohne all das liegt der Stauraum mit 370 Litern leicht über Golf-Niveau. Bei umgeklappten Rücksitzen allerdings kommen nur 720 Liter zusammen – da hat selbst der VW Up! schon deutlich mehr.

_Nissan_Leaf_Foto_Wolff_1Instrumente

Über Design lässt sich immer streiten. Hier triift es auf das etwas eigenwillige Äußere mit den wulstigen Scheinwerfern vorne und dem seltsam gebogenen Heck zu, und auch für das Innere. So teilt Nissan etwa das zentrale Anzeigeinstrument vor dem Fahrer in zwei eigenwillige Displays: Ein großes direkt über der Lenksäule, das vor allem Informationen über das elektrische System liefert und ein zweites schmales Band darüber mit digitaler Geschwindigkeitsanzeige und einem kleinen Baumsymbol als Indikator für ökologisch wertvolles Fahren. Dazu kommt wie üblich ein Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts mit Navi, Radio und Informationsanzeigen. Einer davon gibt anschaulich Auskunft darüber, ob das System gerade (beim Beschleunigen) wie viel Strom verbraucht oder (beim Verzögern) Strom produziert. Und darüber, wie stark die sonstigen Verbraucher wie Klimaanlage, Fahrlicht oder Sitzheizung am Akku zehren.

Nissan_Leaf_Foto_Wolff_11_Nissan_Leaf_Foto_Wolff_10Fahrleistungen

Von der Fahrleistung her kann der Leaf mit seinen 1,5 Tonnen Leergewicht gut mithalten. Der Elektromotor unter der Fronthaube liefert 80 kW/109 PS und ein ordentliches Drehmoment von 254 Nm. Das entspricht ungefähr dem, was bei VW ein 1,6-Liter-Diesel leistet. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Leaf in 11,5 Sekunden – gefühlt geht’s schneller. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 144 km/h beschränkt – bei dem Tempo kann man den Ladezustand des Akkus dann allerdings schneller schwinden sehen als das Wasser in einer Badewanne, wenn man den Stöpsel zieht.

Nissan_Leaf_Foto_Wolff_28Laden

Aufladen ist simpel: Die Klappe an der Fahrzeugfront lässt sich per Knopfdruck mit dem Funkschlüssel entriegeln. Zwei Steckdosen stehen zur Wahl: eine für die Schnellladung, eine für normalen Haushaltsstrom. Kabel entrollen, ein Ende in die Schuko-Steckdose, das andere in die Steckdose am Leaf. Blaue Lämpchen oben auf dem Armaturenbrett signalisieren, dass der Strom fließt. Das war’s. Und zwar für lange Zeit. Bis zu zwölf Stunden muss der Leaf am 220-Volt-Netz hängen, um ihn vollständig aufzuladen. Über Nacht kein Problem – tagsüber ein ärgerliches Geduldsspiel. Schneller geht es an einer Schnellladestation: Dort lässt sich der Akku in weniger als einer halben Stunde von 30 auf 80% seiner Kapazität aufladen.

Nissan_Leaf_Foto_Wolff_2nissan leaf 2014 ladegerätDer Leaf in der Praxis

Womit wir beim schwachen Punkt des ganzen Systems Elektroauto sind. Denn der Alltag sieht dann doch etwas anders aus als in den schönen Nissan-Broschüren. Bestes Beispiel: Geschwind mal zum Einkaufsbummelin die Großstadt. Von der Haustür ins Zentrum der nahen Landeshauptstadt sind es 52,8 Kilometer. Kein Problem hin und zurück – schließlich gibt Nissan für den Leaf eine Reichweite von 199 Kilometer an.

Nissan_Leaf_Foto_Wolff_26An das Sternchen hinter der Zahl erinnert man sich erst, wenn man in den voll aufgeladenen Leaf steigt. Dort zeigt das Display eine Reichweite von nur 124 Kilometer an. Sollte ja immer noch reichen. Zur Sicherheit Klimaanlage und Heizung aus, Eco-Knopf gedrückt und die Rekuperationsleistung erhöht. Ecomodus heißt unter anderem: deutlich „sanfteres“ Beschleunigen. Lohn der Askese: 134 Kilometer Reichweite werden angezeigt.

Nissan_Leaf_Foto_Wolff_16Auch ein eher optimistischer Wert. Im Leaf lernt man schnell vorausschauendes und sanftes Fahren. Dennoch schmilzt die angezeigte Reichweite bei jeder Steigung rapide. Und man freut sich über jeden kleinen Freilauf, wenn die Rekuperation wieder ein paar Kilometer einspielt. Zügig fahren geht anders: Auf der vierspurigen Bundesstraße auf den Fildern gilt durchgehend Tempo 120. Man wird im Leaf zum folgsamen Autofahrer. Dennoch sind gerade mal 67 Kilometer Reichweite übrig, als es in der Stadt ins Parkhaus geht.

