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Unterwegs im Every-Day-Supercar in Goodwood

Wo könnte die erste Mitfahrt im neuen McLaren 570 S würdiger stattfinden, als in Goodwood? Wir verraten euch, warum ihr eure Taschen leeren solltet und welche Frage unbeantwortet bleibt.

29.06.2015 Online Redaktion

Bisweilen müssen wir uns damit begnügen, nur als Beifahrer im neuen McLaren 570 S gesessen zu sein, aber immerhin erste Eindrücke die Lust auf mehr, viel mehr machen, haben wir mitnehmen können. Wir nehmen also Platz im 570-PS McLaren und lassen uns von niemand geringeren als der Chef-Test-Pilot Chris Goodwin kutschieren. Eines sei schon jetzt verraten: Nicht nur für den britischen Hersteller bleibt dieser Tag unvergessen.

McLaren 570 S – das Heck erzeugt Freude

Der Erstkontakt mit dem 328 Kilometer pro Stunde schnellen Geschoss fällt bereits erwartungsfroh aus. Die schnittige Front mit zahlreichen Lufteinlässen und geschwungenen Anbauteilen ist zum einen zwar nicht sonderlich überraschend oder gar neu. Doch gibt sie schon einen ersten Aufschluss auf das, was eventuell noch folgt. Denn langsam sieht der 1.313 Kilogramm schwere Heckantrieb-Sportwagen nicht aus. Ein Blick auf das Heck wandelt jedes Gesicht in ein hoffnungsvolles Grinsen. Der 3,8 Liter große V8-Mittelmotor ist zwar kaum zu sehen. Aber allein seine Anwesenheit unterhalb des Carbongeflechts steigert die Adrenalinzufuhr im Blut. Auf dem Papier stehen 9,5 Sekunden für den Tempo 200-Sprint – na dann nichts wie los.

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© Bild: Werk

Ein Every-Day-Car halt

Der 48 Jahre alte Chef-Testfahrer gibt per Druckknopf das Zeichen zum Fluten der acht Brennkammern. Sofort wird der gesamte Innenraum des Zweisitzers zum Klangkörper umfunktioniert. Es blubbert, es wabert, es brummt – herrlich. Nach einer kurzen Einführung in die sehr übersichtlich gestaltete Armatur des wahrscheinlich 200.000-und-noch-einiges-mehr Euro teuren Supersportlers, stehen die Zeichen auf Abfahrt. Zeit für ein paar kleine Sätze vom Piloten gibt es noch: „Die Idee war, einen echten Sportwagen zu schaffen, der leicht und einfach zu fahren ist. Wir haben ja noch andere, stärkere Fahrzeuge im Portfolio. Das ist unser Every-Day-Car. Ach ja, keine Sorge: Der Hill Climb hier in Goodwood ist ja eigentlich gar kein echtes Rennen…“

Leert eure Taschen!

Ob nach dem Wort Rennen noch etwas anderes folgt ist nicht überliefert. Denn die Launch-Control und der von ihr ausgelöste V8-Sound beherrscht nun alles. Trotz Helm wird schnell klar, dass der Kleine ganz schön laut schreien kann – und dann geht es los. Erster Gang, zweiter Gang, Rechtskurve mit leicht ausbrechendem Heck und dann die verhältnismäßig lange Gerade. Der McLaren 570 S geht nach vorn, als gäbe es kein Morgen und keine Physik. Nur gut, dass der auf den täglichen Nutzen ausgelegte Sportler abschließbare Ablagefächer für Smartphone und Co in den nach oben öffnenden Türen hat. Ansonsten hätte sich alles aus den Hosentaschen gen Heck verabschiedet. Die steinerne Schikane steht bevor. Auf das kurze, bestimmte und dabei sehr genaue Anbremsen folgt eine weitere Beschleunigungsstrecke.

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© Bild: Werk

Eine Frage bleibt unbeantwortet

Es fällt auf, dass die 600 Newtonmeter Drehmoment an den Hinterrädern unglaublich gut auf der Straße ankommen und zugleich sehr präzise zu dirigieren und beherrschen sind. Die Lenkung zeigt Gokart ähnliche Bewegungsmuster, die später auch von Chris Goodwin als solche beschrieben werden. Das Gaspedal gibt spontane Gasstöße ohne eine Gedenkmillisekunde weiter und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge ohne, dass es jemand mitbekommt. Als Profi greift Chris Goodwin natürlich das ein oder andere Mal selbst an die Schaltwippen, doch auch dann ist kaum etwas zu spüren. Es scheint beim neuen McLaren 570 S einfach alles zu passen. Das große LCD-Display ist gut abzulesen, die Piktogramm-Figur auf dem für die Belüftungseinstellung vorgesehenen Bildschirm trägt einen Helm und die Federung ist trotz Supersport-Genen überraschend komfortabel abgestimmt. Die große Frage, die sich einem am Ende solch einer gelungenen Premiere stellt ist eigentlich nur folgende: Warum sollte ich mir einen Größeren und damit auch Teureren kaufen? Denn die halbe Sekunde, die ein 650 S schneller auf Tempo 100 ist, holt ein guter Fahrer schon auf den ersten Metern heraus.

  • EP

    Oh Mann – die Knöpfe der Mittelkonsole sehen jetzt schon so furchtbar veraltet aus und sind aus billigstem Plastik mit Softlack überzogen…Und der Bilschrim kommt nicht ohen riesen schwarzen leeren Rand aus, bis das Karbon anfängt? All das wirkt fern ab von aktuell…von außen wirkt er sofort wie der kleine Bruder des P1, wem das gefällt, der wird hier auch das Design lieben. Aber in der Preisklasse muss es innen entweder: a) super spartanisch-race-mäßig aussehen, oder b) jedenfalls um einiges hochwertiger wirken!

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