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Mercedes SL 400, irgendwie so Plusminus

Der neue Mercedes SL 400 gibt sich jede Menge Mühe wieder an seine glorreiche Zeit anzuschließen. Gelingt dieses Vorhaben? Und was ist mit der Konkurrenz?

10.03.2016 Press Inform

Wenn ein Auto im Hause Mercedes über eine grandiose Historie verfügt, dann der Sportwagenroadster SL. Sein grazil-elegantes Design haben ihn seit den 50er Jahren zu einer fahrenden Legende werden lassen. Die einzelnen Modelle transportierten die Schönen und Reichen stilsicher und bei zumeist geöffnetem Dach für jeden sichtbar durch die Lande. Nach seinem Ursprungsmodell W 198 II war der SL weniger ein Sportwagen, sondern eher eine souverän motorisierte Sonnenterrasse, die an der Cote d’Azur ebenso zum Straßenbild gehörte wie in den Hügelketten von Beverly Hills.

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© Bild: Werk

Rückblick auf den Mercedes SL

Doch das sportlich elegante Aushängeschild der Marke Mercedes wurde in den 2000er Jahren zu einem gefallenen Engel. Der einstige Star war ohne echte weltweite Konkurrenz und mit bekannten Cruiserqualitäten hausintern auf einmal nicht mehr unantastbar. Mercedes wollte mehr Luxus, sich mit seinen Topmodellen zu höheren Sphären aufschwingen und insbesondere die S-Klasse zu eigenen Submarke machen. Neben alledem stand eine Verjüngung der Marke an; gepaart mit einer neu ausgerufenen Dynamik. Alles nichts, was dem SL, bekannt für seine ebenso betagte wie finanzstarke Kundschaft, in die Karten spielte. So wurde die erste Klappdach-Generation des R 230 nicht zu einem derart großen Wurf wie die Klassiker R 107 (1971 bis 1989) oder der seit 1989 produzierte R 129, der das Segment der Luxusroadster im Schatten der mächtigen W-140-S-Klasse neu definierte. Als mit Verspätung endlich der Nachfolger R 231 kam, war der Sprung zum R 230 dann noch kleiner. Das Design war nicht klassisch und die einst so wichtigen technischen Innovationen beschränkten sich vorrangig auf 150 Kilogramm Mindergewicht, ein neues Frontbass-System und Wischerblätter, aus denen das Wasser direkt an die Frontscheibe gebracht wurde.

Der neue Mercedes SL hat es nicht leicht

Zeitglich hatte man entschieden, dass die S-Klasse als neue Submarke im Sternenhaus das lang herbeigebetete Cabriolet bekommen und ein AMG GT neue Dynamik in die Marke bringen sollte – natürlich nicht nur als Coupé, sondern ab 2017 auch als Roadster. Wie gut hätten dieser Umsetzung das SL-Signet auf dem Heckdeckel getan. Als der SL zuletzt zum Ladenhüter wurde, sollte die nunmehr vorgestellte Modellpflege für neue Verkaufsimpulse sorgen. Ob die allemal sehenswerte neue Front mit den längst überfälligen LED-Scheinwerfern und dem überbewerteten Diamant-Kühlergrill reicht, darf bezweifelt werden. Fraglos hat der SL damit an Dynamik und Eleganz gewonnen. Doch insbesondere das Heck blieb blasser denn je und der Innenraum lässt bei aller Wertigkeit dann doch einige Wünsche (des international verwöhnten Roadsterklientels) offen.

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© Bild: Werk

Preis des Mercedes SL in Österreich

Welcher Motorisierung man dabei den Vorzug gibt, entscheiden Geldbeutel, Einsatzmöglichkeiten und Nationalität. Perfekt ist der SL 500 (ab 148.680 Euro – Alle Preise: Listenpreise inkl. NoVA und 20% MwSt.), der auf dem Hauptmarkt USA unverändert SL 550 heißt und mit seinem 455 PS starken Achtzylinder-Turbo eine ideale Symbiose aus Sportlichkeit und Souveränität bietet. Wer noch mehr Dampf will, ordert den in Sachen Längsdynamik beeindruckenden SL 63 AMG mit 585 PS um mindestens 201.940 Euro oder greift zum übermächtigen Mercedes AMG SL 65, der Einstiegspreis bei letzterem liegt dann bei 309.560 Euro. Ausreichend ist der Mercedes SL 400, dessen aufgeladener Dreiliter-V6 mit 270 kW / 367 PS den knapp 1,8 Tonnen schweren Edel-Roadster allemal kraftvoll motorisiert, der kommt auf 114.780 Euro. Doch trotz 500 Nm maximalem Drehmoment zwischen 2.000 und 4.200 U/min, 250 km/h Höchstgeschwindigkeit und 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden bleiben einige Wünsche offen. Das gilt für den unter Last leicht angestrengten Motorklang ebenso wie den Durchzug in höheren Drehzahlbereichen. Hier bietet kann auch die verbesserte Neungang-Automatik keine Wunder vollbringen, obschon sie die Drehzahlsprünge beim Gangwechsel geringer denn je hält und einen Normverbrauch von 7,7 Litern SuperPlus realisieren soll. Doch dem SL 400 fehlt jene entspannte Souveränität, die einen Achtzylinder im SL unverzichtbar macht.

Um die Kurve, ähnlich einem Motorrad

Die genießt man in dem wenig innovativen, aber perfekt geschnittenen Innenraum. Die klimatisierten Ledersitze mit Massagefunktion lassen einen in Sekundenbruchteilen mit dem Luxuszweisitzer verschmelzen. Der Komfort, den der Mercedes SL im seichten Galopp bietet, ist gerade mit der optionalen Verstelldämpfung des Active Body Control einmal mehr beeindruckend. Dabei säuselt der Fahrwind, je nach Stellung von Seitenscheiben und elektrischem Windschott, kaum spürbar am Haupthaar vorbei. Erstmals kann sich der Mercedes SL dabei wie ein Motorradfahrer leicht in die Kurven neigen, indem die einzelnen Federbeine an die Kurve angepasst werden. Muss nicht sein, ist je nach dynamischen Ambitionen aber ein Komfortgewinn.

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© Bild: Werk

Was dann doch stört

Allenfalls am Rande stören die Ergonomie der SL-Mittelkonsole, die leicht betagten Rundinstrumente und der zentrale Multifunktionsbildschirm, der den Innenraumdesignern unwichtiger zu sein schien, als die übermächtigen Lüftungsdüsen. Dabei kommt der schönste Wind doch sowieso von oben. Das vollelektrische Klappdach öffnet bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h – zumindest wenn den Vorgang im Stand initiiert hat. Denn nicht nur bei geöffnetem Dach ist der Mercedes SL das, was er schon immer war: der beste Luxusroadster der Welt – und dabei nahezu konkurrenzlos. Damit das so bleibt, sollte die nächste Generation jedoch wieder ein großer Sprung in die Zukunft sein. Details wie ein vollelektrisches Stoffdach oder ein Allradantrieb für die mächtigen Topmotorisierungen sind dabei wohl unverzichtbar.

 

Technische Daten des Mercedes SL 400

  • Hubraum: 2.993 ccm
  • Zylinder: 6
  • Leistung: 270 kW / 367 PS
  • Maximales Drehmoment: 500 Nm ab 2.000 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 4,9 Sekunden
  • Gewicht: ab 1.735 kg
  • Normverbrauch: 7,7 Liter
  • Getriebe: Neungang-Automatik
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