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Lamborghini Huracan LP 610-4 Spyder: Was fehlt? Wo sammelt er Pluspunkte?

Den neuen Lamborghini Huracan LP 610-4 Spyder in Miami Beach auszuführen, ja, das passt hervorragend. Auffallen zum hohen Preis.

02.02.2016 Press Inform

Extrovertierter als in einem Lamborghini kann man sich im internationalen Straßenverkehr kaum präsentieren – erst Recht nicht in einem Roadster. Und wenn es einen perfekten Platz für eine Testfahrt des neuen Lamborghini Huracan LP 610-4 Spyder geben kann – dann ist das fraglos in und um Miami Beach. Hier an der besonders nach Sonnenuntergang turbulenten Collins Avenue bieten Autovermietungen weder Ford Mustang oder Chevrolet Malibu, sondern fahrbare Träume wie Corvette Z06, Ferrari 458 oder das nicht nur im Sunshine State Florida überaus erfolgreiche Vorgängermodell des Lamborghini Gallardo. Dank mehr als 320 Sonnentagen war hier jeder zweite Gallardo ein offener Spyder – das wird sich beim Huracan kaum ändern.

Da fühlt er sich wohl, der Lamborghini Huracan LP 610-4 Spyder

Abends ziehen wild gepimpte Boliden mit verchromten Giganto-Felgen und wummernden Beats die Blicke von Locals und Touristen an – klar, dass ein offener Huracan genau hier hergehört. Lamborghini ist in Miami Beach eine der wenigen automobilen Traumfabriken und jeder Türsteher, jeder Jugendliche und fast jeder Promi kennt den Gallardo-Nachfolger bereits als Coupé. Wie er offen fährt, ist den meisten jedoch bisher verborgen geblieben. Dabei ist der Lamborghini Huracan offen wie geschlossen ein grandioser Sportwagen reinsten Wassers. Gerade als Roadster zudem spektakulärer denn je und daher genau der Richtige für eine öffentliche Bühne wie Miami Beach.

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Nicht nur laut und schnell

Das Styling des Italieners sorgt für Aufsehen –das Fahrerlebnis für noch so viel mehr. Der brüllende Klang des V10-Saugers lässt selbst Autoverweigerern das Blut in den Adern gefrieren. Man sollte seine letzten Jahre zelebrieren, denn einen echten Zehnzylinder-Saugmotor mit 5,2 Litern Hubraum wird es angesichts der immer strenger werdenden Schadstoffvorschriften nicht mehr allzu lange geben. Dem 449 kW / 610 PS starken Kraftkoloss hinter der eng geschnittenen Huracan-Fahrgastzelle sind im Laufe der Jahre Manieren beigebracht worden. Er ist längst viel mehr als bloß laut und schnell, sondern filigran ansprechend und präsentiert sich durch Zylinderabschaltung und Start-Stopp-Automatik so sparsam wie es eben geht: 12,3 Liter. Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe hat einen gewichtigen Anteil am offenen Fahrvergnügen, das zwischen lässig posen und wild jagend nahezu alles bietet. Je nach Gangart lassen sich am griffigen Lenkrad die drei Fahrmodi ganz nach Gusto durchschalten. Die präzise Lenkung: nahezu perfekt.

Pluspunkte gesammelt

Es sind weniger die 0 auf Tempo 100 in 3,4 Sekunden oder die spektakuläre Höchstgeschwindigkeit von 324 km/h, die einen unweit der Art-Deco-Fassaden am Ocean Drive begeistern. Natürlich presst einen der über 1,6 Tonnen schwere Lambo, Dank 560 Nm maximalem Drehmoment bei 6.500 U/min, ordentlich in die Sportsitze. Es ist die auch bei geöffnetem Dach unglaublich steife Karosserie und die stimmige Fahrwerksabstimmung, die den Spyder aus Santa Agata unweit von Bologna selbst für etwaige Rennstreckeneinsätze gewappnet erscheinen lässt. Die 120 Kilogramm Mehrgewicht, die das bis Tempo 50 vollelektrisch zu öffnende Stoffdach ins Auto bringt, stören außerhalb des Grenzbereichs niemanden. Unverändert verzögert der Norditaliener ebenso stramm wie das Coupé. In kaum mehr als 32 Meter steht der ehemals 100 km/h schnelle Allradler auf dem Punkt. Der Allradantrieb – ebenso wie der niedrige Schwerpunkt einer der Pluspunkte des offenen Doppelsitzers.

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Abzüge gibt’s bei der Frisur

Wenn etwas das exzellente Gesamtbild stört, dann sind es die Kleinigkeiten. Die nur 1,18 Meter hohe Dachlinie zerstört groß gewachsenen Personen mit geschlossenem Stoffdach die Frisur. Die Bedienung von Navigation, Bordcomputer und Soundsystem am überfrachteten Lenkrad ist alles andere als überzeugend und das Fehlen eines zweiten Bildschirms in der Mittelkonsole schlicht eine Fehlkonstruktion, die jedoch kaum Kunden kosten dürfte. Schließlich ist der emotionale Spyder in erster Linie etwas für Alleinfahrer, die Eindruck schinden wollen. Und zwar solche, denen ein großer Auftritt mindestens 221.875 Euro wert ist.

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