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Citroën C3, ein Fest für die Finger

Ein erster Fahrbericht des neuen Citroën C3 zeigt, dass der Kleinwagen mehr als nur Farbe in unseren Straßen-Alltag bringen wird.

11.10.2016 radical mag

Er wurde ja schon vorgestellt, der neue Citroën C3, und Fabian Mechtel hatte ihn zu seinem Liebling des Pariser Salons erkoren. Doch es ist selbstverständlich immer etwas anders, wenn man dann ein Auto zum ersten Mal fahren darf, denn, eben: Grau, lieber Freund, ist alle Theorie. Und grün des Lebens goldner Baum.

Die Farbenlehre des neuen Citroen C3

Er war weder grau noch gülden, sondern weiß mit rotem Dach, dieser erste Citroen C3, den wir in Dänemark fahren durften. Es hätte auch noch weiß mit schwarzem Dach gegeben sowie Lindgrün mit schwarzem Dach (und ohne Airbumps), doch unsere Wahl war klar: gut sieht das aus, frech, die farblichen Akzente, die da in vielfachster Weise personalisiert gesetzt werden können, machen den Franzosen zu einem adretten Wagen. Es ist zu hoffen, dass die Kundschaft die vielen Möglichkeiten auch nutzt, dann wird der Citroën so ein wenig Farbe in unser aller Straßen-Alltag bringen. Angenehm überrascht hat uns in diesem Zusammenhang auch, dass da nicht einfach ein bisschen Dach lackiert wird, sondern die Farbe auch bei offenem Kofferraumdeckel zu sehen ist – und an den Rückspiegeln. Und vorne in der Front. Das wirkt alles andere als billig, sondern: erfreulich durchdacht.

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© Bild: Peter Ruch

Mit oder ohne Airpumps

Überhaupt ist er ein hübsches Fahrzeug geworden, der schönere kleinere Bruder des C4 Cactus, dessen Design ja nicht allerorten Zuspruch fand. Beim C3 ist es fast ein wenig schwierig, ihn nicht zu mögen. Und der kleine Franzose – der einen Zentimeter unter der Marke von vier Metern bleibt – zeigt auch auf, dass die Optik von Kleinwagen nicht Würsteln im Glas ähneln muss. Übrigens, und das muss wohl geschrieben sein: es gibt den neuen C3 auch ohne den Airbumps. Für all jene, die sich weiterhin nicht vorstellen wollen, dass diese Luftkissen wirklich sehr sinnvoll sind.

Ein Fest für die Finger

Die roten Akzente zieht Citroën auch in den Innenraum. Und das sieht auch dort gut aus. Und endlich, endlich ist (neben dem Fiat Cinquecento) ein Kleinwagen auf dem Markt, der innen nicht nach Sparübung aussieht, sondern wirklich wohnlich wirkt. Selbstverständlich arbeiten auch die Franzosen mit Plastik, aber dies so liebevoll, dass man es kaum noch bemerkt. Denn es werden da auch andere Materialien verwendet, und so ist das Auge erfreut. Und die Fingerspitzen ebenfalls, denn haptisch fühlt sich das alles gut an, keine scharfen Kanten, auch wenn man unter die Sitze greift. Im Gegensatz zum Cactus wurde der 7-Zoll-Bildschirm etwas weiter unten platziert, was die Bedienung einfacher macht. Das Bediensystem ist vorbildlich, doch das schreiben wir sicher auch deshalb, weil wir ein ganzes Jahr mit einem C4 Cactus verbrachten. Nicht wirklich verstehen können wir allerdings, weshalb die Franzosen neu jede Menge winzigster Schalterchen unter dem Tacho angebracht haben, das sieht ein wenig hilflos aus und ist – unserer Ansicht nach – auch völlig unnötig; den Tageskilometerzähler zurückstellen kann man bestens auch über den Touchscreen.