Nissan_Leaf_Foto_Wolff_9Weite Strecken werden im Nissan Leaf zum Abenteuer

Die Rückfahrt wird erst recht zum Abenteuer. Denn nun zehren auch noch die Scheinwerfer an der Batterie. Vorsichtshalber bleibt die Heizung aus: Notfalls lieber frieren als schieben. Trotzdem: 67 Kilometer sollten gut reichen. Irgendwie. Und mit behutsamer Schleichfahrt. Kurz vor Hälfte der Strecke zurück flackert der erste Warnhinweis auf und signalisiert, dass der Strom im Akku allmählich doch ernsthaft zur Neige geht. Ein paar Kilometer vor der rettenden Heimsteckdose eskaliert der Leaf noch einmal seine Warnungshinweise und zeigt fürsorglich eine Liste von Ladestationen im Umkreis von sechs Kilometern an. Für zwei, drei Kilometer dürfte der Akku zum Schluss noch gut sein, als der Leaf in die rettende Garageneinfahrt rollt. Nach 106 Kilometer Fahrstrecke.

nissan leaf 2014 solarpanelBleibt als Fazit:

Wer ausschließlich im Nahbereich unterwegs ist, der bekommt mit dem Nissan Leaf ein sauberes Elektroauto, das viel Fahrspaß bietet und volle Alltagstauglichkeit. Ob einem das die mindestens 29.290 Euro Kaufpreis (inkl. Batterie) oder gar die rund 35.000 Euro für den top ausgestatteten Testwagen wert ist, muss man selbst entscheiden. Damit liegt er zwar preislich unter seinen Mitbewerbern – aber ökologisches Fahren ist von ökonomischem Fahren auch im Leaf noch weit entfernt. Sozusagen außerhalb der Reichweite.

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Der Leaf auf der Homepage von Nissan.

Vielen Dank an Jürgen Wolff von press-inform.com.

  • leaf-fahrer

    ich fahre den leaf jetzt seit letztem jahr (auch über den winter) und viel auf der Autobahn (Österreich) und einige punkte hier im bericht stimmen leider überhaupt nicht.
    ja die Reichweite ist bei Elektroautos leider noch ein Thema, da die Ladezeit lang ist. meine längste strecke die ich permanent fahre ist hin und zurück 100km. im winter mit Heizung und sitzheitzung und licht und allem drum und dran komme ich bei einer konstanten Geschwindigkeit von 135km/h auf der Autobahn auf die 90km. stecke ich das Auto an meinem Zielort für die dauer eines familienessens an eine Steckdose, geht es sich locker aus ohne Warnungen.
    selbst bei einer Warnung hat man sehr viel reserve.
    der Kofferraum ist sehr groß (anders als in diesem bericht geschildert) selbst die höchstegeschwindigkeit ist höher nämlich bei 161km/h. und hat man gute reifen schafft man eine Beschleunigung von 0 auf 100 in unter 10 Sekunden. leider hat er so viel kraft dass trotz asr die reifen durchdrehen selbst wenn man schon in fahrt ist und mal kurz richtig Stoff gibt. gute reifen sind also schon von Vorteil. und meiner Erfahrung nach komme ich ohne eco-modus weiter als mit. fährt man nicht über Autobahnen schafft man zw 130 und 160km. Ladezeit von 0%auf 100% in 10-11 stunden an einer normalen stromdose wobei die letzten 10-20% am längsten dauern!!!
    ein neuer leon mit 150ps td kostet auch schon mal 26000 und mit dem kann man locker mithalten. einzig der tesla wäre besser aber auch teurer. jedoch muss man die Batterie nicht mitkaufen, eine miete kommt billiger solange man ich nicht länger als 7 jahre behält.(5 jahre batteriegarantie bei kauf, oder solange man miete zahlt) dafür aber keine motorsteuer – anders bei hyprid oder range extender und die sind auch teurer.
    man sollte doch mal jemanden berichten lassen der eine langzeiterfahrung hat….

  • Marcus

    Ein Königreich …
    Wenn es schon unbedingt ein Elektroauto sein soll, dann fällt mir bei den wechselnden Reichweitenangaben im Armaturenbrett immer nur ein: Ein Königreich für einen Range-Extender!
    Nicht nur kostet ein Range-Extender mit z.B. 30 PS keine Motorsteuer (ist ja bis 24 kW frei), manche brauchen de facto kein Service! Die haben eine Dauer-Ölfüllung.
    Wenn man die 2x 55 km zurücklegt, die im Artikel angeführt sind, braucht man nicht bangen, ob es sich am Ende ausgeht. Es springt einfach für die letzten 10 km der RangeExtender an, fertig. Damit hat man vielleicht 0,5 l Benzin verbraucht – und 90% der Strecke doch „lokal emissionsfrei“ mit Strom zurückgelegt. Und wenn einem einfällt, dass man doch noch einen Abstecher zusätzlich machen muss, ist man mit dem Range Extender voll flexibel. Von den durchschnittlich 15.000 Jahreskilometern wird man wahrscheinlich 14.000 km rein elektrisch zurücklegen. für die restlichen 1000 km ist man aber froh, die zweite Energiequelle an Bord zu haben. Sonst würde man sich bei allen Strecken, wo es knapp wird, für die ganze Strecke das Verbrennerauto eines Nachbarn ausborgen – und unterm Strich mehr Kilometer mit „lokalen“ Emissionen zurücklegen.

    • Flo

      Seh ich genauso. Zwar teuer, einen Range-Extender auch noch einzubauen, aber so wird halt ein vollwertiges Auto ohne Reichweitenangst draus, mit dem ich auch mal weitere Strecken fahren kann. (wenn auch dann mit oft tanken)

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