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Die günstige Rückkehr des Fiat Tipo

Den Fiat Tipo hatten wir ehrlichgesagt nicht mehr auf dem Schirm. Jetzt lassen die Italiener die Baureihe wieder aufleben und finden gleichzeitig eine neue Nische.

09.05.2016 radical mag

Es musste ja eigentlich nur zu Ende gedacht werden. Dass eine so genannte «Billig»-Marke funktionieren kann, ist seit Dacia hinlänglich bekannt, und man weiß auch von anderen Herstellern, dass solche Pläne bestehen, gerechnet wurden und noch werden. Dass nun Fiat kommt und unter dem eigenen Namen das bisher von günstigen Angeboten noch leere C-Segment bearbeitet, ist aber doch einigermaßen überraschend. Die eigene Marke, über Jahrzehnte aufgebaut und gepflegt und gehätschelt, in diese Richtung zu ziehen, das widerspricht wohl eher sämtlichen Marketing-Lehren, zumal die Italiener ja ganze Anwaltskanzleien voller klingender Namen aus der Vergangenheit zur Verfügung stehen hätten. Andererseits: all das Premium-Gesabbel verdient ja auch einmal einen neuen Ansatz, und Fiat war ja schon immer eine Marke für das Volk, für jene, die selten einen Blick auf die Entwicklung ihres Aktien-Portfolios werfen müssen, mangels eines ebensolchen.

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© Bild: Werk

Fiat Tipo, schau aufs Geld

Es begann im vergangenen Jahr mit dem Agea, eigentlich nur für den türkischen Markt gedacht und dort auch gebaut. Aber warum nicht diesen Wagen umbenennen und auch exportieren, war dann wohl der Gedanke, es besteht ja ein Markt für klassische Limousinen auch im C-Segment, zwar nichts Großartiges, aber 50.000 Exemplare pro Jahr sind auch Geld. Unterdessen hat der 4-türige Sedan mit 22.000 verkauften Stück dort eine marktbeherrschende Stellung – was nicht weiter überrascht, denn der Preis von einheitlich 12.500 Euro auf allen Märkten ist ein ziemlich unschlagbares Angebot. Das gilt auch für den (ab Juni angebotenen) klassischen 5-Türer sowie den Kombi (ab September), mit denen Fiat nun die Tipo-Baureihe wiederbelebt und ausbaut. 13.790 Euro für die Limousine (und ein paar Tausend Euro mehr für den Kombi) sind eine unmissverständliche Ansage; mindestens 15 Prozent günstiger als alle Konkurrenzprodukte sei man auch nach Abzug aller Rabatte, behaupten die Italiener.

Echter Schlüssel, wenig Schnickschnack

Und nun erhält man eine ganze Menge Auto für dieses Geld. Designpreise wird es zwar wohl keine gewinnen (wobei, wer gewinnt bei «red dot» schon keinen Preis?), doch das heißt nicht, dass man sich nur nachts oder in dunklen Parkgaragen damit sehen lassen möchte; der Station Wagon ist sogar ganz ansehnlich. Auch eine Premium-Anmutung im Interieur darf man nicht erwarten, da ist schon jede Menge Plastik, und wo in anderen Fahrzeugen harmonische Linien zueinander finden wollen, bevorzugt Fiat den geraden Strich. Andererseits: den 7-Zoll-Bildschirm oberhalb der Mittelkonsole haben die Italiener schöner eingepasst als Mercedes, er wirkt nicht als Fremdkörper. Und die Bedienbarkeit ist bestens, man braucht nicht Arme wie ein Orang-Utan, um eine Adresse ins Navi zu tippen. Auch sonst, modern, der weitgehende Verzicht auf Knöpfchen und Schalterchen, wie man das heute halt so macht. Und unter uns Klosterschwestern: wir haben rein gar nichts vermisst, was wir auf der Fahrt von A nach B benötigen. Dass es noch einen richtigen Schlüssel in einem richtigen Zündschloss gibt, bezeichnen wir sogar als erfreulich. Es piept, wo es manchmal hilfreich ist, wenn es piept, und ganz viel Zeugs, das sowieso nur unnötiger Ballast ist an Bord, wird gar nicht erst eingebaut. Die Sitze sind komfortabel – und uns gefällt der Winkel von 80 Grad, in dem sich sämtliche Türen öffnen lassen.