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© Bild: Peter Ruch

Ein Kleinwagen ist ein Kleinwagen

Die Sitze sind gut, eher auf der weichen Seite, aber trotzdem mit anständigem Seitenhalt; da kann und will man durchaus auch einmal sitzenbleiben über längere Strecken. Vorne freut man sich über jede Menge Ellenbogen- und vor allem Kopffreiheit, die hat man hinten auch, denn der C3 misst immer noch stolze 1,47 Meter in der Höhe, obwohl er vier Zentimeter flacher ist als sein kugeliger Vorgänger. Doch die hinten sitzenden Passagiere würden wohl gern ein wenig dieses Übermaßes an Kopffreiheit für mehr Raum für die Beine eintauschen. Die eher beengten Verhältnisse zeigen dann halt doch auf, dass ein Kleinwagen mit einem Radstand von 2,54 Metern seine Grenzen hat. Andererseits: besser können das die Konkurrenten auch nicht. Nichts zu mäkeln gibt es in Sachen Kofferraum, 300 Liter sind im diesem Segment (weiterhin) ganz oben; wie viel der Citroën wegpackt, wenn die hinteren Sitze abgeklappt sind, wollen die Franzosen nicht verraten. Auch das Gewicht kennen wir leider nicht; beim Cactus gingen die Franzosen neue Wege und schafften es, das Gewicht erfreulich niedrig zu halten. Ob das auch auf den neuen C3 zutrifft, können wir (noch) nicht beurteilen.

Motorisierung des Citroen C3

Gut, wir bewegten die stärkste Variante, den 110 PS starken Dreizylinder-Benziner. Und hatten folglich nichts zu jammern, was die Fahrleistungen betraf. Es war sogar so, dass wir Fahrfreude empfanden, der kleine Franzose geht gut geradeaus und fröhlich durch die Kurven, dies auch dank einer nicht zu leichtgängigen, aber dafür schön präzisen Lenkung. Und er bremst anständig (was dann wiederum auf ein vernünftiges Gewicht schließen lassen könnte). Zwar ist er nicht so komfortabel wie der C4 Cactus, dafür rein subjektiv: agiler, wendiger, fahraktiver. Nicht wirklich überzeugen konnte allerdings das manuelle 5-Gang-Getriebe, die Wege sind zu lang, zu wenig klar definiert. Ja, klar, so ein C3 ist auch mit 110 PS kein Rennwagen, aber andererseits kennen wir andere Hersteller, die das auch bei günstigen Automobilen besser können. Und bei der schwächsten Variante, die mit nur gerade 68 PS antritt, wäre man wohl froh, wenn man dann die Gänge etwas flotter wechseln könnte. Aber auch hier: es liegt alles gut in der Hand, man fühlt sich wohl. Und an das Dreizylinder-Geräusch werden wir uns wohl gewöhnen müssen. Die beste Wahl dürfte aber, wie schon im Cactus, der 100-PS-Diesel sein. Leider wissen wir bislang auch nichts in Sachen Verbrauchsangaben.

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© Bild: Peter Ruch

Per ConnectedCAM in die Welt

Und auch bei den Preisen sind die Franzosen unerfreulich zurückhaltend. Zwar sollen die ersten C3 in den nächsten Tagen bei den Händlern ankommen, doch eine Preisliste gibt es bislang noch nicht. Es ist aber anzunehmen, dass Citroën auch bei diesem neuen Modell kein Premium-Geld verlangen wird, das würde der neuen Firmen-Philosophie widersprechen; andererseits wird es jede Menge Extras geben, die das Fahrzeug nicht günstiger machen werden, zum Beispiel das (feine) Panorama-Dach. Citroën hat sich ja zudem auf die Fahnen geschrieben, in Sachen Connectivity und überhaupt soziales Leben ganz vorne mitspielen zu wollen, solche Spielsachen wie die ConnectedCAM, eine Kamera, die Bilder von Fahrer, Insassen und Umgebung gleich direkt online stellen kann, gehören da anscheinend zum Lifestyle. Man muss das ja alles nicht kaufen, aber: man kann.

Eines der wichtigsten Modelle der Marke

Mehr als 3,5 Millionen C3 hat Citroën seit 2002 verkauft. Das bedeutet, dass der Kleine eines der wichtigsten Modelle der Marke war – und weiterhin bleiben sollte. Der erste Eindruck des Franzosen ist gut, sehr gut sogar – so viele Kleinwagen mit Charakter gibt es auf dem Markt ja bislang auch nicht. Und das liegt nicht allein daran, dass der neue C3 ein hübscher Farbtupfer ist.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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