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Fünf plus eins: Unterwegs im neuen VW T6

Nach zwölf Jahren frischt Volkswagen seinen Transporter auf. Der VW T6 2015 muss sich starker Konkurrenz stellen, seit Mercedes die V-Klasse erneuert hat.

02.06.2015 Press Inform

„Wir haben extrem viel Zeit mit der Feinabstimmung des Fahrwerks verbracht“, erzählt Entwicklungsvorstand Hans-Joachim Rothenpieler und berichtet von intensiven Diskussionen mit Konzernchef Martin Winterkorn, der lange Zeit nicht zufrieden war. Wer den temperamentvollen Schwaben kennt, ahnt, dass diese Unterhaltungen nicht immer im Flüsterton abgelaufen sind. Doch die VW-Nutzfahrzeugtruppe hat offenbar ein dickes Fell. Anders als ein Golf, ist der neue VW T6 in erster Linie ein Nutzfahrzeug und hat aufgrund des zusätzlichen Gewichts eine Schräglenker-Hinterachse, die schwerer komfortabel abzustimmen ist.

Womit der neue VW T6 punkten soll

Und die Mühen waren notwendig. Mercedes hat mittlerweile zum Halali aufgerufen und den Nachfolger des hemdsärmeligen Viano kurzerhand zur Hochdach-S-Klasse ernannt, samt edlem Interieur und voller Technik-Breitseite. Zugegeben, da steht auch der neue T6, der genau genommen nur ein umfangreich verfeinerter T5 ist, etwas schmal daneben, aber dafür soll der neue VW-Bus mit gediegenem Fahrkomfort punkten.

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© Bild: Werk

T6 soll Pkw-iger sein

Und wirklich: Die stößige Holprigkeit des VW T5 ist passé, der T6 rollt deutlich geschmeidiger ab. Das gilt für das Standard-Stahlfahrwerk und erst recht für die Variante mit den adaptiven Dämpfern, die es zum ersten Mal in einem VW-Bus zu haben sind. Die Spreizung zwischen den einzelnen Fahrmodi „Komfort“, „Normal“ und „Sport“ ist deutlich spürbar. Wobei bei „Komfort“ bei hohem Tempo die Hinterachse etwas nachwippt, wenn man über lange Wellen braust. Wenn es etwas forcierter zur Sache geht, ist man mit „Sport“ am besten aufgehoben. Aber selbst bei dieser Einstellung bleibt der Mageninhalt bei schlechten Straßen noch an seinem vorgesehenen Ort. Wer eine dynamische Schippe drauflegen will, sollte zum optionalen Sportfahrwerk greifen, mit dem der T6 noch einmal 20 Millimeter tiefer und spürbar straffer über die Straße flitzt. „Das haben einige Kunden sich gewünscht“, sagt VW-Nutzfahrzeug-Chef Eckhard Scholz und ergänzt: „Wir wollten den T6 Pkw-iger machen.“

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© Bild: Werk

Neues im Innenraum, beim Infotainment und bei den Assistenzsystemen

Um den Innenraum wohnlicher zu gestalten, wurden das Armaturenbrett vollflächig mit Hochglanz-Applikationen versehen, dazu gibt’s unterschäumte Oberflächen in den Armauflagen und ein modernes Infotainment-System, bei dem die Integration des Smartphones problemlos klappt. Dass der Volkswagen T6 mit einigen modernen Assistenzsystemen aufgerüstet wird, versteht sich bei dem Gegenwind aus Schwaben fast von selbst: darunter sind der adaptive Tempomat, der Tote-Winkelassistent und die Multi-Kollisionsbremse. Einen Spurhalteassistenten sucht man allerdings genauso vergebens, wie die automatisierte Einparkhilfe, die VW ansonsten fast flächendeckend anbietet – und die gerade bei Fahrzeuglängen ab 4,9 Metern Sinn machen würde. Beides benötigt jedoch eine elektromechanische Lenkung, die aufgrund des Gewichts und der hohen Zuladung des T6 noch nicht verwendet werden kann. „Wir arbeiten daran“, heißt es dazu aus Konzernkreisen.

Einen Schritt weiter sind die Techniker bereits bei den Motoren

Beim neuen T6 wird es vier Diesel von 62 kW (84 PS) bis hin zu 150 kW (204 PS) und zwei Benziner mit 110 kW (150 PS) sowie 150 kW (204 PS) geben, die alle die Abgasnorm EU6 erfüllen. Allerdings spielen die Ottomotoren beim T6 eher eine untergeordnete Rolle. Rund 42 Prozent der Käufer entscheiden sich für den 150-PS-Diesel, mit dem man sich auch auf der Autobahn nicht untermotorisiert fühlt: In nur 12,9 Sekunden sprintet der Multivan T6 von null auf 100 km/h und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 182 km/h. Der Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern auf 100 Kilometern vervollständigt den guten Eindruck. Jetzt gibt es diesen Motor auch mit Allradantrieb und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Noch mehr Spaß macht der 204-PS-Diesel, mit dem der T6 dank nach 9,8 Sekunden die 100-km/h-Marke knackt. Erst bei 203 km/h ist Schluss. Allerdings ist bei dieser Motorisierung der Allradantrieb eine gute Wahl. Gerade in engen Kurven melden sich sonst die Reifen zu Wort und signalisieren deutlich hörbar das Erreichen der Haftungsgrenze. Die neuen Aggregate sind nicht nur sauberer, sondern verbrauchen im Schnitt rund einen Liter weniger. Der 84-PS-Einstiegsmotor des T6 begnügt sich mit dem Effizienz-Paket mit einem Durchschnittsverbrauch von 5.5 Litern pro 100 Kilometer.

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© Bild: Werk

Preis des neuen VW T6 in Österreich

Vom T5 übernommen wurde der Variantenreichtum: Campingfreunde freuen sich über einen California, die Großfamilien über einen langen Radstand und die Handwerker über einen robusten Transporter, bei dem viele Ablagen vorhanden sind, aber wenige Klappen, die abbrechen oder ausleiern können. Fast alle Einbauschränke und anderen Verstaumöglichkeiten können übrigens vom T5 in den T6 übernommen werden. Der Verbesserungseifer der VW-Ingenieure ging sogar so weit, dass bei den Sitzen die Schaumeinlage und die Federn auf das optimale Dämpfungsverhalten bei kurzen Schlägen optimiert wurden. Was bleibt, sind die hohen Preise und die unüberschaubaren Ausstattungsmöglichkeiten. Ein VW Multivan startet bei 35.990,– Euro, der beliebte 110-kW-Diesel startet bei 41.990,– Euro. Der Einstiegspreis des Kastenwagens liegt bei 23.940 Euro für den 84-PS-Diesel. Nach oben hin sind kaum Grenzen gesetzt.

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