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© Bild: Werk

Was eingebaut ist: jede Menge Platz

Der Kofferraum ist beachtlich (440 Liter beim 5-Türer, 550 Liter beim Kombi), da bügelt der Tipo deutlich größere Fahrzeuge weg, auch wenn im Fünftürer die Ladekante etwas gar hoch ist (und im Kombi erstaunlicherweise nicht). Bei abgeklappten Sitzen entsteht ein ziemlich flacher Laderaum; beim Kombi können Gegenstände von bis zu 1,8 Meter Länge verstaut werden. Die hinteren Passagiere sitzen gut, können den Kopf lüften und die Beine fast schon strecken, und auch vorne kommt man sich nicht in den Weg. Eigentlich ist es ja ganz einfach, man muss nicht verstehen, weshalb es im Golf & Co so viel weniger Platz gibt (Ausnahme: Skoda), den größer als die C-Segment-Kontrahenten ist der türkische Italiener auch nicht, 4,37 Meter sind es beim 5-Türer, 4,57 Meter beim Kombi. Denn sechs Airbags hat auch der Tipo, die Sicherheitsanforderungen werden auf jeden Fall erfüllt. Auch als das Connectivity-Zeugs ist eingebaut, das es heute anscheinend braucht.

Und dann nochmals von A nach B, also: das Fahren

Das kann er nämlich gut, der neue Tipo (der alte Tipo war Auto des Jahres 1989, es ist also schon ein paar Wochen her – und man sieht ihn nur noch erschreckend selten). Auf den bekanntlich nicht immer nur guten italienischen Straßen steckt er erfreulich viel weg, Komfort ist reichlich – und es herrscht eine schöne Ruhe. Allzu sportive Ambitionen braucht man nicht zu haben, er schiebt ziemlich gnadenlos über die Vorderräder, der Tipo, aber das nennt man dann ja aktive Sicherheit. Doch für den Transport von Waren samt Personen reicht das problemlos – die gnadenlose Fahrfreude kostet auch bei anderen Marken einen massiven Aufpreis.

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© Bild: Werk

Motorisierung des Fiat Tipo 2016

In Sachen Antrieb hält sich Fiat etwas zurück. Zumindest bei der Spreizung nach oben; es wird keinen 400-PS-Tipo geben. Es gibt Benziner. Und es gibt Diesel. 90 bis 120 PS, bei beiden. Ja, das reicht, damit kommt man schon anständig vorwärts, denn so richtig schwer ist der Tipo auch nicht geworden, ab 1.200 Kilo beim 5-Türer, bis 1.450 Kilo beim Kombi. Es wird auch eine Eco-Variante geben, die will dann nur gerade 3,4 Literchen brauchen; das kostet dann aber sicher etwas mehr Geld. Und ob sich das dann lohnt, ist eine andere Frage. Jedoch, das Preis-Leistung-Verhältnis spricht für den Tipo. Ob das alles Auswirkungen auf das Image von Fiat haben wird, muss sich dann auch noch weisen. Wir mögen die Idee hinter dem Tipo, und uns gefällt die konsequente Umsetzung.

Datenblatt Fiat Tipo Kombi 1.6 l MultiJet

  • Typ: Kompaktklassen-Kombi
  • Motor: Vierzylinder-Turbo-Diesel
  • Hubraum (cm3): 1.598
  • Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 120 (88) bei 3.750
  • Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 320 bei 1.750
  • Höchstgeschwindigkeit (km/h): 200
  • Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 9,7
  • Getriebe: Sechsgang-Handschaltung
  • Antrieb: Frontantrieb
  • Treibstoffsorte: Diesel
  • Tank (L): 45
  • Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 3,7
  • CO2-Ausstoß (g/km): 98
  • Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.395
  • max. Zuladung (kg): 475
  • Abmessungen (L/B/H): 4.571 / 1792 / 1.512
  • max. Ladevolumen (L): 550
  • Abgasnorm: EU 6
  • Effizienzklasse: A+

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

  • lodweyg

    er ist genau so hässlich wie ein Audi, Bmw, Mercedes, Vw, Opel nur musst für diese
    Designentgleisung net so viel blechen….

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