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Nissan GT-R: Gebaut um Motorsport zu erleben

Der neue Nissan GT-R steht seinen Konkurrenten nichts nach. Im Gegenteil, Kunden des Modelljahrs 2017 bekommen einen innen aufgeräumten und unter der Haube gestärkten Boliden.

03.06.2016 Press Inform

Mit dem neuen Nissan GT-R 2017 bleiben die Japaner ihrer Linie treu. Klar, das Leder im Innenraum ist schicker als beim Vorgänger, aber die Playstation-Anmutung des Info-Bildschirms bleibt erhalten. Klar sind die Dioden und Diagramme pixelig und die Anzeigen monochrom, aber ein Nissan GT-R will keinen Grafik-Schönheitspreis gewinnen, sondern die Konkurrenten von der Nordschleife blasen. Mit einer Knopf-Umdrehung kann sich der Pilot über den Gesundheitszustand seines Fahrzeugs informieren – bis hin zum Getriebeöldruck. Dieses Spielekonsolen-Ambiente gehört genauso zum GT-R, wie der brachiale Heckspoiler, die dem Fahrer bei jedem Blick in den Rückspiegel daran erinnert, dass er in einem Auto sitzt, das nur einen Zweck erfüllen soll: Spaß zu bereiten und möglichst schnell, um die Ecken zu feuern.

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© Bild: Werk

Nissan GT-R: Gebaut um Motorsport zu erleben

Das tut auch der neue GT-R mit einer Perfektion, dass es einem Porsche Turbo S oder Mercedes AMG GT S Angst und Bange werden kann. Das Agilitätspotenzial des rollenden Samurais dürfte in Weissach und Affalterbach für Stirnrunzeln sorgen. Umso mehr, als dass der GT-R mehr als Gran Turismo positioniert ist und dennoch eine grandiose Linie in den Asphalt brennt. Stellt man die variablen Dämpfer auf „Komfort“, lassen sich mit dem pfeilschnellen GT-R auch längere Strecken relativ entspannt zurücklegen. Entspannt mit 419 kW / 570 PS unter der Haube. Noch stärker wird die Nismo-Variante ausfallen, die zum Jahreswechsel erscheinen soll.

Das Gewicht macht ihm nicht zu schaffen

Egal ob schnelle Kurve oder enges Eck, der Nissan bewältigt jeden Fahrbahnverlauf und löst jede noch so schwere Aufgabe, die die Asphaltbeschaffenheit und der Lenkradeinschlag bietet, mit Bravour. Liefert der Allradantrieb im Normalfall die ganze Kraft an die Hinterachse, kann sie bei Bedarf paritätisch aufgeteilt werden. Zusammen mit dem Torque-Vectoring durch Bremseingriffe und dem Sperrdifferenzial tänzelt der GT-R leichtfüßig um die Slalomstangen. Durch die Transaxle-Bauweise liegt der GT-R gut ausbalanciert in der Hand. Bei der Aerodynamik haben die Verantwortlichen um jedes Gramm Abtrieb gekämpft und deswegen dem Neuen auch die Heckform des aktuellen GT-R-Nismo verpasst. Diese Kombination macht den Japaner schnell, pfeilschnell. Es ist beeindruckend, mit welcher unerbittlichen Konsequenz sich der GT-R trotz Übergewicht auf der Ideallinie durch jede Kurve förmlich am Asphalt festkrallt. Mit etwas Gefühl im Hintern schaffen es auch Amateur-Piloten die perfekte Tiefflugschneise durch den Fahrbahn-Dschungel. Die Lenkung ist direkt, präzise und gibt eine verlässliche Rückmeldung, allerdings fällt sie ein wenig zu straff aus.

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Motorsound des neuen Nissan GT-R

Beim Sechszylinder-Bi-Turbo-Motor, der jeweils von einem einzelnen Spezialisten montiert wird, kann von nachlassendem Tatendrang keine Rede sein. Zwar legt der 3,8-Liter-Motor unterhalb von 2.500 Umdrehungen eine Spur zurückhaltender los, nur um dann ab 3.000 Touren richtig durchzustarten und mit einem Druck zuzubeißen, dass man unwillkürlich den Gurt etwas straffer zieht. Das rotzige tiefe Rühren wird untermalt vom Pfeifen des Turboladers und das maximale Drehmoment von 637 Newtonmetern (ab 3.300 U/min) hilft beim Vorwärtstrieb. Ab 5.000 Umdrehungen erreicht die Soundkulisse dank der neuen Titan-Auspuffanlage eine neue Intensitätsstufe, dann brüllt das Aggregat mit einer Inbrunst, dass man sich im Innenraum nur noch mit Handzeichen unterhalten sollte.

Japanische Geheimnisse

Das Messergebnis beim Sprint von 0 auf 100 km/h wollen die Japaner noch nicht preisgeben, aber es dürften weniger als die 2,7 Sekunden des Vorgängers sein, da der optimierte GT-R 20 PS mehr hat. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 315 km/h liegen. So viel Kraft kommt natürlich nicht von ungefähr: Der Nissan GT-R genehmigt sich 11,8 Liter pro 100 Kilometer. Bei allem Lob haben die Ingenieure ihre Perfektion nicht konsequent durchgezogen die Sport-Sitzschalen sind etwas zu kurz geraten und die Sitzposition ist etwas zu hoch, um das Gefühl des echten Verschmelzens mit der Straße aufkommen zu lassen. Trotz der handgenähten Lederhäute wirkt das Interieur durch den verbliebenen Hartplastik-Anteil etwas lieblos.

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Wer braucht schon einen Toten-Winkel-Assistenen?

Immerhin haben es die Japaner geschafft, die Anzahl der Bedien-Knöpfe von ehemals 27 auf elf zur reduzieren. Damit kommt man auch im Menü bestens klar. Wen stört es schon, dass es keinen Toten-Winkel-Assistenten gibt und, dass das Bild der Rückfahrkamera nicht ganz so gestochen scharf ist, wie bei manchen Konkurrenten? Beim Nissan GT-R gibt es ohnehin nur eine Blickrichtung und die geht nach vorne. Wer mindestens 120.000 Euro hat, sollte sich beim Nissan-Händler umsehen. Bestellen kann sofort, ausgeliefert wird er ab August.

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